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Band IX (1995)Spalten 238-240 Autor: Karl Hausberger

SCHLECHT, Joseph, Kirchen- und Kunsthistoriker, * 16.1. 1857 in Wemding bei Donauwörth, + 6.5. 1925 in Freising. - Seine gymnasiale und theologische Ausbildung erhielt S. an den bischöflichen Studienanstalten in Eichstätt, wo er am 6.5. 1880 zum Priester geweiht wurde. Nach neun Jahren seelsorgerlicher Tätigkeit ging er als Stipendiat des neuerrichteten Historischen Instituts der Görresgesellschaft nach Rom und legte als Frucht seines zweijährigen Forschungsaufenthaltes 1891 eine Quellenstudie über den Erzbischof Andrea ZamómetiÛ von Kraina vor, für die ihm die Universität München den Dr. phil. zuerkannte. Unmittelbar danach wurde S. als Dozent für Geschichte und Philologie an das bischöfliche Lyzeum in Eichstätt, 1893 in gleicher Funktion an das königliche Lyzeum in Dillingen und 1897 an das königliche Lyzeum auf dem Freisinger Domberg berufen. 1898 verlieh ihm die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau aufgrund seiner kirchen- und kunstgeschichtlichen Arbeiten den theologischen Doktorgrad. Über ein Vierteljahrhundert wirkte S. nun in Freising als Lyzealprofessor für Geschichte und Philologie sowie als Vorsitzender des örtlichen Historischen Vereins, bekleidete von 1911 bis 1917 auch das Amt des Rektors der Hochschule und war bis zu seinem Ausscheiden aus der aktiven Lehrtätigkeit 1924 deren unermüdlicher Bibliothekar. Sein wissenschaftliches Hauptarbeitsfeld bildeten von Anfang an der deutsche Humanismus und die Epoche der Reformation. Daneben verfaßte er entsprechend seiner Herkunft und seinem Wirkungsbereich zahlreiche Studien zur bayerischen Kirchengeschichte, insbesondere zur Bistumsgeschichte Eichstätts und Freisings, und versuchte außerdem, mit seinem 1904 begründeten »Kalender Bayerischer und Schwäbischer Kunst« die heimatliche Kunstgeschichte breiteren Leserkreisen zu erschließen. Überregionale Bekanntheit erwarb er sich nicht nur als Humanismus-Forscher, sondern auch als Mitherausgeber des »Kirchlichen Handlexikons« (2 Bde., 1907/12) und durch die Entdeckung der lateinischen Didache (1900), mit welch letzterer er sich sogar einen Namen im Bereich der Patrologie sichern konnte. - S. war ein in vielen Sparten der Profan-, Kirchen- und Kunstgeschichte beflissener Gelehrter, dessen Studien sich allesamt durch umfassende Quellen- und Literaturkenntnis, historisch-kritischen Scharfsinn und philologische Akribie auszeichnen.

Werke: Die Poesie des Sozialismus. Ein Beitrag zur deutschen Literaturgeschichte im letzten Jahrzehnt, 1883; Eichstätt im Schwedenkriege. Tagebuch der Augustinernonne Clara Staiger, Priorin des Klosters Mariastein, über die Kriegsjahre 1631 bis 1650, 1889; Doctrina XII Apostolorum, una cum antiqua versione latina prioris partis de duabus viis, 1900; Doctrina XII Apostolorum. Die Apostellehre in der Liturgie der katholischen Kirche, 1901; Bayerns Kirchenprovinzen. Ein Überblick über Geschichte und gegenwärtigen Bestand der Katholischen Kirche im Königreich Bayern, 1902; Andrea ZamómetiÛ und der Baseler Konzilsversuch vom Jahre 1482 (= QFG 8), 1903; Kalender Bayerischer und Schwäbischer Kunst, 1904 ff. (Hrsg.); Kilian Leibs Briefwechsel und Diarien (= RGST 7), 1909; Aus der Korrespondenz Dr. Johann Ecks. ... Aus der Korrespondenz des bayerischen Kanzlers Dr. Leonhard von Eck mit Dr. Kaspar von Kaltenthal, in: RGST 21/22, 1912, 142-195; Pius III. und die deutsche Nation. Mit einem Anhang ungedruckter Briefe und dem Lobgedichte des Engelbert Funk, 1914; Briefe aus der Zeit von 1509-1526, in: RGST 40, 1922, 23-116; Die Korbinianslegende nach der Handschrift des Klosters Weihenstephan vom Jahre 1475, 1924; Wissenschaftliche Festgabe zum zwölfhundertjährigen Jubiläum des hl. Korbinian, 1924 (Hrsg.); darüber hinaus zahlreiche Aufsätze und Miszellen zu Gegenständen der bayerischen Profan-, Kirchen- und Kunstgeschichte, verzeichnet bei Joachim Birkner (siehe Lit.).

Lit.: Beiträge zur Geschichte der Renaissance und Reformation. Festschrift für J. S., hrsg. v. Ludwig Fischer, 1917, besonders VII-IX; - Anton Mayer, Gedächtnisrede auf Dr. J. S., in: Frisingia 2, 1925, 290-303; - Ders., Errichtung des Lyzeums Freising im Jahre 1834, 1934, 97 f.; - Joachim Birkner, J. S. Mit einer Bibliographie, in: Sammel-Blatt des Historischen Vereins Freising 15, 1927, 153-165 (mit Angabe weiterer Nachrufe S. 155, Anm. 1); - Hans-Jörg Nesner, Das Erzbistum München und Freising zur Zeit des Erzbischofs und Kardinals Franziskus von Bettinger (1909-1917) (= MThS, I. Hist. Abt. 28), 1987, 153, 157; - Erwin Gatz, Rom als Studienplatz deutscher Kleriker im 19. Jahrhundert, in: RQ 86, 1991, 160-201, hier: 179; - Wilhelm Imkamp, Theologie von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, in: Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte, hrsg. v. Walter Brandmüller, III, 1991, 539-651, hier: 617; - LThK1 IX 264 f.; - LThK2 IX 410.

Karl Hausberger

Letzte Änderung: 06.03.2003