SCHLICKER, Peter, Kaplan, Märtyrerpriester, * 12.3. 1909 in Saarbrücken-Malstatt, Taufe am 21. März 1909 (Pfarrkirche St. Josef), Sohn des Lehrers Johann Schlicker und seiner Ehefrau Anna Maria, geb. Gerlach; † 19.4. 1945 in Schellenberg/Oberbayern. - Gefirmt wurde Schlicker am 6. Mai 1919 von Bischof Michael Felix Korum. Von 1919 bis 1928 war Schlicker Schüler des humanistischen Gymnasiums Saarbrücken, das er am 22. Februar 1928 mit dem Abitur verließ. Anschließend studierte er bis 1934 Philosophie und katholische Theologie am Bischöflichen Priesterseminar in Trier. Zum Priester wurde er am 15. Juli 1933 in Trier geweiht. In seiner ersten Stelle als Kaplan in Neuwied/Rhein, die er am 15. Februar 1934 angetreten hatte, kam es bereits zu Konfrontationen mit den Nazis. Hieraus ergab es sich, daß Schlicker am 1. Mai 1936 als Kaplan nach Niedermendig versetzt wurde. Da die Nazis Schlicker wegen angeblicher Sittlichkeitsvergehen belangen wollte, hielten seine Vorgesetzten es für klüger, ihn auf diese Art aus der "Schußlinie" zu nehmen. Da er schon als politisch vorbelastet (als katholischer Aktivist) galt und als Nazigegner bekannt war, war er auch hier nicht vor Verfolgungen gefeit. Am 4. Januar 1937 erging Strafantrag wegen Kanzelmißbrauchs, da er sich in einer Predigt deutlich gegen die juden- und kirchenfeindlichen Inhalte der nazifreundlichen Wandzeitung "Stürmer" gewandt hatte. Zwar wurde das Verfahren eingestellt, Schlicker jedoch stand unter scharfer Beobachtung. Sowohl er, als auch sein Pfarrer Joseph Bechtel wurden schließlich verhaftet, weil sie die staatlichen Ehegesetze bezüglich Geschiedener nicht anerkennen wollten und stattdessen auf der Unauflöslichkeit des christlichen Ehesakramentes beharrten. Einer Anzeige vom 10. Oktober 1940 folgten Verhöre und dann die Verhaftung am 9. Januar 1941. Nach der Einweisung in "Schutzhaft" ins Koblenzer Gefängnis brachte man Schlicker am 7. Februar 1941 ins KZ Dachau, dort erhielt er die Häftlingsnummer 23647. Alle Versuche der Familie und auch der Generalvikariates in Trier zur Befreiung Schlickers blieben ohne jeden Erfolg. Außer, daß Schlicker an Mangelernährung und unter den miserablen Haftbedingungen litt, zog er sich auch noch eine Flecktyphuserkrankung zu. 1943 rang er acht Monate lang mit dem Tode. Am 29. März 1945 wurde er aus dem KZ Dachau entlassen und kurz darauf zum Kooperator der Pfarrei Schellenberg ernannt. Aufgrund des Kriegsgeschehens hatte er nicht in seine Heimat zurückkehren können und sich daher nach München gewandt. Um ihn dem weiteren Zugriff der Wehrmacht zu entziehen, hatte das Generalvikariat München-Freising Peter Schlicker rückwirkend zum Kirchenrektor in Ettenberg und Kooperator in Schellenberg ernannt gehabt. Auch der Erholungseffekt der Berchtesgadener Berglandschaft war für Schlicker angedacht worden. Hierher kam er dann auch am 7. April 1945, ohne sein Amt wirklich aufnehmen zu können, da er durch seine Typhuserkrankung zu sehr geschwächt war. Am 19. April 1945 starb Schlicker schließlich an den Folgen dieser Krankheit im Landeskrankenhaus Salzburg und wurde in Schellenberg beigesetzt. Unter großer Anteilnahme feierte man am 13. August 1945 in Niedermendig ein Requiem für Schlicker. Im darauffolgenden Monat überführte man die exhumierte Leiche Schlickers nach Rissenthal (Saarland) in die Pfarrei seines Bruders. Die endgültige Beisetzung erfolgte dort am 19. September 1945. Heute ist Rissenthal ein Ortsteil von Losheim/Saar. Peter Schlicker war ein überzeugter Katholik und Gegner des Nationalsozialismus, seinen Mithäftlingen erschien er als fröhlicher und tieffrommer Mensch, der sein Schicksal gefaßt hinnahm. Einem seiner Leidensgenossen, Pater Martin Schiffer, galt Schlicker gar als "einer der unkanonisierten Martyrer." In Mendig hält eine Straße mit seinem Namen die Erinnerung an den Kaplan Schlicker wach.
Archivalien: Personalakte im Bistumsarchiv Trier Abt. 85, Nr. 1556; Dokumente im: Bundesarchiv Abteilungen Potsdam , Bestand 51.01 (Reichskirchenministerium) Nr. 22261: 196ff.
Lit.: Neunheuser, Burckard: Dachau war sein Todesurteil - Zum Gedenken an Kaplan Peter Schlicker (Niedermendig), der vor 25 Jahren an den Folgen vierjähriger KZ-Haft starb, in: Paulinus - Trierer Bistumsblatt, Nr. 16 v. 19. April 1970, 19; - Weiler, Eugen (Hrsg.):Die Geistlichen in Dachau sowie in anderen Konzentrationslagern und in Gefängnissen (Nachlaß von Pfarrer Emil Thoma), Mödling 1971, 585; - Münch, Maurus: Unter 2579 Priestern in Dachau - Zum Gedenken an den 25. Jahrestag der Befreiung in der Osterzeit 1945, Trier 1972, 69-75; - Wittschier, Bernd: Kaplan Peter Schlicker - Märtyrer im Dienste der Unauflöslichkeit der Ehe, in: Theologisches Nr. 183, Juli 1985, Sp. 6519-6521; - Hoellen, Michael: Pfarrer Joseph Bechtel - Kaplan Peter Schlicker: Mendiger Märtyrer - Ihr Leben, Leiden und Sterben, Leutesdorf 1991; - Hoellen, Michael: Passionsgeschichte eines jungen Priesters, in: Paulinus- Trierer Bistumsblatt, Nr. 13 v. 26. März 1995, 22-23; - Persch, Martin: "Meine Zeit hier ist reich..." - Die Trierer Märtyrerpriester im Konzentrationslager Dachau 1940-1945, in: Kurtrierisches Jahrbuch 1997, 157-198, hier 166-170; - Hehl, Ulrich von; et al. (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror - Eine biographische und statistische Erhebung, Band 2, Paderborn, 19984,1496f.; - Persch, Martin: Artikel Schlicker, in: Moll, Helmut (Hrsg.): Zeugen für Christus - Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn 1999, Band I, 574-577; - Bollmus; Reinhard: Trier und der Nationalsozialismus (1925-1945), in: Düwell, Kurt; - Irsigler, Franz (Hrsg.): Trier in der Neuzeit, Trier 2000, 517-589, hier 569, Anm. 146.