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Band IX (1995)Spalten 271-272 Autor: Wilhelm Kohl

SCHLEINITZ, Johann v., Bischof von Meißen, * um 1470, + 13.10. 1537 in Stolpen, beigesetzt im Dom zu Meißen. - Der der Ragnitzer Linie eines damals sehr begüterten meißnischen Geschlechts entstammende Sch., Sohn Georgs, gehörte mindestens seit 1484 dem Meißner Domkapitel an. 1509/10 weilte er in Rom, um wegen der Kanonisation des früheren Meißner Bischofs Benno zu verhandeln, für die sich auch Herzog Georg von Sachsen einsetzte. Sch. war seit 1499 Domkantor zu Meißen und Domherr zu Naumburg, als er nach dem Tode Bischof Johanns VI. von Salhausen (+ 10.4. 1518) vom Kapitel am 27.4. 1518 zum Bischof (Johann VII.) gewählt wurde. Der Papst bestätigte die Wahl am 5.7. 1518, worauf Sch. am 16.10. d.J. die Bischofsweihe empfing. Er erwies sich bald als erbitterter Gegner Martin Luthers und verfolgte die lutherischen Prediger in seiner Diözese mit rücksichtsloser Härte. Seine Gelehrsamkeit und Redekraft, aber auch sein Kunstverständnis fanden hohe Anerkennung. Von Papst Hadrian VI. eingeladen, reiste er 1522 abermals nach Rom. Befriedigt nahm er die Kanonisierung Bennos am 31.5. 1523 zur Kenntnis. Auch nach Polen führte ihn eine Gesandtschaft. Wohl aus Altersgründen nahm er am 16.12. 1534 den Meißner Domdechanten Johann v. Maltitz als Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge an. Nach seinem Tode wurde Sch. als letzter der Meißner Bischöfe im Dom bestattet.

Lit.: Friedrich W. Ebeling, Die deutschen Bischöfe bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, biographisch, literarisch, historisch und kirchenstatistisch dargestellt 2, Leipzig 1858, 237; - J.K. Seidemann, Luther und der Meißner Bischof Johann VII. v. Sch. März 1520 (In: Theolog. Studien u. Kritiken 53, 1880, 337-350); - Eduard Machatschek, Geschichte der Bischöfe des Hochstifts Meißen in chronologischer Reihenfolge, Dresden 1884, 628-691; - Otto Langer, Bischof Benno von Meißen. Sein Leben und seine Kanonisation (In: Mitteilungen d. Vereins f.d. Geschichte d. Stadt Meißen 2, 1891, 99-144); - Geschichte des Schleinitzschen Geschlechts von einem Mitgliede des Geschlechtes, Berlin 1897, 491-497; - Alois Postina, Die Stellung des Meißener Bischofs Johannes VII. v. Sch. zur religiösen Neuerung. Nach einem Bericht an Hadrian VI. aus dem Anfange des Jahres 1523 (In: Röm. Quartalschrift 13, 1899, 337-346); - Franz Blanckmeister, Sächsische Kirchengeschichte, Dresden 1899, 127; - Karl Pallas, Briefe und Akten zur Visitationsreise des Bischofs Johannes VII. von Meißen im Kurfürstentum Sachsen 1522 (In: Archiv f. Reformationsgeschichte 5, 1908, 217-312); - Ders., Die Visitationsreise des Bischofs Johann VII. von Meißen im Kurfürstentum Sachsen 1522 (In: Zeitschr. d. Vereins f. Kirchengeschichte der Provinz Sachsen 6, 1909, 25-80); - Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler in Sachsen 40: Meißen (Burgberg) bearb. v. Cornelius Gurlitt, Dresden 1919, 340 f. mit Abb. 435 (Grabplatte); - Paul Dittrich, Die Meißener Diözese unter der Kirchenpolitik des Landesherren des 16. und 17. Jahrhunderts (Studien zur kathol. Bistums- und Klostergeschichte 1), Leipzig 1961, 86; - Willi Rittenbach und Siegfried Seifert, Geschichte der Bischöfe von Meißen 968-1581 (ebd. 8), Leipzig 1965, 360-367; - Karlheinz Blaschke, Siegel und Wappen des Bistums Meißen und seiner Bischöfe (In: Unum in veritate et laetitia. Bischof Dr. Otto Spülbeck zum Gedächtnis hrsg. von Heinrich Bulang, Josef Gülden und Siegfried Seifert, Leipzig 1970, 77-85, hier 82-83); - Ders., Sachsen im Zeitalter der Reformation, Gütersloh 1970, 110-117; - Albrecht Lobeck, Das Hochstift Meißen im Zeitalter der Reformation bis zum Tode Herzog Heinrichs 1541, besorgt von Heinrich Bornkamm und Heinz Scheible (Mitteldeutsche Forschungen 65), Köln/Wien 1971, 51-81; - Die Reformation des Hochstifts Meißen bis zum Tode Herzog Heinrichs des Frommen 1541. Bericht über eine Dissertation zu diesem Thema, verfaßt von Albrecht Lobeck, erstellt von Karl-Herman Kandler (In: Das Hochstift Meißen. Aufsätze zur sächsischen Kirchengeschichte hrsg. von Franz Lau [Herbergen der Christenheit. Sonderband], Berlin 1973, 187-205); - Martin Brecht, Martin Luther. Sein Weg zur Reformation 1483-15212, Stuttgart 1983, 346-348; - Zedler's Großes Universal-Lexicon 35, Leipzig/Halle 1743, Neudruck Graz 1961, 42; - Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (8) auf das Jahr 1858, 659; - Ernst Heinrich Kneschke, Neues allgemeines Deutsches Adelslexikon 8, Leipzig 1868, 196; - Eubel, Hierarchia catholica medii aevi 3 ed. Ludovicus Schmitz-Kallenberg2, Münster 1923, 247; - LThK2 7, 1935 (Franz Schwarzbach); - LThK2 7, 1962, 244 (Paul Franz Saft).

Wilhelm Kohl

Letzte Änderung: 12.03.1999