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Verlag Traugott Bautz
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SCHADOW, Friedrich Wilhelm von, deutscher Maler des 19. Jahrhunderts, tätig auf dem Gebiete der religiösen Malerei, * 1789 in Berlin als Sohn des Bildhauers und Akademiedirektors Johann Gottfried Schadow. + 19.3. 1862 in Düsseldorf. - Nach vorbereitenden Studien beim Vater trat er in die Berliner Akademie ein, wo er bei F.G. Weitsch und W. Wach ausgebildet wurde. Bis 1810 entstanden bedeutende Porträts, die von der Berliner Bildnistradition seit Chodowiecki und Antonie Pesne beeinflußt waren, wie z.B. das posthume Bildnis der Königin Luise und als Pendant dasjenige ihres Gatten Friedrich Wilhelm III. (Beide 1810). 1811 bis 1819 hielt S. sich in Begleitung seines Bruders, des Bildhauers Rudolf S. (1786 bis 1822), in Italien auf. In die ersten Monate seines Romaufenthaltes fiel die intensive Begegnung mit dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen, in dessen Atelier S. einige Zeit ein- und ausging. Unter dem Einfluß der Nazarener, denen er sich 1813 in Rom anschloß, konvertierte der Künstler 1814 zum Katholizismus. In Rom beteiligte sich S. neben Cornelius, Overbeck und Veit 1816-1818 an der Ausmalung der Casa Bartholdy mit den beiden Bildern » Joseph im Gefängnis« und »Die Überbringung des blutigen Rocks an Jacob«. 1818 entstanden die drei Porträts von Caroline, Gabriele und Adelheid von Humboldt, die bis zu ihrer Zerstörung 1945 als Meisterwerke der nazarenischen Bildniskunst galten. Auch in den zwanziger und dreißiger Jahren blieb das Porträt ein bevorzugtes Thema S.s. Nach Berlin zurückgekehrt wurde er Professor an der dortigen Akademie, bis er 1826 die Nachfolge von Peter von Cornelius als Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie antrat. S. veranlaßte die begabtesten seiner Schüler, wie Julius Hübner, Eduard Bendemann oder Carl Friedrich Lessing, ihm an den Rhein zu folgen. Die folgenden Jahre galten als Blütezeit der sogenannten Düsseldorfer Malerschule. S. hatte das Akademiedirektorat 33 Jahre bis 1859 inne und sorgte in dieser Zeit für eine Neuorganisation der Ausbildung. Diese wurde manifestiert im 1831 veröffentlichten Reglement der Kunstakademie. Gleichermaßen wurde Wert gelegt auf die Einübung praktischer Fähigkeiten wie auf die Förderung der »Anlage zur Erfindung eigener Compositionen«. Hatte S.s Vorgänger Peter von Cornelius besonders die Freskotechnik unterrichtet, so legte S. jetzt den Schwerpunkt auf die Ölmalerei. Maßgeblich war er auch an der 1829 erfolgten Gründung des Düsseldorfer Kunstvereins beteiligt. Impulse für seine eigene Tätigkeit holte er sich auf weiteren Romreisen 1830/31 bzw. 1839/40. In der Düsseldorfer Zeit wandte sich S. schwerpunktmäßig von seinem katholischen Bekenntnis getragenen Kirchenausstattungen und Gemälden (z.B. Die klugen und die törichten Jungfrauen, 1842; Pietas und Vanitas, 1840/42) mit religiöser Thematik zu. Auch in seinen kunsttheoretischen Schriften verlieh er der Hoffnung auf die einigende Kraft der Religion immer wieder Ausdruck. Hierdurch geriet er zunehmend in Opposition zu politisch fortschrittlich gesonnenen Mitgliedern der Akademie, besonders im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen des Revolutionsjahres 1848. Für S. blieb die Kategorie des Poetischen, verstanden als göttlich inspirierte Fähigkeit, die »Beziehung aller endlichen Erscheinungen der sinnlichen Wirklichkeit zum Unendlichen, Übersinnlichen und Göttlichen sichtbar werden zu lassen« (B. Tucholski), höchstes Ziel seiner Kunst. In diesem Sinne kann sein 1850-1854 entstandenes dreiteiliges Wandgemälde »Himmel, Fegefeuer und Hölle« nach Dantes »Divina Commedia« für das Landgericht in Düsseldorf auch als Versuch eines künstlerischen Resümees verstanden werden. S. wurde 1845 für seine Verdienste geadelt und führte seither den Beinamen Godenhaus. Aus gesundheitlichen Gründen gab er 1859 seinen Direktorenposten auf. S. starb drei Jahre später 1862 in Düsseldorf.
Werke: 1. Theoretische Schriften (in Auswahl): W.v.S., Was ist ein Kunstwerk, um 1850; Ders., Über die idealistische und realistische Richtung, um 1850; Ders., Der moderne Vasari, Erinnerungen aus dem Künstlerleben, Berlin 1854; Ders., Jugenderinnerungen, Kölnische Zeitung vom 28.8. bis 17.9. 1891; Weitere Schriften S.s sind aufgeführt: Ausst.kat. W.v.S. Gedächtnisausst. aus Anlaß seines 100. Todestages, Kunstmuseum Düsseldorf 1962, 9; Barbara Camilla Tucholski, F.W.v.S. 1789-1862, Künstlerische Konzeption und Poetische Malerei, (Diss. Bonn) 1984, 292-362 u. 444 f.; 2. Werkverzeichnis: Ausst.kat. W.v.S. Gedächtnisausst. aus Anlaß seines 100. Todestages, Düsseldorf 1962.
Lit.: Karl Leberecht Immermann, W.v.S. und die Akademie zu Düsseldorf, Düsseldorf 1827 in: Benno von Wiese, K.L. Immermann, Werke 1-4, Schriften zur Malerei, Band 1, 1971; - Rudolf Wiegmann, Über F.W.v.S., Bußort, Himmel, Hölle, in: Correspondenz-Blatt des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, 8. Jg., Nr. 6, Düsseldorf 1852; - Ders., Dr. F.W.v.S. - Godenhaus, Nekrolog, Correspondenzblatt des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1862, o.S.; - Julius Hübner, S. und seine Schule, Festrede bei der Enthüllung des S.-Denkmals von August Wittig in Düsseldorf am 24.6.1869, 1869; - Heinrich Finke, Aus den Papieren W.v.S.s, in: Hochland II, 1912, 147 ff.; - Karl Koetschau, S., der Organisator. Sein Kreis, seine Umwelt. in: Rheinische Malerei der Biedermeierzeit, 1926, 38-58; - Paul Kaufmann, W.v.S., ein Erneuerer rheinischen Kunstlebens, Die Ausmalung der Stolzenfelser Schloßkapelle durch Ernst Deger, in: Ann. des Historischen Vereins für den Niederrhein, H. 115, 1929, 395-408; - Wolfgang Hütt, Der Einfluß des preußischen Staates auf die Entwicklung von Inhalt und Form der bildenden Kunst im 19. Jahrhundert, 1955; - Ders., Die Düsseldorfer Malerschule, 1819-1869, 1964; - Heinz Peters, W.v.S., in: Ann. des historischen Vereins für den Niederrhein, H. 63, 1961, 58-117; - Heinrich Schmidt, W. S., in: Das Tor, Düsseldorfer Heimatblätter, XXVIII, 1961; - Ausst.kat. W.v.S., Gedächtnisausst. aus Anlaß seines 100. Geburtstages, Kunstmuseum der Stadt Düsseldorf, Bearb. Irene Markowitz, 1962; - Heinrich Schmidt, W.v.S. Direktor der Kunstakademie Düsseldorf von 1825 bis 1859, zum 100. Todestag am 19. März 1962, 1962; - Andrezej Ryszkiewicz, Paintings by W.S. in Polish Collections, in: Bull. du Musée national de Varsovie 7, 1966, 122-129; - Ders., Bilder W.v.S.s in polnischen Sammlungen, in: Kunstgeschichtliche Gesellschaft zu Berlin, Sitzungsber. 1972/73, N.F. 21, 15-18; - Willi Geismeier, Die Nazarener-Fresken der »Casa Bartholdy«, in: Staatliche Museen zu Berlin. Forschungen und Berichte, Bd. 9, 1967, 45-53; - Die Düsseldorfer Malerschule, Bildhefte des Kunstmuseums Düsseldorf Nr. 4, Bearb. Irene Markowitz, 1967, 77 f.; - Die Düsseldorfer Malerschule, Bestandskat. des Kunstmuseums Düsseldorf, Malerei Bd. 2, Bearb. Irene Markowitz, 1969, 287-290; - Ulrike Görner, Die Traditionsfrage in der nazarenischen Kunst am Beispiel der »Casa Bartholdy«, (Diss. Leipzig) 1969; - Handzeichnungen und Aquarelle von 1800 bis 1850, Kunstmuseum Düsseldorf, Bearb. Dieter Graf, 1971, 87 f.; - Marianne Bernhard, Deutsche Romantik Handzeichnungen, 1973, Bd. 2, 1579-1608; - Ausst.kat. Düsseldorf und der Norden, Kunstmuseum Düsseldorf, 1976, 34 f.; - Ausst.kat. Die Nazarener, Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut, Frankfurt 1977, 396 f.; - Ausst.kat. Die Düsseldorfer Malerschule, Kunstmuseum Düsseldorf 1979, 448-454; - Helmut Börsch-Supan, Das Frühwerk W.v.S.s und die berlinischen Voraussetzungen der Düsseldorfer Schule, in: Ausst.kat. Die Düsseldorfer Malerschule, Kunstmuseum Düsseldorf 1979, 56-67; - Ders., Seelenklänge aus Preußen, in: Kunst und Antiquitäten, Nr. 2, 1979, 38-43; - Ders., Die Deutsche Malerei von Anton Graff bis Hans von Marées 1760-1870, München 1988, 228-231; - Frank Büttner, Les ébauches et les études des fresques des Nazaréens à la »Casa Bartholdy«, in: Revue de l'Art, Bd. 45, 1979, 21-30; - Ekkehard Mai, Die Düsseldorfer Malerschule und die Malerei des 19. Jahrhunderts, in: Ausst.kat. Die Düsseldorfer Malerschule, Kunstmuseum Düsseldorf 1979, 19-40; - Friedrich W. Heckmanns, Das Jubiläums-Album 1851: Ehrengabe der Kollegen und Schüler der Kunstakademie an W.v.S., Faltblatt des Kunstmuseums Düsseldorf 1979; - Kunstmuseum Düsseldorf, Die Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts, Düsseldorfer Malerschule, Bearb. Ute Ricke-Immel, 1980, Teil 1, 339-348, Abb. Nr. 1278-1342; - Robert Eastburn Mc Vaugh, The Casa Bartholdy frescos and Nazarene theory in Rome, (PhD Princeton) 1981; - Mayme Frances Waltraud Neher, Hubert Salentin, Ein Vertreter des poetischen Genre in der Düsseldorfer Malerschule, (Diss. Bonn) 1983, 52-84; - Barbara Camilla Tucholski, F.W.v.S. 1789-1862, Künstlerische Konzeption und Poetische Malerei, (Diss. Bonn) 1984; - Ausst.kat. Zeichnungen des 19. Jahrhunderts aus dem Museum für Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund, Ausst. in der Partnerstadt Rostow am Don, 1984; - Georg Franzen, Kunstbetrachtung aus der Sicht der humanistischen Psychologie, Ein Fresko des Malers W.v.S., 1989; - Ders., Die S.s und ihr Umfeld, S.-Gesellschaft Celle 1989 (masch. schriftl. vervielfältigtes Man.); - ADB, XXX, 515-520; - ThB, XXVIII, 346; - Deutscher Biographischer Index, III, 1682.
Vera Losse
Literaturnachträge
1893
The Illustrated London News, 1893; -
1898
The Illustrated London News, October 8, 1898; -
1901
Lützows >Zeitschrift für bildende Kunst<; - F. v. Boetticher, Malerwerke d. 19. Jh., II, 2, Dresden 1901; - Kunstchronik, N. F. 33 (1921/22) 266; -
1922
Kunstchronik 34 (1922/23) 370 f.; - Der Kunstwanderer, 1921/22 p. 207; - Degeners "Wer ist’s?" Bd. VIII, 1922 - das spät. Wer ist wer ? - das deutsche Who’s who?; -
1932
Deutsches Biographisches Archiv, Fiche: II 1932, 1126, 326; -
1939
Thieme/Becker: "Allgemeines Lexikon der bild. Künstler von der Antike bis zur Gegenwart". Leipzig, 1939, Bd. XXIX Internationaler Biographischer Index; -
1966
Dictionnaire critique et documenttaire des Peintres, Sculpteurs, Dessinateurs et Graveurs, 1966; -
1989
Georg Franzen: Die Schadows und ihr Umfeld - Künstlerbiographien, Celle, 1989, herausgegeben von: Schadow-Gesellschaft; -
2009
Katharina Bott, Das S.-Album d. Düsseldorfer Akademieschüler von 1851. Hanau 2009.
Letzte Änderung: 17.01.2010