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Verlag Traugott Bautz
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SCHREIBER, Georg, Universitätsprofessor und bedeutender Kulturpolitiker der Zentrumspartei in der Weimarer Republik, * 5.1. 1882 in Rüdershausen (Eichsfeld, Provinz Hannover), als Sohn des Försters Franz Ignatz Schreiber, + 24.2. 1963 in Münster i.W.. - Nach dem Besuch der Rektoratsschule in Duderstadt und des Gymnasium Josephinum in Hildesheim studierte S. von 1901-1904 katholische Theologie in Münster. 1905 erhielt er nach einer einjährigen Ausbildung im Priesterseminar von Hildesheim die Priesterweihe, setzte anschließend sein Studium in den Fächern Geschichte und Germanistik in Münster und Berlin fort und promovierte 1909 zum Dr.phil.. 1913 erwarb er in Freiburg den theologischen Doktorgrad. Seine Habilitation erfolgte im gleichen Jahr im Fach Theologie in Münster. Nach einem kurzen Gastspiel als ao. Prof. für Kirchenrecht an der Philosophisch-theologischen Hochschule in Regensburg kehrte S. 1917 als Ordinarius für Kirchengeschichte nach Münster zurück. Die radikale antikirchliche Schul- und Kirchenpolitik der preußischen Revolutionsregierung im November/Dezember 1918 veranlaßte S., sich politisch zu engagieren. Von 1920 - Ende 1933 war er Reichstagsabgeordneter für die deutsche Zentrumspartei. Er wurde einer der profilieresten Kulturpolitiker der Weimarer Republik. Während dieser Zeit verlieh S. u.a. durch seine Mitarbeit am sogenannten Preußenkonkordat des Jahres 1929 nicht nur einer Reichskirchen-, sondern auch einer Reichskulturpolitik starke Impulse. Besonders erwähnenswert ist sein Einsatz für den wissenschaftlichen Nachwuchs und für eine Verstärkung der Auslandsbeziehungen deutscher Hochschulen. Schließlich focht er für Volkstums- und Minderheitenrechte im In- und Ausland. 1935 wurde S. zwangsemeritiert, verbrachte die Zeit bis 1945 in innerer Emigration und wurde dann reaktiviert. 1945/46 war er Rektor der Universität Münster. Seine endgültige Emeritierung erfolgte im Jahre 1951. - Der Wissenschaftler und Politiker Georg Schreiber hat sich stets als »Pionier«, »Brückenbauer« und »großer Anreger« erwiesen.
Werke: Kurie und Kloster im 12. Jahrhundert, 2 Bde., Stuttgart 1910; Untersuchungen zum Sprachgebrauch des mittelalterlichen Oblationswesens, Freiburg i.B. 1913; Studien zur Geschichte und Rechtsgeschichte des mittelalterlichen Mönchstums. Kritik und Anregungen. In: Th R 14, 1915, Sp. 241-253; Mutter und Kind in der Kultur der Kirche, Freiburg i.B. 1918; Aufruf zur Gründung der Westfälischen Gesellschaft für Volksbildung und Volkshochschulwesen. In: WM Nr. 339 v. 2.8. 1919; Neue Aufgaben des Auswärtigen Amtes. In: Germania Nr. 342 v. 6.8. 1920; Zentrum und Antisemitismus. Erster Reichsparteitag des Zentrums. Offizieller Bericht, Hrsgg. vom Reichsgeneralsekretariat der Deutschen Zentrumspartei. Tagung zu Berlin vom 19. - 22. 1.1920, Berlin 1920, 131 f.; Westdeutsche und europäische Kultur. In: KV Nr. 535 vom 25.7. 1923; Die Not der deutschen Wissenschaft und der geistigen Arbeiter, Leipzig 1923; Deutsche Zukunft, deutsches Führerproblem und Studentennot. In: Germania Nr. 255 vom 26. 6.1924; Grundfragen der Zentrumspolitik. Ein politisches Handbuch in Frage und Antwort, Berlin 1924; Politische Diskussionsfragen, Münster 1924; Zentrum und deutsche Politik. Ein Handbuch zu den Dezemberwahlen 1924, Berlin 1924; Auslandsdeutschtum und Auslandskulturpolitik. In: Politisches Jahrbuch 1925, Mönchengladbach 1925, 125-129; Katholizismus und Auslandsdeutschtum. In: Der Auslandsdeutsche 8, 1925, 466; Deutschland und Lettland. Eindrücke einer deutschen Hochschulwoche. In: Germania Nr. 258 v. 8.6. 1926; Auslandsdeutschtum und Katholizismus, Münster 1927; Das Bildungswesen der politischen Parteien. In: Politisches Jahrbuch 1926, Mönchengladbach 1927, 436-441; Deutsche Hochschulen und deutsche Nation. In: Jahresbericht der Görresgesellschaft 1926/27, Köln 1928, 23-29; Deutscher Staat. In: JZ 5, 1928, 56-61; Nationale und internationale Kulturpolitik. In: DLH 8, 1928, 50 f.; Staat und Wissenschaft. In: 10 Jahre deutsche Geschichte 1918 bis 1928, Berlin 1928, 393-400; Die Arbeit des Reichstages. Eine kurze Einführung in seine Arbeit und seine Organisation. hrsgg. von Paul Löbe, Berlin 1929, 24-28; Das Auslandsdeutschtum als Kulturfrage, Münster 1929; Auslandsdeutschtum, nicht Alldeutschtum. In: KK (Prag) 23, 1929, 217-224; Sinn und Sendung des Auslandsdeutschtums. In: Deutsche Einheit, deutsche Freiheit. Gedenkbuch der Reichsregierung zum 10. Verfassungstag. 11. August 1929, Berlin 1929, 204-208; Forschungsstelle für Auslandsdeutschtum und Auslandskunde e.V. zu Münster i.W., Münster 1929; Zentrum und Reichspolitik. Ein politisches Handbuch in Frage und Aktwort. Köln 1930; Nationale und internationale Volkskunde, Düsseldorf 1930; Kirche und deutsches Volkstum. In: Sch Z 6, 1931, 1244 f.; Joseph Mausbach (1861-1931). Sein Wirken für Kirche und Staat, Münster 1931; Das Ethos der Abrüstung. In: ZfP 21, 1932, 779-783; Brüning - Hitler - Schleicher, Köln 1932; Regierung ohne Volk. Eine positive Kritik, Köln 1932; Reichsregierunng gegen Volksvertretung. In: KV Nr. 265 vom 26. 11. 1932; Vom Sinn des deutschen Volkstums. In: ABK 46, 1932, 259-262; Mönchtum und Wallfahrt in ihren Beziehungen zur mittelalterlichen Einheitskultur. In: HJB 55, 1935, 160-181; Deutsche Bauernfrömmigkeit in volkskundlicher Sicht, Düsseldorf 1937; Hochschule und Volkstum in der neuen Zeit, Recklinghausen 1945, 19462; Gemeinschaften des Mittelalters, Münster 1948; Zwischen Demokratie und Diktatur, Münster 1949; Deutsche Wissenschaftspolitik von Bismarck bis zum Atomwissenschaftler Otto Hahn, Köln 1954; Deutschland und Österreich, Köln 1956; Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum, Köln 1956; Die vierzehn Nothelfer in Volksfrömmigkeit und Sakralkultur, Innsbruck 1959; Der Bergbau in Geschichte, Ethos und Sakralkultur, Köln 1962; Rudolf Morsey, Schriftenverzeichnis Georg Schreiber, Münster 1958.
Lit.: J. Spörl, J.P. Steffes, Zwischen Politik und Wissenschaft. In: HJB 72, 1953, IX ff.; - R. Morsey, Aus westfälischer Wissenschaft und Politik. Landschaftliches und Universales im Lebenswerk von Georg Schreiber. In: WF 10, 1957, 6 ff.; - Johannes Peters, Begegnungen mit Prof. Schreiber. In: MZ v. 5.1. 1962; - N. Grass, Prälat Georg Schreiber und Tirol. In: Der Schlern (Bozen) 37, 1962, 342 ff.; - Ders., Georg Schreiber †, Begegnungen des Kanonisten mit Ulrich Stutz. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 80, Kanonistische Abteilung, 1963, 600 ff.; - E. Hegel und J. Spörl, Georg Schreiber zum Gedächtnis. In: HJB 93, 1964, 246 ff.; - Rudolf Morsey, Georg Schreiber. In: Politik und Landschaft. hrsgg. von W. Först, 1969, 155 ff.; - R. Morsey, Georg Schreiber. In: StL 19706, XI, 149 ff.; - Ders., Georg Schreiber. In: Ders. (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern II, 1975, 177-185; - Ders., Georg Schreiber, Der Wissenschaftler, Kulturpolitiker und Wissenschaftsorganisator. In: WZ 131/132, 1981/82, 121-159; - Georg Schreiber. In: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft, 1930, 1705.
Detlef Grothmann
Werkenachtrag
1931
Das deutsche Volkstum in seinen Wechselbeziehungen zu Staat und Kirche. In: Die Getreuen 8, 1931, 89-92;
1936
Deutschland und Spanien. Volkskundliche und kulturkundliche Beziehungen, Zusammenhänge abendländischer und iberoamerikanischer Sakralkultur. 1936;
1980
Posthum ist noch folgende Monographie erschienen: Georg Schreiber, Deutsche Weingeschichte. Der Wein in Volksleben, Kult und Wirtschaft (Werken und Wohnen. Volkskundliche Untersuchungen im Rheinland, Band 13) Köln 1980 (Landschaftsverband Rheinland - Amt für rheinische Landeskunde) mit einer Einleitung von Nikolaus Grass, Georg Schreiber und sein Werk, S. VII-IX;
1956
Westdeutsche Charaktere. Daten und Erinnerungen an die Wissenschaftsgeschichte und Sozialpolitik der letzten Jahrzehnte. In: Westfälische Forschungen 9, Köln/Graz: Böhlau 1956. S. 54-82.
Literaturergänzung:
1971
Hegel, Eduard: Geschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster 1773-1964. Teil I. Münster: Aschendorff 1966. S. 429-432. Teil II. Münster: Aschendorff 1971. S. 82-87; -
2005
Rudolf Morsey: Machtkampf um eine Bibliothek in Münster. Himmlers und Rosenbergs Interesse an den beschlagnahmten Instituten von Georg Schreiber. In: Kirchliche Zeitgeschichte 18 (2005), S. 68-120.
Letzte Änderung: 04.03.2009