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Band IX (1995)Spalten 457-459 Autor: Klaus-Gunther Wesseling

SCHMIDT, Johann Ernst Christian, evangelischer Theologe, landgräflich hessischer Kirchen- und Schulrat, Prälat, * 6.1. 1772 in Busenborn, † 4.6. 1831 in Gießen. - Von 1789 bis 1791 studiert S. in Gießen. Zum 11.1. 1791 wird S. Privatdozent, im März 1798 in das Ordinariat befördert. 1803, im Jahr seiner Ernenung zum Kirchen- und Schulrat, wird S. Bibliothekar. Von 1806 bis 1808 wirkt S. als Superintendent, und zum 6.9. 1808 erfolgt seine Ernennung zum geistlichen Geheimrat, am 2.5. 1820 die Erhebung zum Prälaten. Von 1812-1827 stand S. als Direktor dem philologischen Seminar vor. 1809 wird S., durch Daniel Friedrich Ernst Schleiermacher (s.d.) gefördert, nach Berlin "als Grundstein unserer theologischen Fakultät" berufen, doch äußerte S. Skrupel. S. erhielt das theologische (Halle, 1.8. 1806) und philosophische (Gießen, 20.11. 1816) Ehrendoktorat. S., Herausgeber der "Allgemeinen Bibliothek der neuesten theologischen und pädagogischen Litteratur" (8 Bde., Gießen 1798-1805; Bd. 5-8 zus. mit Friedrich Heinrich Christian Schwarz), versuchte, "`aller Autoritäts-Sklaverei entfesselte' Theologen zu erziehen, um dadurch der Religionsverachtung und der Sittenlosigkeit zu steuern" (RE3 XXIV, 668). - S. widerrief schnell seine ursprüngliche These der Spätdatierung der kanonischen Evangelien. Bei S. finden sich erste Hinweise auf Bedenken hinsichtlich der Authentizität des 1Tim, doch weicht S. noch der Aussprache der Pseudonymität aus und begnügt sich mit der Bezweiflung der paulinischen Verfasserschaft.

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Werke: Geist der theol. Lit. des J. 1797, Gießen 1798; Nachr. an das unterrichtete Publicum den Fichteschen Atheismus betreffend, Gießen 1799; (Hrsg.) Magazin f. Rel.- u. Sittenlehre u. ihre Gesch., H. 1, Gießen 1799 (mehr nicht erschienen); Vermuthungen über die beiden Briefe an die Thessalonicher, in: Bibl. f. Kritik u. Exegese des NT u. älteste Christengesch. 2 Fasc. 3 (Hadamar 1801; auch in Trilling [s.u.], 159-161); Rep. f. die Lit. der Bibel, der Religionsphilos., Kirchen- u. DG, 2 St., Leipzig 1803/1804; Hist.-krit. Einl. in das NT, Gießen 1804-1805, 1809, 18182; Theol. Encyclopädie. Für seine Vorlesungen, Gießen 1811.

Lit.: Heinrich Doering, Die gelehrten Theologen Dtld. im achtzehnten u. neunzehnten Jh. Nach ihrem Leben u. Wirken dargest. III, Neustadt a.d. Orla 1833, 838-847; - Karl Wenck, S., J. E. C., Prof. der ev. Theol. z. Gießen, 1772-1831, in: Hessische Biogrr. in Verbindung mit Karl Esselborn u. Georg Lehnert hrsg. v. Herman Haupt I (Darmstadt 1912), 468-474; - Heinrich Meisner, Schleiermacher als Mensch. Sein Wirken, 1923, 125 ff.; - Wolfgang Trilling, Unterss. z. 2Thess (Erfurter Theol. Stud. 27), Leipzig 1972, 13 f.42 f.; - Hermann Patsch, Die Angst vor dem Deuteropaulinismus. Die Rezeption des "krit. Sendschreibens" Friedrich Schleiermachers über den 1Tim im ersten Jahrfünft: ZThK 88 (1991), 451-477; - ADB XXXI, 743-745.

Klaus-Gunther Wesseling

Werkeergänzung:

1800

Lehrbuch der christlichen Dogmatik, Gießen 1800;

1801

Handbuch der christlichen Kirchengeschichte, Bd. 1-7, 1. und 2. Aufl., Gießen und Darmstadt 1801-1834 (vollendet von Friedrich Wilhelm Rettberg).

Letzte Änderung: 09.04.2011