SCHLATTER, Friedrich, kath. Priester, Generalsekretär des Bonifatiusvereins, * 18.8. 1878 in Gräfenhausen (Schwarzwald), + 3.6. 1927 in New-York. - Sch. studierte ab 1897 Theologie in Freiburg und wurde 1901 ordiniert. Noch im gleichen Jahr wurde er Vikar und Lehrer in den Lender'schen Anstalten in Sasbach, dann in rascher Folge Pfarrverweser in Gerlachsheim (1905), und Adelsheim (1907), wo er 1908 auf die Stelle des Stadtpfarrers aufrückte und 1911 nach Philippsburg wechselte. Sein eigentliches Aufgabengebiet erreicht er mit der Berufung in die Zentrale des Bonifatiusvereins in Paderborn (1913). Er wurde Schriftleiter des Bonifatiusblattes und erster hauptamtlicher Generalsekretär des Vereins. Nach einem Einsatz als Divisionspfarrer an der Westfront im 1. Weltkrieg reiste er im September 1920 in die USA, um dort um Unterstützung durch den durch Krieg und Geldentwertung in Bedrängnis geratenen Bonifatiusverein zu werben. Sch. war in dieser Aufgabe sehr erfolgreich; ab 1923 gab es eine eigene Sammelstelle in New-York. Seine rastlose Tätigkeit und sein bescheidenes Leben in der Mönchszelle eines Kapuzinerklosters fanden große Anerkennung. Im Jahr 1922 wurde er päpstlicher Geheimkämmerer und 1923 Hausprälat. 1927 gelang ihm die Gründung eines amerikanischen Zweiges des Bonifatiusvereins, der St. Boniface Society, die er bis zu seinem Tode leitete. - Die Bedeutung von Sch. liegt in seiner Arbeit für den 1849 gegründeten Bonifatiusverein, dessen Aufgabe vor allem die Unterstützung der Katholiken in der Diaspora war. Sch. gelang es, Bayern zum Anschluß an den Bonifatiusverein zu bewegen. Er gab ab 1912 das Sonntagsblatt »Leo« heraus und im Krieg die religiöse Zeitschrift »Am Lagerfeuer«, die kostenlos an die Soldaten verteilt wurde. Sein Einsatz in den USA brachte einen Strom von Spenden nach Deutschland zum Fließen, dem in der Inflationszeit viele Diasporaeinrichtungen der katholischen Kirche und auch das Bonifatiusblatt das Überleben verdankten.
Werke: Beiträge in den von ihm redigierten Zeitschriften.
Lit.: The Father of Orphans (Gedenkschrift); - Nachruf Leo 1927 Nr. 26 u. 31; - Bonifatiusblatt 76, 1927, 73; - Necrologium Friburgense, Schlatter Friedrich in: FDA 59, 1931, 10-11; - Karl Franz, Ein Jahrhundert tätiger Sorge um die Brüder in der Zerstreuung, in: In heiliger Sendung, 100 Jahre Diaspora-Arbeit, Paderborn 1949, 97-163; - Wilhelm Sandfuchs, Prälat Friedrich Schlatter (1878-1927), in: St. Konradsblatt 42, 1958, 750-751; - LThK1 IX, 263-64, LThK2 IX, 410.
Gerhard Kaller
Letzte Änderung: 09.04.2011