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Verlag Traugott Bautz
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SCHMAUS, Michael, herausragender kath. Dogmatiker, * 17.7. 1897 in Oberbaar bei Donauwörth als Sohn des Landwirts Georg S. und seiner Ehefrau Rosina (geb. Pfundmair), † 8.12. 1993 in Gauting bei München. - Nach Absolvierung der Gymnasialzeit in Rosenheim studierte M. S. kath. Theologie in München und wurde am 29.6.1922 in Freising zum Priester geweiht. 1924 promovierte er bei Martin Grabmann (1875-1949; bahnbrechend in der Erforschung der Scholastik) mit der grundlegenden Untersuchung »Die psychologische Trinitätslehre des hl. Augustinus« (gedr. 1927; Nachdr. 1967 mit Nachtrag und Lit.-Ergg.) zum Doktor der Theologie. Von 1924-1929 nahm er einen Lehrauftrag an der Phil.-Theol. Hochschule in Freising und am dortigen Klerikalseminar wahr und habilitierte sich nach Studien in Rom (1926) im Jahre 1928 mit einer umfangreichen Arbeit zu Thomas von Aquin und Duns Scotus, den beiden großen Denkergestalten des Dominikaner- bzw. Franziskanerordens im 13. Jh. Die historische Dimension der Theologie sollte zeitlebens ein konstitutives Element seiner wissenschaftlichen Bemühungen bleiben; sie schlug sich in über 50 Beiträgen zu geschichtlichen Themen nieder sowie in den fast ausschließlich der Patristik und dem Mittelalter gewidmeten Dissertations- und Habilitationsschriften seiner Schüler (Verz. bei Leo Scheffczyk u.a. [Hrsg.], Wahrheit und Verkündigung [Festschr. M. S. zum 70. Geb.] I, 1967, XXXIV-XXXVIII). Noch im selben Jahr 1928 wurde S. zum Privatdozenten an der Univ. München ernannt. Anschließend war er von 1929-1933 ao. Prof. für Dogmatik an der Dt. Universität Prag und von 1933-1946 o. Prof. für Dogmatik in Münster (Westfalen). Zu Beginn des Dritten Reiches lieferte S. mit seiner in der Reihe »Reich und Kirche« erschienenen Schrift »Begegnungen zwischen katholischem Christentum und nationalsozialistischer Weltanschauung« (Münster 1933, 19343) eines der typischen Beispiele für den »Versuch des Brückenbaues zwischen Kirche und Nationalsozialismus ..., in denen die kath. Reichsidee sozusagen die Schlußformel ist« (Klaus Breuning). In der Münsteraner Zeit entstand sodann das mehrbändige Standardwerk »Katholische Dogmatik« (erstmals erschienen 1938-1941; insgesamt 6 Auflagen), das damals einen »theologischen Durchbruch und Umbruch von geradezu epochaler Bedeutung« (Richard Heinzmann) darstellte. Es war das erste dogmatische Lehrbuch, das nicht in einer für den Laien unverständlichen Mischung aus Latein und Deutsch geschrieben war, sondern - streng an der Hl. Schrift und der Vätertradition orientiert - die neuscholastische Theologie dieser Epoche in eine neue Sprache und Denkweise übersetzte, die die Adressaten wirklich erreichte und Theologie mit Verkündigung zu verknüpfen verstand. »Dogmatik muß so sein, daß der Mensch auch spürt: Hier geht es um sein Heil« (M. S. in: ChrWelt vom 26.8.1983, 24). Überdies bildete die »Katholische Dogmatik« theologiegeschichtlich den ersten Versuch, die Theologie in ihrer Gesamtheit »von der Ich-Du-Beziehung her« (Heribert Mühlen) neu zu durchdenken. Als einer von ganz wenigen Fachwissenschaftlern zur damaligen Zeit nahm S. hierbei Anregungen und Fragestellungen von Romano Guardini auf und zitierte ihn immer wieder ausführlich; auch Impulse der Jugend- und Bibelbewegung sowie der liturgischen Bewegung fanden Eingang in sein Werk. Naturgemäß fehlte es nicht an Stimmen, denen die Neuartigkeit des Ansatzes, der Sprache und der Methode zu jäh erschien (zumal die philosophische Begriffsanalyse in der Tat zu kurz kommt), so daß der erste Band nur durch die Intervention seines Lehrers Martin Grabmann bei Papst Pius XII. vor einer Indizierung bewahrt wurde, die das frühzeitige Ende der wissenschaftlichen Laufbahn von S. bedeutet hätte. 1945 nach München berufen, um im Auftrag der Bayer. Staatsregierung und des Erzbischofs Michael Kardinal Faulhaber die 1939 von den Nationalsozialisten geschlossene Kath.-Theol. Fakultät wiederaufzubauen, hatte S. von 1946 bis zu seiner Emeritierung 1965 den Lehrstuhl für Dogmatik an der Univ. München inne. In den ersten Jahren seines Wirkens in der bayer. Landeshauptstadt zeigte er jedoch nicht nur bei der Errichtung der eigenen Fakultät, der er mehrmals als Dekan vorstand, unermüdliches Engagement, sondern auch beim äußeren und inneren Neuaufbau der durch den Krieg zerstörten Universität insgesamt - vor allem als Rektor in den Jahren 1951/52. S. war es auch zu verdanken, daß bereits Mitte der fünfziger Jahre - rund ein Jahrzehnt vor den Kath.-Theol. Fakultäten anderer Universitäten - in München Nichtpriester und Frauen zum Dr. theol. promoviert wurden. Seit 1951 Mitglied der Phil.-Hist. Klasse der Bayer. Akademie der Wissenschaften (München), wurde S. - übrigens auch ein mitreißender Redner und Prediger - 1952 in die »Academia Mariana Internationalis« (Rom) und in die »Accademia `Leonardo da Vinci'« (Neapel) sowie 1956 in die »Pontificia Accademia Teologica Romana« (Rom) aufgenommen. Ferner war S. 1950 Mitbegründer der »Münchener Theologischen Zeitschrift«, die er bis 1966 mitherausgab, sowie des Instituts der Görres-Gesellschaft zur Begegnung von Naturwissenschaft und Theologie und gemeinsam mit Alois Grillmeier Herausgeber des Handbuchs für Dogmengeschichte (1951 ff.). 1954 rief er zu Ehren seines Lehrers das binnen kurzem international renommierte »Grabmann-Institut zur Erforschung der mittelalterlichen Theologie und Philosophie« ins Leben, dessen »Mitteilungen« (seit 1967 »Veröffentlichungen«) er ab 1958 herausgab. Als Konsultor bei den vorbereitenden Kommissionen und als offizieller Konzilstheologe (Peritus) für systematische und mittelalterliche Theologie übte S. großen Einfluß auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) aus, das jener theol. Entwicklung die offizielle Anerkennung verschaffte, die er mit Courage und Weitblick mitinitiiert und auf den Weg gebracht hatte. Nach seiner Emeritierung nahm der schon vorher weitgereiste Dogmatiker (besonders erwähnenswert ist ein Aufenthalt in Indien und Japan von März bis Mai 1959) 1966/67 eine dreisemestrige Gastprofessur am Saint Xavier (Women's) College in Chicago (USA) wahr, wo er an der Gründung und am Aufbau des »John XXIII Institute« mitwirkte. In Amerika verfaßte S. auch eine neue, zweibändige Dogmatik im Geist des Konzils mit dem Titel »Der Glaube der Kirche«, die 1968 in englischer und 1969/70 in deutscher Sprache erschien. 1979-1982 legte S. eine wesentlich veränderte und auf sechs Bände erweiterte zweite Auflage des Werkes vor. Streng christologisch konzipiert und eschatologisch ausgerichtet, kennzeichnet diesen Neuentwurf darüber hinaus die ökumenische Grundeinstellung, die Betonung der Hierarchie der Wahrheiten und die universale theologische Weite, die auch den nichtchristlichen Religionen Heilsbedeutung zumißt. Ausgezeichnet mit mehreren Ehrentiteln (Päpstl. Hausprälat, Apostol. Protonotar) und internationalen Orden starb S., der durch seine gegen jedermann gezeigte Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe auch im Alltag ein Beispiel wahren Christentums zu geben vermochte, im bibl. Alter von 96 Jahren. - Durch sein vielseitiges und in zahlreiche Sprachen übersetztes Lebenswerk hat M. S. als einer der bedeutendsten kath. Dogmatiker unserer Zeit die Geschichte der Theologie und der Kirche des 20. Jh.s maßgeblich mitgestaltet.
Werke in Auswahl: Die psychologische Trinitätslehre des hl. Augustinus, 1927 (19672); Der Liber Propugnatorius des Thomas Anglicus und die Lehrunterschiede zwischen Thomas von Aquin und Duns Scotus, II: Die trinitarischen Lehrdifferenzen (Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters XXIX), 1930; Das Antlitz Christi und das Gesicht der Welt. Zur Formung unseres geistigen Wesens, in: Sanctificatio nostra 5, 1934, 450-546; Katholische Dogmatik, 3 Bde. in 4 Teilbänden, 1938-1941 (1960-19656: 5 Bde. in 8 Teilbänden; auch it., span.); Vom Wesen des Christentums, 1947 (19543; auch span., it., frz., engl., port.); Von den Letzten Dingen, 1948 (auch it.); Beharrung und Fortschritt im Christentum, 1952 (auch span., jap.); Wahrheit als Heilsbegegnung (Theologische Fragen heute 1), 1964 (auch engl., frz., it., span.); Der Glaube der Kirche, 2 Bde., 1969-1970 (1979-19822: 6 Bde. in 13 Teilbänden; auch engl., it., span., port., slowak.); Bonaventura und Thomas von Aquin. Ein Vergleich, in: Joseph Ratzinger (Hrsg.), Aktualität der Scholastik, 1975, 53-77. - Vollständige Bibliographie bis 1967 bei Leo Scheffczyk u.a. (Hrsg.), Wahrheit und Verkündigung (Festschr. M. S. zum 70. Geb.) I, 1967, XXI-XXXIII; fortgeführt von Richard Heinzmann, in: MThZ 38, 1987, 131-133.
Lit.: Johann Auer/Hermann Volk, Theologie in Geschichte und Gegenwart (Festschr. M. S. zum 60. Geb.), 1957; - Ignacio Escribano-Alberca, La Dogmatica de M. S., 1962; - Ders., Eschatologie. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart (HDG IV 7d), 1987, 227-229; - Adolf Heuser, Die Erlösungslehre in der katholischen Dogmatik von B. P. Zimmer bis M. Schmaus (Beiträge zur neueren Geschichte der kath. Theologie 4), 1963, 141, 194, 201-215, 219-221, 225 f., 228 f.; - Homenaje al Profesor M. S., in: La ciudad de dios 176, 1963, 393-847; - Adolf Kolping, Katholische Theologie - Gestern und Heute. Thematik und Entfaltung deutscher katholischer Theologie vom I. Vatikanum bis zur Gegenwart, 1964, 398 f.; - Rolf Seeliger, Braune Universität - Deutsche Hochschullehrer gestern und heute. Eine Dokumentation I, 1964, 60-62; - Karl Forster, M. S., in: Hans Jürgen Schultz (Hrsg.), Tendenzen der Theologie im 20. Jh. Eine Geschichte in Porträts, 19672, 422-427 (auch in: Karl Forster, Glaube und Kirche im Dialog mit der Welt von heute I, 1982, 684-689); - Leo Scheffczyk u.a. (Hrsg.), Wahrheit und Verkündigung (Festschr. M. S. zum 70. Geb.), 2 Bde., 1967; - Klaus Breuning, Die Vision des Reiches. Dt. Katholizismus zwischen Demokratie und Diktatur (1929-1934), 1969, 182, 193-195, 291, 293, 295, 299, 363, 383; - Herbert Vorgrimler/Robert Vander Gucht (Hrsg.), Bilanz der Theologie im 20. Jh. Perspektiven, Strömungen, Motive in der christlichen und nichtchristlichen Welt II, 1969, 22, 27, 55, III, 1970, 27, 29, 31, 83 f., 151, 158, 302, 475 f.; - Rudolf Lill, Die dt. Katholiken und die Juden in der Zeit von 1850 bis zur Machtübernahme Hitlers, in: Karl Heinrich Rengstorf / Siegfried von Kortzfleisch (Hrsg.), Kirche und Synagoge. Handbuch zur Geschichte von Christen und Juden II, 1970 (Nachdr. 1988), 370-420, hier: 411; - Norbert Stahl, Von der Vergangenheit zur Gegenwart. Das Grabmann-Institut zur Erforschung der mittelalterlichen Theologie und Philosophie, in: Ludwig-Maximilians-Universität München 1472-1972. Geschichte - Gegenwart - Ausblick, 1972, 121-126 (Interview); - Georg Schwaiger, Größe und Grenze der Theologie. Aufgezeigt an fünfhundert Jahren Geschichte einer theol. Fakultät, in: Benno Hubensteiner (Hrsg.), Ingolstadt - Landshut - München. Der Weg einer Universität, 1973, 51-78, hier: 74; - Georg Schwaiger (Hrsg.), Das Erzbistum München und Freising in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft I, 1984, 695 f., II, 1984, 26; - Richard Heinzmann, Die Identität des Christentums im Umbruch des 20. Jh.s. M. S. zum 90. Geb., in: MThZ 38, 1987, 115-133; - Ders., M. S. in memoriam, in: MThZ 45, 1994, 123-127; - Michael Seybold, »Klassiker der Theologie des 20. Jh.s«. Zum 90. Geb. von M. S., in: Klerusblatt 67, 1987, 191 f.; - Manfred Lochbrunner, Theologie zwischen Kriegsende und Gegenwart, in: Walter Brandmüller (Hrsg.), Hdb. der bayer. KG III, 1991, 653-680, hier 654, 656-658, 661, 670; - Elisabeth Gössmann, Theologie im Leben. Zum Gedenken an M. S., in: Christ in der Gegenwart 46, 1994, 13 f.; - Wulf Steinmann, »... die Werke des Geistes vollbringen, um derentwillen es lohnt, ein Mensch zu sein.«, in: MThZ 45, 1994, 119-122; - Friedrich Wetter, Ein Geschenk Gottes für Theologie und Kirche. M. S., einer der großen Theologen des 20. Jh.s, in: Klerusblatt 74, 1994, 5 f. (auch in: MThZ 45, 1994, 115-117); - Kürschner, GK, 5, 1935 (ff.); - Handbuch der deutschen Wissenschaft II, 1949, 1300; - LThK2 IV 1156 (Grabmann-Institut).
Manfred Eder
Literaturergänzung:
1995
Ignacio Escribano-Alberca, M.S. (1897-1993), in memoriam, in: AHI 4.1995, S. 511ff.; -
2007
Richard Heinzmann, Zum Verhältnis von Kirche u. Theol. nach M.S., in: Kirchenbild u. Spiritualität. Paderborn [u.a.] 2007, S. 421-435; - Peter H. Görg, Sagt an wer ist doch diese - Inhalt, Rang und Entwicklung der Mariologie in dogmatischen Lehrbüchern und Publikationen deutschsprachiger Dogmatiker des 19. und 20. Jahrhunderts, Bonn 2007, 274-292; -
2008
Ist d. Hölle menschenmöglich? Das Problem d. negativen Endgültigkeit in d. dtsprach. kath. Theol. d. zweiten Hälfte d. 20. Jhrs. Freiburg/Br. 2008; - Lucia Scherzberg, Grenzen u. Risiken d. Gemeinschaftsdenkens, in: Von der Communio zur Kommunikativen Theologie. Berlin 2008, S. 145-155; - Bernhard Kaiser, Das Wort Gottes als Sache d. Erfahrung in d. modernen römisch-kath. Theologie, in: Charis. Heerenveen 2008, S. 125-135.
Letzte Änderung: 16.11.2008