RUFFO SCILLA, Luigi: Kardinal und Nuntius am Wiener Hof, * 25.8. 1750 auf S. Onofrio, Diözese Milet, † 17.11. 1832 in Neapel. - Nach Abschluß seiner juridischen Studien trat er in die Kurie ein. Nach verschiedenen Ämtern - so z.B. dem eines Gouverneurs von Rom und des Leiters der Kanzlei, ernannte ihn Pius VI. am 11. April 1785 zum Titularerzbischof von Apamea und sandte ihn als Nuntius am 26. April 1785 zum Großherzog der Toskana. Während seiner Nuntiatur wurde die Synode von Pistoia abgehalten, deren Ergebnisse Pius VI. 1794 verurteilte. Am 23. August 1793 kam R. als Nuntius an den Wiener Hof zu Kaiser Franz II. - D. Squicciarini beschreibt die Situation am Hof mit den Worten: »Bezüglich seiner Religionspolitik blieb Kaiser Franz II., trotz der guten, persönlichen Ausrichtung des Kaisers und den Ermahnungen von Kardinal Migazzi, des Erzbischofs von Wien, substantiell auf der josephinischen Linie, wenn auch, wie schon unter seinem Vater Leopold II., in gemäßigter Weise durchgeführt. Im übrigen blieben auch die Hauptmitarbeiter des Kaisers und der bürokratische Apparat von Josephinismus gezeichnet.« (Die Apostolischen Nuntien in Wien... S. 208). Squicciarini führt noch weiter aus: »Die Nuntiatur des Ruffo in Wien war gezeichnet von den Folgen der französischen Revolution für das Habsburgerreich, wie für die katholiche Kirche in diesen Territorien und für das Papsttum«. (S. 208). R. mußte auch zwei Kriege erleben, in die die Kirche durch Beteiligung an den Kriegskosten mit verwickelt war: Der Krieg der ersten antifranzösischen Koalition, der bis 1797 dauerte wie der Krieg der zweiten antifranzösischen Koalition (1799-1801). Während seiner Nuntiatur wurde auch Pius VI. als Gefangener nach Frankreich geführt und starb 1799 als Gefangener in Valence. Pius VII., ein Benediktiner, der 1800 in Venedig zum Papst gewählt wurde, ernannte R. am 23. Februar 1801 zum Kardinal mit dem Titel von S. Martino ai Monti. 1802 verließ R. Wien und wurde am 9. August 1802 zum Erzbischof von Neapel ernannt. Sehr bald wurde R. von den Franzosen nach Frankreich deportiert. Er blieb 9 Jahre von Neapel entfernt. Erst am 15. Juni 1815 konnte er wieder in seine Diözese Neapel zurückkehren. Nach seinem Tode wurde er in der Kathedrale von Neapel beigesetzt.
Lit.: D. Squicciarini: Die Apostolischen Nuntien in Wien, Città del Vaticano 1999, 208-210.