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Band VIII (1994)Spalten 1432-1434 Autor: Ekkart Sauser

SAUSER, Gustav, o. Prof. an der Universität Innsbruck, * 15.7. 1899 in Wels/Oberösterreich, + 17.6. 1968 in Innsbruck. - S. war promovierter Pharmazeut, Chemiker und Mediziner. Nach Assistentjahren am anatomischen Institut der Universitä Innsbruck, übernahm er 1936 die 2. anatomische Lehrkanzel der Universität Wien. 1938 durch die Nazis aus der akademischen Welt verbannt, wirkte er still und intensiv als Apotheker und Arzt in Wels/Oberösterreich. 1945 übersiedelte er im Herbst nach Innsbruck zur Übernahme der Lehrkanzel für Histologie an der Universität. 1946 kam die Lehrkanzel für Anatomie hinzu. In den Studienjahren 1946/47 und 1947/48 war er Dekan der med. Fakultät in Innsbruck, 1948/49 Rektor der Universität Innsbruck. - In S. verbanden sich Wissenschaftler und Mensch, Naturwissenschaftler und Humanist, Künstler und in weitestem Sinne Theologe, freiheitsliebender Mann und zutiefst gläubiger Katholik. Schon als Student versuchte er wirkkräftig über die Mitgliedschaft an katholischen Studentenverbindungen, vorab Austria Innsbruck, die Grundwerte christlichen Glaubens und christlicher Ethik vor aller Öffentlichkeit zu verwirklichen. Dabei zeichnete er sich immer durch Eigenständigkeit und Freiheitsliebe aus. Er ließ sich auch als gläubiger Katholik nie darauf ein, in einer ganz bestimmten Art und Weise in der Kirchenpolitik »mitzuspielen«. So gehörte er eigentlich nie ausgesprochenen kirchlichen Führungsgremien an - und wenn, wie im Falle des Diözesanlaienrates der damaligen Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch, nur kurze Zeit. Er wirkte vielmehr indirekt für den christlichen Glauben katholischer Prägung im Österreich vor, in und nach dem Zweiten Weltkrieg. In ganz ausgeprägter Weise bemühte er sich, als akademischer Lehrer den angehenden Medizinern ein tief fundiertes, christliches Ethos vor Augen zu stellen. Ein nicht geringer Teil seiner Einführungsvorlesungen bei Medizinern in den ersten Semestern galt dem Thema, wie der Arzt verantwortlich mit dem leidenden Menschen umzugehen habe. S. konnte nicht oft genug auf die Achtung vor der Würde des Menschen, auch des toten Menschen im Seziersaal, hinweisen. Anatomie galt für S. als ein Wirkfeld, in dem »vom ersten Tage an« der Student »zu Präzision und Verlässlichkeit, Geduld und Wahrhaftigkeit, jenen Kardinaltugenden ärztlicher Praxis, jenen Grundlagen des grenzenlosen Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Kranken« erzogen wird. (So in seiner 1948 als Rektor der Univ. Innsbruck gehaltenen Rede zum Thema: »Die Geburt des ärztlichen Ethos aus dem Geiste der Anatomie«). Sein Wort von der »Medizinischen Aufrüstung« beinhaltet sein ganzes Bemühen um eine echte moralische Aufrüstung der kommenden Ärzte. Diese Stoßrichtung seiner Intentionen findet sich aber nicht nur im Hörsaal. W.K. Müller sagt daher mit Recht: »Nicht nur den Aufgaben des Berufes fühlte er sich verpflichtet. Man könnte es fast als ein Lebenswerk bezeichnen, was er für den Katholizismus in Österreich...geleistet hat.« (In: Arzt und Christ 15/1/1969, S. 53). Besonders beeindruckt war S. von der Gestalt des Münsteraner Weihbischofs und berühmten Anatomen Nikolaus Stenonius. Er bezeichnete ihn als den vielleicht einmal »ersten Heiligen« unter den Anatomen. Ihm hat S. zusammen mit den beiden Ärzteheiligen Kosmas und Damian im großen Treppenhaus des Anatomischen Institutes der Universität Innsbruck in Form von Glasfenstern ein Denkmal setzen lassen. - Zusammen mit seinem Priester und Assistenten M. Vodopivec hat S. aus großer Verbundenheit mit Karl Rahner heraus auch am Lexikon für Theologie und Kirche mitgewirkt. Zentrale Artikel über Tod in der Medizin, Transplantation, Vererbung, Verstümmelung, Zeugung, Zwillinge, Zwitter wurden für dieses internationale Lexikon erarbeitet. Auf diese Weise ergaben sich für S. auch zahlreiche Kontakte zu moraltheologischen Problemstellungen. Im Hinblick auf das gesamte Wirken dieses christlichen Humanisten kommen einem die Worte von H. Petersen in den Sinn, daß »es nicht viele Wissenschaften gibt, die so mit Weltanschauungskeimen gleichsam geladen sind, wie die Lehre vom menschlichen Leib.«

Werke: LThK X2, 226 f., 309 f., 693 f., 743, 1362 f., 1432 f., 1442 f.; Niels Stensen als Anatom, in: Arzt und Christ 8/1962, 66-68; Mediko-theologische Anmerkungen zum Problem der Humanontogenese, in: H. Vorgrimler (Hrsg.): Gott in Welt-Festgabe für Karl Rahner, Bd. 2, Freiburg-Basel-Wien 1964, 850-872.

Lit.: W.K. Müller, In Memoriam Gustav Sauser, in: Arzt und Christ 15/1/1969, 52-53; - A. Faller, Aus dem Leben erzählt - Prof. G. Sauser, in: Arzt und Christ 15/2/1969, 119-123.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 11.03.1999