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Band IX (1995)Spalten 170-171 Autor: Walter Troxler

SCHERVIER, Franziska, Ordensgründerin; * 3. Januar 1819 Aachen, † 14. Dezember 1876, Aachen. - Als Tochter des Nadelfabrikbesitzers und beigeordneten Bürgermeisters sollte sie bereits in ihrer Kindheit - nachdem Besuch der örtlichen Schulen - sich um den Willen Gottes gesorgt und viele Werke der Nächstenliebe vollbracht haben. Durch strenge religiöse Erziehung in Schule und Elternhaus wurde sie dazu angehalten. Nach dem Tode ihrer Mutter 1832, und dem Tode ihrer beiden älteren Schwestern (1833) mußte sie den Haushalt der Familie besorgen. Als Mitglied des 1840 gegründeten Pflegevereins begann Sch. Kranke zu pflegen und Arme und Bettler zu unterstützen. Ihr Vater jedoch hatte wenig Verständnis für das karitative Wirken. Auf Geheiß ihres Seelenführers Josef Istas, in dessen sozialen Werken sie mithalf, trat Sch. dem Dritten Orden bei, übte sich noch mehr in Barmherzigkeit. 1845 - erst nach dem Tod ihres Vaters - wurde die »Genossenschaft der Armen Schwestern vom Hl. Franziskus« gegründet, um in »Frauenzuchthäusern« und in der Krankenpflege tätig zu sein. Mit ihrer Beteiligung erfolgten weitere Gründungen in diesem Sinne (Mayen, Ople, Salzkotten). Ihr wurde auch die Ausarbeitung der Regeln der Gemeinschaft aufgetragen, obwohl sie eigentlich nicht mehr »Frau Mutter« war. Ihr unbedingtes Festhalten an der Armut der Ordensmitglieder stieß auf kirchlicher Seite nicht nur auf Verständnis. Sch. ging es auch darum, den zu versorgenden Armen möglichst nahe zu sein und ihre Leiden zu kennen. Gegenüber der Regierung und Verwaltung bestand sie immer wieder auf größtmögliche Freiheit ihrer Einrichtungen. Die bereits 1858 in Amerika gegründete Niederlassung, die sich ebenfalls rasch ausbreitete besuchte Sch. zweimal und berichtete regelmäßig und detailliert an das Mutterhaus. Im April 1947 seliggesprochen. Mit ihrer Arbeit und der Gründung der Kongregation lieferte Sch. einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der sozialen Probleme in Aachen und im Rheinland.

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Werke: Keine nachweisbar. Nachlaß im Archiv des Mutterhauses Aachen.

Lit.: Ignatius Jeiler, Die gottselige Mutter F. Sch. Freiburg i.Br. 1893, 19122, 19274, französisch Paris 1898, englisch St. Louis 19243; - Johann Jakob Hansen; Lebensbilder hervorragender Katholiken des 19. Jhs. I 1906, 344-358; - Wendelin Meyer, Im Rufe der Heiligkeit. Werl 1925, italienisch Rom 1933; - Benedikt Kreutz, Aus Zeit und Leben der gottseligen F. Sch. Freiburg 1927; - Theodor Maynard, F. Sch. New York 1951; - Bruno Gossens, Die gottselige Mutter F. Sch. Kevelaer 1932, 1951; - Joseph Brosch, F. Sch. Aachen 1953, italienisch Rom 1964; - Erwin Gatz, F. Sch. In: Rheinische Lebensbilder V 1973, 135-150; - Erich Kock, F. Sch. Mainz 19762.- AAS XXVI, 597-600; - LThk IX 394; - LThK IX, 245; - BS XI, 726; - Kosch, KD III, 4265-4266; - Zeitgeschichte in Lebensbildern Hg. Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher. Bd. 3, Mainz 1979, 50-62 u. 283-284.

Walter Troxler

Textanmerkungen:

"Durch strenge religiöse Erziehung..." dieses stimmt nicht. "Frau Mutter" - dieser Titel war in der Kongregation niemals gebräuchlich. Franziska Schervier schrieb die Satzungen (nicht Regeln!) als Gründerin und erste Generaloberin der Gemeinschaft. Sie wurde im April 1974 (nicht 1947!) seliggesprochen.

Literaturergänzung:

1976

Josef Dreißen, Christliche Existenz. Nach d. seligen Franziska Schervier. Leutesdorf am Rhein 1976. Erw. aus: Ordenskorrespondenz 1976, Nr. 1 u. 2;- Franziska von Aachen. E. Leben nach d. Evangelium. Betrachtungen zum 100. Todestag d. seligen Franziska Schervier. Hrsg. von d. Armen-Schwestern vom Heiligen Franziskus. Stuttgart 1976;-

1978

Erwin Gatz, Für Gott und die Welt. D. selige Franziska Schervier, e. wegweisende Persönlichkeit d. karitativ-sozialen Bewegung im 19. Jhr., 1819-1876. Leutesdorf 1978; -

1986

Ernst Wilhelm Nusselein, F.S. - die Selige von Aachen, in: Gottes Freunde - unsere Freunde. Erfahrung mit Heiligen. Freiburg/Br. 1986, S. 184-197;-

1997

Petra Fietzek, Worte allein vermögen nichts. D. Leben d. Franziska Schervier. Freiburg i.Br. [u.a.] 1997;-

2003

Petra Fietzek, Franziska Schervier. Worte allein vermögen nichts. Mainz 2003 (=TOPOS-plus-Taschenbücher; 502 : Eine TOPOS-plus-Biografie).

Letzte Änderung: 09.04.2011