RUSTER, Heinrich, Schriftsteller, Widerstandskämpfer; * 14.10. 1884 Kuchenheim bei Euskirchen, † 23.10. 1942 KZ-Sachsenhausen. - R. wuchs in Bonn auf und besuchte dort die Volksschule, an der sein Vater Konrektor war. Nach dem Abitur studierte er an der Universität Bonn zunächst katholische Theologie, dann Philosophie und Pädagogik. Seine erhoffte Habilitation scheiterte am Ersten Weltkrieg, in dem R. als Kriegsfreiwilliger diente. Nach dem Krieg gab er das Studium auf und wurde Schriftsteller. 1925 nahm er eine nebenamtliche Lehrtätigkeit als Dozent für Volksbildung, Leserpsychologie und Staatsbürgerkunde an der staatlichen Bibliothekarschule auf. Er publizierte Bücher und Aufsätze in denen er für christliche Werte eintrat und sich mit philosophischen Fragen beschäftigte. Seine große Belesenheit auf den Gebieten der Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Geistesgeschichte zeigen seine Veröffentlichungen zu unterschiedlichsten Themen. In allen Schriften geht es ihm aber immer darum, der kommenden Generation die wahren Werte aufzuzeigen, ohne die alles menschliche Leben im Nichts versinkt. Diese Werte, befindet R., sind nur in Gott begründet. Durch diese Einstellung getrieben, trat der als temperamentvoll geschilderte Schriftsteller auch nach der "Machtergreifung" durch die Nationalsozialisten lautstark für das Christentum ein und führte, teilweise auch in der Öffentlichkeit, anti-nazistische Reden. 1937 kam es zu seiner Verhaftung, weil er in einem Bonner Restaurant die Gleichstellung der Person Hitlers mit der des Messias vehement abgelehnt hatte und den anwesenden Gästen in drastischen Worten erklärte, man dürfe Hitler nicht mit Christus in einem Atemzug nennen. R. wurde vor das Sondergericht Köln gestellt und wegen Verstoßes gegen das Heimtückegesetz zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Am 9.1.1940 erfolgte seine erneute Verhaftung durch die Gestapo. Vorgeworfen wurden ihm diesmal "Zersetzungsversuche bei Wehrmachtsangehörigen", sowie "gehässige Kritik an den Maßnahmen des Führers und der Regierung". Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in der Richard-Wagner-Str. 52 fanden die Beamten belastendes Material in Form von Büchern und Korrespondenzen mit entsprechenden Randbemerkungen, die eindeutig R.s Gegnerschaft zu Hitler bewiesen. R. erhielt eine Haftstrafe von zehn Monaten, die er teils im Wittlicher Gefängnis und teils im Kölner Gefängnis Klingelpütz verbüßte. Da er aus Sicht der Nationalsozialisten aufgrund seiner katholischen Einstellung "keine Ruhe" gab, wurde er nach Verbüßung der Haft 1942 dem KZ Sachsenhausen überstellt. Die dortigen Mißhandlungen überlebte er nicht und verstarb - so die Sterbemeldung des Lagerarztes - an "allgemeiner Körperschwäche".
Werke: Die Wandlung im philosophischen Denkens Galileis, Philosoph. Jb. 26, 1913, S. 534-537; Zum philosophischen Schaffen G. Freiherrn von Hertlings, ebd. 492-502; Christentum und nationaler Gedanke (1925); Das moderne Bildungsproblem in der freien Volksbildung (1927); Die Schundkampftagung des Borromäusvereins, Die Bücherwelt 25, 1928, S. 277-284; Rheinlands Berufung, in: Rhein. Hauskalender 1926, Köln 1926, S. 44-49.
Lit.: H.-P. Bothien, 2000 Jahre Bonn. Etappen der Stadtgeschichte. Bonn in der NS-Zeit. Verfolgung und Widerstand, Köln 1989; - H. Moll, Heinrich Ruster. Ein katholischer Schriftsteller im Kampf gegen die Ideologie des Nationalsozialismus, Bonner Geschichtsblätter 47/48, Bonn 1997/98; - Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, Bonn 2006 (20082).