Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band XX (2002)Spalten 1274-1275 Matthias Wolfes

SCHLICHT, Ludolf Ernst, evangelischer Theologe und Liederdichter, * 4. November 1714 in Brandenburg an der Havel, † 4. März 1769 in Herrnhut. - Schl. war ein Sohn des Theologen und Liederdichters Levin Johann Schlicht (1681-1723). Nach dem Schulbesuch in Berlin studierte Schl. Theologie in Jena. 1737 trat er in die "Haushaltung" des jungen Grafen Christian Renatus von Zinzendorf (1727-1752) ein, indem er dessen Lehrer wurde. Diesem Kreis um den schwierigen, während der sogenannten "Sichtungszeit" für Fehlentwicklungen mitverantwortlichen Sohn des Gemeindegründers gehörte er auch später weiterhin an. 1739 wurde er Mitglied der Herrnhutischen Brüdergemeine. Angebote für ein Schulamt in der Mark Brandenburg oder in Berlin lehnte er ab. 1741 unternahm Schl. mit dem Bischof Spangenberg eine Englandreise. Nach der Rückkehr wurde Schl. 1742 zum Hauptprediger (Ordinarius) der Brüderkirche in Herrnhag in der Wetterau berufen. In dieser Stellung nahm er an der Synode der Brüderkirche in Hirschberg im Vogtland teil. In den späteren vierziger Jahren kehrte Schl. nach London zurück, um dort als Prediger der Londoner Brüdergemeine sowie in anderen englischen Orten zu wirken. Von 1747 bis 1750 amtierte er in Feelnek (Gracehill), seither in Bedford, Bristol und Dublin. 1760 kehrte Schl. nach Herrnhut zurück, wo er als Prediger und Leiter des Gemeindearchivs weitere neun Jahre tätig war. - Schl. trat, wie sein Vater, als Dichter religiöser Lieder sowie als Komponist hervor. Zwölf Texte von ihm sind im "Christlichen Gesangbuch der evangelischen Brüdergemeinen" enthalten, von denen neun, z.T. in Überarbeitung, in das "Gesangbuch zum Gebrauch der evangelischen Brürdergemeinen vom Jahre 1778" Aufnahme fanden (Nrn. 88. 370. 548. 549. 614. 636. 761. 1094. 1435). Hinzu kamen vier weitere, bis dahin ungedruckte Lieder (Nrn. 1090. 1360. 1433 und 1633), von denen das Lied "Seelen singet, singt ein neues Lied" als "Krone der Schlicht'schen Lieder und eine Perle christlichen Kirchengesanges" bezeichnet worden ist (Alexander Glitsch, in: ADB 31, 483). Während der Jahre in England beteiligte Schl. sich an der Übersetzung des Brüdergesangbuches und der brüdergemeindlichen Liturgien und Litaneien, zudem verfaßte er eine Reihe englischer Liedtexte. Schl. hat, nach dem Urteil Kochs, "als Tonkünstler viel zur Hebung des Gesangwesens in der Brüdergemeine beigetragen". Er "mehrte nicht bloß ihren Melodienschatz, sondern auch, als einer ihrer besten Dichter, ihren Liederschatz mit manchen Liedern, die noch etwas von dem alten freudigen Zeugengeiste athmen" (Eduard Emil Koch: Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche. Band I/5, Stuttgart 1868, 352). Lit.: Christian Gregor: Historische Nachricht vom Brüdergesangbuch des Jahres 1778, Gnadau 1835; - Eduard Emil Koch: Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche. Erster Haupttheil: Die Dichter und Sänger. Fünfter Band. Dritte umgearbeitete, durchaus vermehrte Auflage, Stuttgart 1868; - Alexander Glitsch: Geschichte und gegenwärtiger Bestand der historischen Sammlungen (Archiv, Bibliothek, Gemäldesammlung) der Brüder-Unität, Herrnhut 1899; - Lebensbilder der Liederdichter und Melodisten. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Otto Michaelis bearbeitet von Wilhelm Lueken (Handbuch zum Evangelischen Kirchengesangbuch. Band II / Teil 1), Göttingen 1957; - ADB 31 (1890), 483-484 (Alexander Glitsch); - Deutsches Literatur-Lexikon. Ed. Kosch 15 (1993), 171; - DBE 8 (1998), 674; - DBA I 1109, 23-24.

Matthias Wolfes

Letzte Änderung: 07.08.2002