RÜCKER, August Gottlieb, * 8.12. 1871 in Frankenbach bei Heilbronn, + 20.9. 1952 in Oberstenfeld. Methodistischer Pastor und Komponist. Seine Eltern Friedrich Rücker und Katharina geb. Weidemann gehörten der Methodistenkirche an. A.R. kam während seiner Gärtnerlehre in Heilbronn zum Glauben und begann ab 1890, sich auf den Dienst eines methodistischen Pastors vorzubereiten. 1893 ging er zur Ausbildung ins Frankfurter Predigerseminar. Danach bediente er die Gemeinden Darmstadt (1896), Herrenberg (1897/98), Prevorst (1898-1901), wo er sich mit Sophie geb. Spindler verheiratete. Danach wirkte er in Pforzheim (1902-1907), in der deutschsprachigen methodistischen Gemeinde in London (1907-1914), in Calw (1914-1916), Karlsruhe (1916-27) und Wiesbaden (1927-37). Von dort ging er in den Ruhestand, bis zur Zerstörung der Wohnung 1944 nach Heilbronn, später nach Oberstenfeld. Seine musikalische Begabung, die er als Autodidakt entfaltete, gab seinem Dienst ein besonderes Gepräge. Sie führte zu einer vielfältigen Mitarbeit im Christlichen Sängerbund (CS). Schon 1901 wurde er Vorsitzender der Südd. Vereinigung des CS. Von 1914 bis 1943 (Einstellung der christlichen Zeitschriften durch die NS-Pressegesetzgebung) war er Redakteur des »Sängergruß« ab 1924 auch für die Zeitschrift »Der Chormeister«. Er wirkte im Liederausschuß mit (1903-08 u. ab 1928 wieder) und war von 1916-19 auch stellvertretender Vorsitzender des CS. Bereits 1893 veröffentlichte der Christliche Sängerbund R.s ersten Chorsatz (für Männerchor). Hatte der Methodistenprediger Ernst Gebhardt einen wesentlichen Einfluß auf die Bildung von Chören und später deren missionarische Wirkung durch die Einführung von »Gesanggottesdiensten«, so knüpfte A.R. daran an und entwickelte für derartige missionarische Singegottesdienste volkstümliche Oratorien, die auch von den einfachen Chören mit den ehrenamtlich tätigen Chorleitern gemeistert werden konnten. Dabei ging es ihm nicht zuerst um großartige musikalische Leistungen, sondern er stellte sein kompositorisches Schaffen ganz in den missionarischen Dienst und bediente sich mit dieser Zielrichtung vorwiegend biblischer Themen und Texte. Er selbst bezeichnete im hohen Alter als wichtige kirchenmusikalische Aufgabe für die methodistischen Gemeinden: Die Pflege des reformatorischen Kampfliedes, die Bewahrung des pietistischen Liedes der Heilsgewißheit, das Singen der erwecklichen Heilslieder wie der christlichen Hoffnungslieder. Innerhalb der eigenen Kirche hatte er wesentlichen Anteil an der Gestaltung des Gesangbuchs, das 1926 herausgegeben wurde.
Werke: Das Geheimnis der Kraft und des Erfolgs, Predigt, Übers. 1908; Was »Die Kirche« über den Methodismus zu sagen weiß, und was wir darauf zu erwidern haben, o.J.; Freiheit, Kriegsgefangenen-Grüße, hrsg. v. Friedrich Wilhelm Brepohl, 19192; Probleme des christlichen Glaubens (Übers.); Studien im ersten Buch Mose, o.J. (vor 1920); Der Chorknabe, 1921; A. Page, Judas Ischarioths Tagebuch (Übers.), o.J., (1922?); Christentum und Kunst, in: Der Weg zur Höhe, 1923, 67-75; Halleluja, lobt den Herrn, 1924; Christ ist geboren, (Krippenspiel), 1924; Wenn Jesus nicht gekommen wäre (Sprechmottete), o.J.; Festschrift zur Jubiläumsfeier, 1925; Drei Kreuze von Golgatha, 1927; Ein verhängnisvoller Irrtum, 1928; Als die Sterbenden, und siehe, wir leben, 1935(?); Die Pioniere des Methodismus in Deutschland, Bd I, 1936, Bd. II, 1937; Zweierlei Kronen, 1937; Im Feuer bewährt, 1937; Die Liebe siegt, 1937; Die singende Gemeinde (Aufsatzreihe), in: Wächterstimmen 1938 f.; Der Reiter vom Süden, 1939; Im Dienste der Liebe, 1874-1949 (Festschrift); Im Dienst des Königs, 1940; Das zertretene Kreuz, o.J.; Das Christkind kommt, 1946; Eine Nacht in Bethlehem, 1947; Zwanzig Jahre Gesangbuch, in: Der Evangelist 1949, 228 f.; Der silberne Leuchter, (Erzählung in Fortsetzungen), in: Der Evangelist 1952, 52 f. (bis 149); Seit 1914 war er Schriftleiter des »Sängergruß«, seit 1924 Redakteur der Schulungszeitschrift »Der Chormeister« (Christl. Sängerbund). - Kompositionen und Lieder: Zionsstimmen, auserwählte Lieder für Gemischten Chor, hrsg. in Gemeinschaft mit Jakob Kaufmann, 1898; Im höhern Chor, (Männerchöre) 1898; Klänge aus dem hohen Lied, o.J. (1898?); Vom Kreuz zum Thron, Die Leidensgeschichte Jesu, o.J.,(1905?); Nach Bethlehem, ein Weihnachtsoratorium, o.J.,(1905?); Halleluja, lobt den Herrn, Festkantate, 1924; Das Reich muß uns doch bleiben, Reformationsfestspiel, 19262; Soli Deo Gloria, Männerchor-Lieder, o.J.; Hinauf gen Jerusalem, Passionsoratorium, o.J.(etwa 1920), Textbuch 1958; Israels Auszug aus Ägypten, ein volkstümliches Oratorium, zuerst in Karlsruhe, 1921; 19589; Die Sintflut, ein volkstümliches Oratorium, o.J.; Die vier Jahreszeiten in Natur- und Menschenleben, Text v. Friedrich Jehle, 1934; Bruno Leipold, Salomo, Oratorium, Text: August Rücker, 1935; Das verlorene Paradies, ein volkstümliches Oratorium, o.J.; Zu Gott empor, 6 Hefte, o.J.; Die singende Gemeinde, 1938; Johannes der Täufer, Oratorium, Text: Wilhelm Rudnick, Musik: August Rücker, 1940; Mithrsg. des Gesangbuch der Bischöflichen Methodistenkirche für die Gemeinden in Deutschland, zuerst 1926 mit 36 Liedertexten und 18 Tonsätzen; Gesangbuch für die Evangelisch-methodistische Kirche, 1969, mit 11 Liedtexten und 4 Liedsätzen. Für den Christlichen Sängerbund schuf er 69 Chorsätze.
Lit.: Johannes Giffey, Fünfzig Jahre Christlicher Sängerbund, 1879-1929,1929; Karl Eisele, August Rücker 80 Jahre alt, in: Der Evangelist 1951, 293; - Gustav Hoffmann, Nachruf, in: Der Evangelist 1952, 262 f.; - Nachruf, in: Verhandlungen der Südwestdeutschen Jährl. Konferenz der Methodistenkirche 1953, 71 f.; - Karl Dahn, Die Hymnologie des deutschsprachigen Methodismus, in: Carl Ernst Sommer, der Methodismus, 1968, 166 ff.; - Kurt Richter, Schwäbische Väter, in: Der Gemeindechor 4/1984, 6-10; - Kurt Richter, August Rücker, in: Der Gemeindechor 4/1990, 107. Jg. 4.