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Verlag Traugott Bautz
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SCHLICK, Kaspar, als Kanzler dreier Könige eine der politisch bedeutendsten Persönlichkeiten der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, mit der jedoch eine Reihe ungelöster Fragen verbunden ist. Er war der erste kaiserliche Kanzler, der bürgerlicher Herkunft und Laie war. * um 1396 in Eger als Sohn des Kaufmanns und Ratsherrn Heinrich Schlick. Der Name seiner Mutter ist heute, nicht zuletzt auch durch eine Verschleierungstaktik S. unbekannt. In der Literatur wird eine namentlich ungenannte Egerer Bürgerstochter oder aufgrund der Angaben S. Constancia aus dem Hause der Grafen von Treviso und Collalto in Betracht gezogen. + 15.7. 1449 in Wien. - Über seine Jugend und Ausbildung ist wenig bekannt. Überliefert ist lediglich, daß er im Winter 1413/14 in Leipzig immatrikuliert gewesen ist. Frühzeitig trat er in die Dienste König Sigmunds und nahm am Königshof einen steilen Aufstieg. Während der Reisen Sigmunds nach Spanien, Frankreich und England, die er 1415-1417 im königlichen Gefolge mitmachte, wurde er 1416 als Schreiber in die kaiserliche Kanzlei aufgenommen. 1426 wurde er zum königlichen Sekretär, 1427 zum Protonotar, 1429 zum Vizekanzler und schließlich 1433 zum Kanzler bestellt. Dieses Amt versah er, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung zu Beginn der Regierung Friedrichs III., bis zu seinem Tod. - S. stand in einem vertrauten Verhältnis zu Kaiser Sigmund und übte mit zunehmender Zeit immer größeren Einfluß auf seine Politik aus. Er beteiligte sich an mehreren Feldzügen gegen Türken und Hussiten. 1427 führten ihn Gesandtschaften nach Preußen, Polen und Litauen. Besonderen Anteil hatte er seit 1429 an den Verhandlungen mit den Hussiten in Böhmen. 1431 und 1433/34 nahm er mit Sigmund am Konzil von Basel teil und begleitete ihn 1431-1433 zur Kaiserkrönung nach Rom. Dabei bewährte er sich in besonderer Weise als Unterhändler mit dem Papst, Mailand, Venedig und Florenz. König Albrecht II. beließ S. ungeachtet scharfer kurfürstlicher Einwände in Amt und Würden. S. genoß das unbedingte Vertrauen Albrechts II., so daß die Regierungszeit dieses Königs den Höhepunkt seiner selbständigen politischen Tätigkeit darstellte. S. erwies Albrecht II. vor allem dadurch wertvolle Dienste, daß er 1437 in maßgeblicher Weise seine Nachfolge in Böhmen durchsetzen half. S. vermochte auch, die Gunst Friedrichs III. zu erringen, der ihn 1442 in den königlichen Rat aufnahm und ihm 1443 trotz des Widerstands des Mainzer Erzkanzlers, der durch die Besetzung der Kanzlei mehr Einfluß auf die königliche Politik gewinnen wollte, wieder das Kanzleramt übertrug. Dennoch nahm unter dem neuen König sein Einfluß ab, weil Friedrich III. in vielen Punkten die überkommene, von S. mitgestaltete Politik korrigierte. Wegen der daraus resultierenden Konflikte zog sich S. 1449 vom Hof und seinem Amt zurück. Gleichwohl war er in maßgeblicher Weise an den Verhandlungen über die Regelung der Thronfolge in Böhmen und Ungarn zugunsten Ladislaus beteiligt und führte die Delegation an, die nach dem Aussterben der Visconti 1447 in Mailand verhandelte. - In den Auseinandersetzungen zwischen dem Basler Konzil und dem Papst, die seine Zeit in hohem Maße beschäftigten, versuchte S. nach der Kaiserkrönung Sigmunds 1433 zu vermitteln. Unter Friedrich III. vertrat er zunächst die 1439 zu Mainz proklamierte Neutralität, bis er sie 1445 zugunsten einer Parteinahme für Papst Eugens IV. aufgab und damit den Weg zur Verständigung zwischen dem Reich und dem Papsttum ebnen half. - Aufgrund seiner Verdienste, die er sich am kaiserlichen Hof erwarb, wurden ihm zahlreiche Ehrungen und möglicherweise auch Standeserhöhungen zuteil. Die Frage, ob es sich bei den vorliegenden Standeserhebungsurkunden um Fälschungen handelt, ist heftig umstritten und bis heute nicht geklärt. Dies gilt vor allem für die vom 16. 7. 1422 datierende Freiherrnurkunde und die Grafenurkunde von 1437, die seinen Anspruch auf Bessano begründete. Nicht bezweifelt wird dagegen die Bestätigung und Besserung des ererbten Familienwappens von 1416 und der Empfang des Ritterschlags durch Sigmund 1433. Seinen sozialen Aufstieg unterstrich S. im April 1437 durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Herzog Konrads von Oels-Kosel, die mit Kaiser Sigmund verwandt war und S. in den Kreis der Familie des Kaisers einführte. - Als Lohn für seine politische Tätigkeit konnte er durch königliche Gnadenerweise reichen Besitz, insbesondere im Egerland und die Herrschaft Weißkirchen in Ungarn erwerben. - S. war nicht nur an Politik sondern auch an Kunst und Wissenschaft interessiert und betätigte sich deshalb als Förderer von Gelehrten. Kein geringerer als Enea Silvio Piccolomini verdankte ihm die Aufnahme in die kaiserliche Kanzlei und seinen Aufstieg bei Hof. - In der Frage der Bewertung der Person S. gehen die Meinungen weit auseinander. Für die einen (Pennrich, Dvorák) ist er der Inbegriff für Habgier, Bestechlichkeit und Selbstsucht, der auch nicht davor zurückscheute, die Möglichkeiten seines Amtes zu seinen Gunsten zu mißbrauchen und durch Urkundenfälschungen großen Stils seine Karriere zu befördern. Für die anderen (Zechel) stehen seine politischen Fähigkeiten im Vordergrund, die seinen steilen Aufstieg aus bürgerlichen Verhältnissen in höchste Kreise ermöglichten.
Lit.: F. A. Vacek, Des Staatskanzlers Grafen C. v. S. Jugend und Bildungsgeschichte (Monatsschrift des Vaterländischen Museums, II, Dezemberfolge), 1828, 537 ff.; - Joseph von Aschbach, Geschichte Kaiser Sigmunds, 4 Bde., 1838-1845; - Aeneas Silvius Piccolomini, Historia Bohemica, in: Aeneae Sylvii Senensis s. Romanae ecclesiae cardinalis tituli s. Sabinae De Bohemorum et ex his imperatorum aliquot origine ac gestis ... historia, 1867; - Heinrich Gradl, Zur Herkunft der Schlicke, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 20, 1882, 347-351; - Karl Schellhass, Das Vicekanzellariat C. S., in: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 4, 1890, 347-350; - Eberhart Windecke, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Zeitalters Kaiser Sigmunds, hrsg. von Wilhelm Altmann, 1893; - Regesta Imperii, XI, 1896-1900; XII, 1975; - Max Dvorák, Die Fälschungen des Reichskanzlers K. S., in: MIÖG 22, 1901, 51-108; - Alfred Pennrich, Die Urkundenfälschungen des Reichskanzlers K. S. nebst Beiträgen zu seinem Leben, 1901; - Otto Hufnagel, C. S. letztes Hervortreten in der Politik nebst einem kritischen Beitrag zu dem Fälschungsproblem (Diss. Leipzig), 1910; - Otto Hufnagel, C. S. als Kanzler Friedrichs III., in: MIÖG Erg.Bd. 8, 1911, 253-460; - Rudolf Schreiber, Die Elbogner Urbare der Grafen von S. (Sudetendeutsches Historisches Archiv 1), 1934; - Artur Zechel, Studien über K. S. Anfänge/Erstes Kanzleramt/Fälschungsfrage. Ein Beitrag zur Geschichte und Diplomatik des 15. Jahrhunderts (Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte 15), 1939; - RTA, ÄR, IX, 21956; X-XVI, 21957; XVII, 1963; XIX, 1969; - Walter Goldinger, Die Standeserhöhungsdiplome unter König und Kaiser Sigismund, in: MIÖG 78, 1970, 323-337; - Günther Hödl, Reichsregierung und Reichsreform unter König Albrecht II. Eine Bestandsaufnahme, in: ZHF 1, 1974, 129-145; - Ders., Albrecht II. Königtum, Reichsregierung und Reichsreform 1438-1439 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 3), 1978; - Regesten Kaiser Friedrichs III., I-V, 1982-1988; VII, 1990; - Peter Moraw, Gelehrte Juristen im Dienst der deutschen Könige des späten Mittelalters (1273-1493), in: Roman Schnur (Hrsg.), Die Rolle der Juristen bei der Entstehung des modernen Staates, 1986, 77-147; - Heinrich Koller, Probleme der Schriftlichkeit und Verwaltung unter Kaiser Friedrich III., in: Europa 1500, hrsg. von Winfried Eberhard und Ferdinand Seibt, 1987, 96-114; - Paul-Joachim Heinig, War K. S. ein Fälscher ?, in: Fälschungen im Mittelalter, Teil III: Diplomatische Fälschungen (I) (MGH Schriften 33,III), 1988, 247-281; - Johann Heinrich Zedler, Großes vollständiges Universal-Lexikon, XXXV, 1743, Sp. 173-175; - ADB, XXXI, 1890, 505-510; - Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte, III, 21975, Sp. 2504-2505; - LThK, IX, 21964, Sp. 419.
Peter Schmid
Literaturergänzung:
2009
Erich Paulus ; Regina Paulus, Böhmische Exulanten in Franken. Die Familie S. aus d. Egerland, in: ZBKG 78.2009, S. 77-138.
Letzte Änderung: 10.02.2010