SCHUSTER, Ildefonso (Taufname: Alfredo Aloisio), OSB, Kard.,
EB v. Mailand, * 18.1. 1880 in Rom, † 30.8. 1954 in Venegono
b. Mailand (Prov. Varese), Grab im Mailänder Dom. - Der aus Deggendorf
(Niederbayern) stammende Vater Johann (1819-1888), gelernter Schneider
wie sein Vater Jakob (Mutter: Maria geb. Idev), trat 1845 in Rom ins
päpstliche Heer ein, wurde Unteroffizier im Zuaven-Korps (1860 überwiegend
aus französischen und belgischen Freiwilligen zum Schutz des Kirchenstaats
gegründet, 1871 aufgelöst) und leitete dann die Militärschneiderei.
In 2. Ehe war er mit der 30 Jahre jüngeren, aus Bozen stammenden Anna
Maria Tutzer (19.6. 1849-1912) verheiratet (Eltern: der Bozener Binder
Alois T. und Maria geb. Mahlknecht). Es war also keine wohlhabende
Familie, welcher der im Vatikan (beim Päpstlichen Hospiz Sta. Marta)
geborene Alfred Alois (Staffler: Alfred Ludwig) und seine nachgeborene
Schwester Julia entstammten, die später ebenfalls in einen Orden eintrat.
- Kindheit und Jugend waren stark vom Bild der Mutter und deren
Eltern geprägt. Die Mutter vermittelte ihm eine tiefe Liebe zur Mutter
Gottes, auf deren Fürsprache er als kleines Kind von einer Krankheit
genas, in der die Ärzte ihn schon aufgegeben hatten. Lange litt er
als Kind an einem hartnäckigen Augenleiden. Sein Lieblingsspiel war
das Hl.-Messe-Spielen. Nach dem Kindergarten besuchte er die öffentliche
Grundschule bis zur 5. Klasse und wurde dann 11jährig im November
1891 in die höhere Schule (it.: Mittelschule) der Benediktinerabtei
St. Paul vor den Mauern (S. Paolo fuori le mura) in Rom aufgenommen.
Am 13.11. 1896 trat er in St. Paul, das zur Kongregation von Monte
Cassino gehört(e), ins Noviziat ein und erbat als Ordensnamen den
des von seiner Mutter hoch verehrten hl. Ildefons von Toledo (s. Bd.
2), der selbst ein großer Marienverehrer war. Nach drei Jahren, am
13.11. 1899, legte er die feierlichen Ordensgelübde ab. Die philosophischen
und theologischen Studien absolvierte er an der Ordenshochschule S.
Anselmo (Anselmianum) in Rom, wo er 1903 den Grad eines Dr. phil.
erlangte und dann zum Dr. theol. promoviert wurde. Der nachmalige
Beuroner Erzabt Benedikt Baur (1877-1938) war hier drei Jahre lang
sein Kommilitone. Am 19.3. 1904 (Fest des hl. Josef) empfing Sch.
in der Lateranbasilika (Bischofskirche des Papstes) durch Kardinal
Respighi, Vikar von Rom, die Priesterweihe. Anschließend studierte
er Archäologie, Liturgie(-) und Ordensgeschichte. Schon 1905 wurde
er Dozent an der Päpstlichen Schule für Kirchenmusik (Vorgängerin
des 1910 gegründeten Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik?). In
jenen Jahren, in denen er täglich acht Stunden dem Gebet oblag, war
der selige Benediktiner Placido Riccardi (1844-1915), Rektor der Wallfahrtskirche
in Farfa (seit 1894; zu Farfa s.u.) sein Beichtvater und Freund. Nach
vier Priesterjahren erhielt er 1908 das verantwortungsvolle Amt des
Novizenmeisters; im selben Jahr wurde er Dozent für Kirchengeschichte
am Anselmianum. In der Folgezeit wurde er Professor für Kirchenmusik
[ebd.] und Rat der hll. Riten [d.h. wohl: Konsultor der Ritenkongregation].
Als Angelo Giuseppe Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII. (1881-1963;
s. Bd. 3), damals Sekretär seines Heimatbischofs (Bergamo), ihn 1911
kennenlernte, war Sch. Abate Del Papa. (Den Briefwechsel zwischen
dem Mönch Sch. und dem Diplomaten Roncalli s.u. Werke. Vom 5.5. 1929
bis 28.8. 1954 wechselten sie 20 meist kurze Briefe und trafen zwischen
1926 und 1953 25mal zusammen). - Am 6.4. 1918, im Alter von 38
Jahren, wurde Sch. zum Abt von St. Paul gewählt, das als Abbatia nullius
direkt dem Papst untersteht (soweit nicht dem Generalabt der Montecassiner
Kongregation gewisse Rechte zukommen) und dessen Kirche eine der sieben
Hauptkirchen Roms und eine der vier Ablaßkirchen des Hl. Jahres ist.
Auf dem Territorium der Abtei, dessen Exterritorialität im Lateranvertrag
vom Februar 1929 formell anerkannt wurde, besaß er die Autorität eines
Ordinarius. Als Abt von St. Paul war Sch. lt. einigen Autoren auch
Abt der im 8. Jahrhundert entstandenen ehemaligen Reichsabtei Farfa
(Prov. Rieti, ca. 50 km nordöstlich Rom), die 1919 auch administrativ
von St. Paul abhängig wurde, bzw. Ordinarius der Diözese Sta. Sabina
mit drei Pfarreien (so Terraneo; eine solche Diözese ist bei Eubel
nicht nachgewiesen). Nach anderen (Wetzer-Welte; Eubel; DHGE) hatte
Papst Gregor XVI. (s. Bd. 2) das Territorium von Farfa (ebenfalls
Abbatia nullius) schon 1842 dem suburbikarischen Bistum Sabina inkorporiert
(das 1900 über 30 Pfarrkirchen besaß) und dessen Kardinal-Bischof
zum Abbas perpetuus von Farfa ernannt. Dagegen sagt der Montecassiner
Mönch Bruno Albers im »Kirchlichen Handlexikon« (Bd. 1), das seit
1567 der Montecassiner Kongregation angehörende Farfa sei 1863 (ebd.
Bd. 2, Art. Sabina: 1867) »als Abtei aufgehoben« worden, bestehe »aber
noch als Titel für den Generalprokurator der cassinens. Kongreg. fort«
- und das war der Abt von St. Paul. Jedenfalls machte Sch. es sich
zur Aufgabe, nachdem er sich seit 1901 wissenschaftlich mit Farfa
befaßt hatte, nunmehr das monastische Leben in der Abtei wieder zur
Blüte zu bringen, und begründete 1921 dort einen kleinen Konvent.
1918 wurde Sch. auch Präsident des 1917 von Benedikt XV. (1854-1922;
s. Bd. 1) gegründeten Orientalischen Instituts, dessen Leitung Pius
XI. (s. Bd. 7) allerdings 1922 den Jesuiten übertrug. Als Präsident
hatte er öfters mit Benedikt persönlich zu tun, der ihn liebgewann
und ihm die Abfassung der Enzyklika »Princeps Apostolorum« über die
Lehre Ephräms des Syrers (s. Bd. 1) übertrug, die anläßlich dessen
Erhebung zum Kirchenlehrer am 5.10. 1920 erschien. Auch bestellte
ihn Benedikt zum Apostolischen Visitator der Seminarien in Italien,
welche Aufgabe ihn durch das ganze Land führte. In St. Paul begründete
er die Einkehrtage, an denen 1920/ 23 auch Giovanni Battista Montini
(s.u.) mit Studenten teilnahm. Über seine eigentliche Tätigkeit als
Abt kann mangels gedruckter Quellen und Darstellungen nichts gesagt
werden; namentlich eine Geschichte der Abtei St. Paul ist nicht vorhanden
(im Gegensatz zu viel unbedeutenderen Instituten hat sie in der 2.
Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche nicht einmal ein eigenes
Stichwort). - Nach dem Tod von Kardinal-Erzbischof Eugenio Tori wurde Sch. am 26.6. 1929 von Pius XI., der dieses Amt 1921-1922
innegehabt hatte, zum Erzbischof von Mailand, der größten Diözese
Italiens, ernannt (als aussichtsreicher Kandidat war auch Msgr. Roncalli,
Apostolischer Visitator in Bulgarien, bezeichnet worden) und bereits
im Konsistorium vom 15.7. 1929 (Fest der Aussendung der 72 Jünger)
zum Kardinal kreiert (Kardinalpriester, Titelkirche: hll. Silvester
und Martinus ad montes). Pius weihte ihn auch persönlich am 21.7.
(Sonntag) in der Sixtinischen Kapelle zum Bischof. Am 8.9. zog er
feierlich in Mailand ein. Als direkter Vorgänger G. B. Montinis (1.11.
1954), des nachmaligen Papstes Paul VI. (1897-1978), hatte Sch. den
Erzstuhl 25 Jahre lang inne. Sein erster Hirtenbrief von 1929 begann
mit den programmatischen Worten »Immolar supra sacrificium«. Die Intensität,
mit der Sch. - dem Vorbild des hl. Karl Borromäus (s. Bd. 1) folgend
und ihn in seiner äußersten Schaffenskraft noch übertreffend - sein
Amt ausfüllte, zeigt sich u. a. daran, daß er bereits vier Monate
nach seinem Eintreffen in Mailand, nämlich am 6.1. 1930, zur 1. Visitationsreise
durch die Diözese aufbrach, die 987 (949?) Pfarreien umfaßte, und
bis 1951 viermal alle Pfarreien visitiert hatte. Bis zum Ende seines
Pontifikats hatte er 280 Kirch- und 170 Altarweihen vollzogen, meist
in Verbindung mit einer Visitation. Gemäß der Vorschrift des kanonischen
Rechts (cc. 356-362 CIC) hielt er alle vier bis fünf Jahre eine Diözesansynode
ab (Mindestforderung: alle zehn Jahre), auf der er jeweils neues diözesanes
Recht setzte - insbesondere auf seiner ersten, der 41. Mailänder,
am 22. u. 23.9. 1931; die 42.-45. folgten 1935, 1941, 1946 und 1951.
Dazu kam das 9. Konzil der lombardischen Kirchenprovinz - Diözesen
Mailand, Bergamo, Brescia, Como, Crema, Cremona, Lodi, Mantua, Pavia
- vom 3.-5.9. 1934, eine Reformsynode, zu der Pius XI. Weisungen an
Sch. erlassen hatte (ohne ihm allerdings einen Legaten wie bei anderen
Provinzialkonzilien zu senden). Er selbst fungierte viermal als päpstlicher
Legat: für Pius XI. bei der Jahrhundertfeier der Marienerscheinung
in Caravaggio (bei Bergamo) am 15.5. 1932 und zur 1000-Jahr-Feier
der Abtei Einsiedeln (Schweiz) am 21.3. 1934; für Pius XII. beim Eucharistischen
Kongreß in Assisi im September 1951 und, zwei Moante vor seinem Tod,
in Salerno am 8.7. 1954 zwecks Beglaubigung der Reliquien des hl.
Papstes Gregor VII. (s. Bd. 2). Als Bischof hielt er regelmäßige Audienzen
für Priester und für Laien. Im Februar 1952 kündigte er die Errichtung
eines Priesterseminars für Spätberufene (sacerdoti novensili) an.
Bei aller Aktivität des Großstadtapostels lebte Sch. stets als Mönch,
der das ihm in der Ordensregel aufgegebene Schweigen nach Möglichkeit
übte; auch war er kein Freund oberflächlicher Geselligkeit, wie schon
sein Großneffe bei einem Besuch während seiner Abtszeit etwas schmerzlich
feststellen mußte. - Der Totalitätsanspruch des Faschismus, der
sich u.a. in seinem Kampf gegen die von Pius XI. propagierte Katholische
Aktion manifestierte, zeitigte bereits am 26.4. 1931, zwei Monate
vor der Enzyklika »Non abbiamo bisogno« über die Azione Cattolica
(29.6.) ein päpstliches Handschreiben (Chirograph; Breve; offener
Brief) an Sch., das ihn - die faschistische Jugenderziehung als Erziehung
zu Ehrfurchtslosigkeit und Haß kritisierend - zum Schutz der Katholischen
Aktion aufforderte. Anlaß war eine von Invektiven begleitete Rede
(Innenminister?) Giuratis über die »Manöver« der Appellation an das
Konkordat zugunsten der Aktion, wogegen der Papst sich mit dem staatlichen
Totalitätsanspruch auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet auseinandersetzte,
den er für das religiöse und übernatürliche Leben bestritt; innerhalb
dessen sprach er der Kirche und der Hierarchie das Recht korporativer
Organisation zu, das der Faschismus anerkennen müsse, wenn er noch
katholisch sein wolle. Als dann Mussolini im Laufe der von ihm ausgelösten
Krise um die Aktion am 29.5. 1931 alle katholischen Jugend- und Studentengruppen
sowie Vereine auflöste, protestierte Sch. scharf dagegen. Auch wandte
er sich schon früh gegen das sich durch den Faschismus ausbreitende
Heidentum. Um so verwunderlicher - auch im Hinblick auf seine Vergangenheit
als Präsident des Orientalischen Instituts - ist es, daß er die im
Oktober 1935 begonnene italienische Invasion Abessiniens in einer
Predigt im Mailänder Dom am 28.10. mit Sympathie begrüßte und ein
Loblied darauf sang, »was ihm als ein Evangelisationsfeldzug u. als
ein Werk der christl. Zivilisation z. Wohle der äthiop. Barbaren erschien«
(HdKG VII) - um 3 Jahre später, am 13.11. 1938, in der Predigt beim
Vierzigstündigen Gebet im Dom die faschistischen Rassegesetze als
antirömische Häresie zu brandmarken (die zudem das Laterankonkordat
verletzten) und das neue, aus Deutschland kommende Credo zu verurteilen.
Desgleichen verurteilte er streng den zweiten Weltkrieg, namentlich
die italienische Kriegserklärung an Frankreich vom 10.6. 1940. -
Für den am 10.2. 1939 verstorbenen Papst Pius XI. ordnete Sch. Trauerfeiern
in Stadt und Erzdiözese Mailand an. Das letzte der drei letzten römischen
Requien (18., 19. und 20.2.) wurde von Sch. in der Sixtinischen Kapelle
zu Rom vor Kardinälen, Fürsten und Gesandten zelebriert, mit Vornahme
der Absolution. Im Osservatore Romano vom 12.2. wurde er als einer
der aussichtsreichsten Kandidaten für die Papstwahl genannt. 1939-40
führte Sch. die 1600-Jahr-Feier der Geburt des hl.Ambrosius durch.
Am 16.8. 1944 verteidigte er in einem Diskurs gegen die Bewegung des
Priesters Tullio Calcagno (ehemaliger Erzpriester der Kathedrale von
Terni, der eine nationale italienische Kirche forderte) die Stellung
des Papstes als Primas von Italien. (Die Bewegung war von dem militanten
Cremoner Roberto Farinacci inspiriert, der Pius XII. noch im Januar
1945 beschuldigte, sich seit mehreren Jahren voll der jüdischen Sache
verschrieben zu haben. Wie Mussolini wurden er und Calcagno im April
1945 von Partisanen erschossen). - Mutig verhielt sich Sch. während
der deutschen Schreckensherrschaft in Norditalien gegen Kriegsende
und erlangte dadurch einen nicht unerheblichen politischen Einfluß.
So erhielt er, nach dem Vorbild Pius' XII. für Rom, von den Kriegführenden
für Mailand den Status der Offenen Stadt, wobei er in den Verhandlungen
Kontakte zu den Faschisten benutzte, die er seit 1930 geknüpft hatte.
Durch seine Vorstellungen erreichte er auch von SS-Oberst Rauff eine
mildere Behandlung der gefangenen Partisanen, konnte allerdings die
Hinrichtung von 15 Personen auf der Piazza Loreto in Mailand nicht verhindern (auf der dann
auch Mussolinis nackter Leichnam aufgehängt wurde, wogegen er ebenfalls
heftig protestierte). Mit Mussolini ist Sch. dreimal zusammengetroffen:
Das 1. Mal, als der »Duce« am 6.10. 1934 zu einer Großkundgebung in
Mailand weilte. Beim 2. Treffen, am 3.11. 1936 in der Mailänder Domsakristei,
bat Sch. ihn, sich bei Hitler für die katholische Religion in Deutschland
zu verwenden. Das 3. Treffen fand am 24.4. 1945, am Vorabend der Befreiung,
im erzbischöflichen Palast statt, wo unter Sch.s Vermittlung ein Waffenstillstand
mit dem kommunistischen Partisanengeneral Codorna mit dem Ziel der
Kapitulation Mussolinis ausgehandelt wurde, den dieser aber nicht
unterschrieb, sondern empört abfuhr, um einige Tage später von Partisanen
gefangengenommen und in Dongo (Prov. Como) am 28.4. 1945 öffentlich
erschossen zu werden. (Diese Ereignisse, die gegen Ende der 1940er
Jahre in der italienischen Öffentlichkeit Gegenstand von Polemik wurden,
hat Sch. in seiner Schrift »Gli ultimi tempi di un regimine« [s.u.
Werke] behandelt). - Den moralischen und materiellen Wiederaufbau
seiner Diözese nach dem 2. Weltkrieg nahm Sch. tatkräftig und auf
breitester Basis in Angriff. Programmatisch zum Beginn der neuen Epoche
fand im September 1945 in Monza der Eucharistische Diözesankongreß
statt, bei dem er den Vorsitz führte. Am 25.11. 1945 wurde auf seine
Initiative hin die Päpstliche Kommission »di Assistenza dell'Archidiocesi
di Milano« eingesetzt. Im selben Jahr erteilte er seinem Generalvikar
Domenico Bernareggi (1877-1962) für das Amt des Weihbischofs die Bischofsweihe.
Durch die Katholische Aktion nahm er Einfluß auf die Neubildung der
Gewerkschaften. Aufbauend auf dem Volksbildungskonzept seines Vorgängers
Kardinal Ferrari (1850-1921), gründete er im Januar 1948 zwei Kulturinstitute
zum Wachstum des Volkes Gottes: das »Ambrosianeum« und das »Didascaleion«.
Ebenfalls nach dem Krieg berief er Benediktinerinnen (Anbetungsschwestern)
nach Mailand. Zugunsten der Arbeiter, der Armen und gegen die schlechten
Wohnverhältnisse erhob er in der Nachkriegszeit nicht nur seine Stimme
- als Beitrag zur Behebung der Wohnungsnot eröffnete er am 1.1. 1949
in Mailand die Domus Ambrosiana, ein Heim für jugendliche Eheleute
(giovane sposi). Vom 22.-25.7. 1949 nahm er am Internationalen Friedenskongreß
in Lourdes teil. Sein Hirtenbrief zum Dreikönigstag (6.1.) 1950 über
die vier Angelpunkte der christlichen Frömmigkeit (I quattro cardini
della pietà cristiana) ist grundlegend für die Kenntnis seiner Spiritualität.
- Der Ruhm Sch.s als bedeutender Liturgiker (Liturgiewissenschaftler)
gründet auf seinen Studien zum Römischen Meßbuch (Missale Romanum),
die er in seinem neunbändigen italienischen Hauptwerk »Liber Sacramentorum«
veröffentlichte. Mit seiner Erklärung der Liturgie auf wissenchaftlicher
Grundlage mit archäologischem Einschlag geht das Werk über einen historisch-aszetischen
Kommentar hinaus und stellt eine veritable liturgische Enzyklopädie
dar. Dabei erliegt Sch. als Historiker gelegentlich Irrtümern, so
wenn er im 3. Band behauptet, die Kommunion der Gläubigen während
der hl. Messe scheine schon im 12. Jahrhundert in der Lateinischen
Kirche nicht mehr existiert zu haben. Nicht gefolgt ist ihm die Fachwelt
auch in der unfundierten Hypothese, der hl. Benedikt habe seine Ordensregel
im Auftrag Papst Vigilius' oder anderer Päpste verfaßt; das gleiche
gilt für die (auch von Ildefons Herwegen (s. Bd. 2) und anderen vertretene)
Meinung, der hl. Benedikt sei Priester gewesen. - Sch.s letztes
Manuskript stammt vom Markustag (25.4.) 1954. Er starb am 30.8. 1954
um 4.30 Uhr im Priesterseminar Venegono (Prov. Varese), seiner Lieblings-(Neu-)Gründung,
an einer seit längerem bestehenden schweren Herzerkrankung. Bei dem
feierlichen Requiem im Mailänder Dom am 2.9. waren u.a. die Kardinäle
von Turin, Genua, Bologna und Palermo anwesend; die Grabrede (Elogio
funebre) hielt der Patriarch von Venedig, Kardinal Roncalli. Seinen
Bestattungsort am Altar der Virgo Potens im äußeren rechten Domseitenschiff
hatte Sch. auf Grund häufiger Bitten aus Klerus und Volk, besonders
aus den Reihen frommer Frauen (»devoti foeminei sexus«) zu Lebzeiten
bestimmt (Inschrift der farbig gefaßten Marmorplatte im Fußboden);
er wurde dort am 2.9. bei seinen beiden Vorgängern, dem Diener Gottes
Kardinal Ferrari und Erzbischof Tori, bestattet. (Der Text der Inschrift
legt den Schluß nahe, Sch. habe eigentlich nicht im Dom bestattet
werden wollen). Schon zu Lebzeiten Sch.s erfolgten wunderbare Heilungen
usw. durch das Gebet des tief in Gott verwurzelten Mannes. So war
es nur folgerichtig, daß bereits 1957 der bischöfliche Informativprozeß
für die Seligsprechung des »Dieners Gottes« I. Sch. eingeleitet wurde.
Der erste, der Zeugnis dafür ablegte, war sein langjähriger Korrespondenzpartner
Roncalli; daß dieses Zeugnis zwei Monate vor dessen Papstwahl erfolgte,
macht es um so bedeutender. Die feierliche Seligsprechung fand am
12.5. 1996 auf dem Petersplatz in Rom statt. - Wappen: im gespaltenen
Schild rechts auf blauem Grund ein schwarzer Dreiberg, aus dem ein
silbernes Erzbischofskreuz aufragt, auf dessen Stab in silbernen Buchstaben
das Wort »PAX« gelegt ist; links auf goldenem Grund eine ein silbernes
Schwert haltende Hand [St. Paul!]; hinter dem Schild ein Erzbischofskreuz,
das ganze bekrönt von einem roten Prälatenhut mit beiderseits je 15
Quasten (Kardinalshut).
Werke: 101 Bände: 1-13: Gesch., 14-33: Pastoral, 34-38:
Liturgie, 39-54: Aszese, 55-101: Artikel u. Rezensionen; dazu ca.
8000 Briefe, Botschaften, Telegramme. Insbes.: Di una collezzione
di eulogia dei luoghi santi in Palestina, in: Nuovo Bullettino di
Archeologia cristiana 7, 1901, 259-268 [Slg. in od. aus Farfa]; Della
basilica di San Martino e di alcuni ricordi farfensi, in: ebd. 8,
1902, 47-54; L'abbaye de Farfa et sa restauration au XIe siècle
sous Hugues Ier, in: RBén 24, 1907, 17-35, 374-402; Spigolature
farfensi, in: Riv. storica benedettina 2, Rom 1907, 402-415, 581-587;
4, 1909, 587-596; 5, 1910, 42-88; Martyrologium Pharphense ex apographo
Cardinalis Fortunati Tamburini O.S.B. codicis saeculi XI, in: RBén
26, 1909, 433-463; 27, 1910, 75-94, 363-385; De fastorum hagiographico
ordine imperialis monasterii pharphensis, in: Millénaire de Cluny.
Congrès d'hist. et d'archéologie tenu à Cluny les 10, 11, 12 sept.
1910, vol. I, Mâcon 1910, 146-176; L'oratorio del Salvatore nel monastero
imperiale di Farfa, in: Nuovo Bull. di Archeol. crist. 17, 1911, 193-199;
Ugo I di Farfa: contributo alla storia del monastero imperiale di
Farfa nel secolo XI, Perugia 1911 (Separatdruck aus: Bollettino della
R. Dep. di storia patria per l'Umbria 16, H. 3); Reliquie d'arte nella
badia imperiale di Farfa, in: Archivio della Soc. romana di storia
patria 34, 1911, 269-350; Un protocollo di notar Pietro di Gregorio
nell'archivio di Farfa, in: ebd. 35, 1912, 541-582; Il monastero del
Salvatore sul monte Letenano, in: ebd. 37, 1914, 393-451; Il monastero
del Salvatore e gli antichi possedimenti farfensi nella »Massa Torana«,
in: ebd. 41, 1918, 5-58; Criteri edilizi nei primi monasteri benedettini
a proposito della badia imp[eriale] di Farfa, in: Riv. stor. benedett.
7, 1912, 345-353; L'imperiale abbazia di Farfa. Contributo alla storia
del ducato romano nel medio evo, Rom 1921. Nachdr. Rom 1987; Liber sacramentorum, 9
Bde., Turin - Rom 1919-1928 (EItal.: 1924-30, u. Nachdrr.), in 5 Sprachen
übers. (dt.: Richard Bauersfeld O.S.B., Ettal, 10 Bde., Regensburg
1929-1932; frz.: Brüssel 1925ff.); Profilo biografico e saggio
degli scritti spirituali del... D(ivo) P. Riccardo, Rom 1922; Immolar
supra sacrificium, in: Riv. Diocesana Milanese 20, 1929, 379f.; Ewiges
Reich. Grundwahrheiten des Christentums. [Aus dem It.] übertragen
v. R. Bauersfeld, Innsbruck-Wien-München (1932); La Regula Monasteriorum,
Turin 1942; La storia di S. Benedetto e dei suoi tempi, Mailand 1943.
3. Aufl. Vidolbone 1953 (1954?) (Rezension: A. Rimoldi, in: La scuola
cattolica 82, 1954, 310-312); frz. Übers. v. J.-B. Gal u.d.T. Saint
Benoît et son temps. (Bibl. chrétienne d'hist.), Paris 1950; engl.
Übers. v. G. J. Roettger u.d.T. St. Benedict and His Times, St. Louis
(Miss.): Herder, 1951 (Rezension: V. Sheppard, in: AER 106, 1952,
153f.); Regula Monasteriorum. (Commento), Alba 1945; Gli ultimi tempi
di un regimine. 2. Aufl. Mailand 1946; 1960; Peregrinazioni apostoliche,
ebd. 1949; Dove Ildebrando, il futuro Gregorio VII, professò la vita
monastica, in: La scuola catt. 78, 1950, 52-57; Quando terminava a
Roma il digiuno e la vigilia pasquale ai tempi di S. Gregorio Magno?,
in: ebd. 79, 1951, 450-453; D'un antichissimo inno pasquale [Eph.
5], in: ebd. 82, 1954, 42-44; Il libro della preghiera antica. Note
storico-ascetiche al messale ambrosiano. Bd. 1, Rom 1951; La vie monastique
dans la pensée de S. Benoît. Traduction de l'Italien par R. Gantoy.
(Coll. Tradition monastique), Paris 1953; Profilo storico del b(eato)
P. Riccardi, Mailand 1954; Sch. - Roncalli, Nel nome della Santità.
Lettere e documenti. A cura Elio Guerriero e Marco Roncalli. (Il Pozzo,
2a serie, 6), Cinisello Balsamo 1996 (S. 37-77: Epistolario; 79-133:
Documenti, u.a. der Elogio funebre Roncallis v. 2.9. 1954).
Lit.: Positio sulla causa del card. Sch., mindestens 2
Bde., im Archiv des Metropolitankapitels Mailand, 1957ff.; - Josef
Schmidlin, Papstgesch. der neuesten Zeit, Bd. 4, 1939; - Philibert
Schmitz, Hist. de l'ordre de saint Benoît, Bd. 1, Maredsous 1942;
Bd. 6, ebd. 1949; - (Nachruf in:) Civiltà Cattolica 105, 1954,
III 648ff.; - Il Cardinale I. Sch., Mailand 1954; - G. Judica
Cordiglia, Il mio Cardinale, ebd. 1955; - Bunte Illustrierte.
Sonderheft: Papst Pius XII. Die Wahl des neuen Papstes, Offenburg
1958, S. 23; - R. M. Diaz, Liturgica in memoriam Card. Ildefons
A. Sch., Montserrat 1956, 1-26 (mit Bibliogr.); - Scripta et documenti,
Bd. 7, ebd. 1956, 7f.; - Ecclesio Terraneo [1887-1972], La giornata
del Card. I. Sch. arcivescovo di Milano, Mailand 1959; ders., Il servo
di Dio card. I. Sch., arcivescovo di Milano, ebd. 1962. Dt. Übers.:
Sr. M. L. Pfitscher u. A. : Der Diener Gottes Kard. I. Sch., ebd.
1982 (Neuaufl.). Auch ins Engl. übers.; - B(enedikt?) Baur, Kard.
I. Sch., Mödling b. Wien, 1961; - Johann Staffler, Erinnerungen
an den Diener Gottes Kard. I. Sch., EB v. Mailand. Von seinem Großneffen
[mütterlicherseits] erzählt, o. O. (Deggendorf), o. J. (1962); -
G. Cerbelaud-Salagnac, Les Zouaves pontificaux, Paris 1963; -
T. Leccisotti, Il cardinale Sch., 2 Bde., Mailand 1969; - A. Gambasin,
Spiritualità e azione del laicato cattolico italiano. Studi per il
centenario dell'Azzione cattolica (1868-1968), 2 Bde., Padua 1969;
- Giorgio Rumi - Angelo Majo, Il card. Sch. e il suo tempo, Mailand
1976. 2., aktualisierte Aufl. 1996 (Lit.!): 7-71: G. Rumi, Chiesa
ambrosiana e fascismo; 73-116: Majo, 1939-1949: Un decennio difficile;
117-215: Appendice; - Gregorio Penco, Storia della chiesa in Italia.
Vol. II: Dal concilio di Trento ai nostri giorni, ebd. 1977; -
ders., Storia della chiesa in Italia nell'età contemporanea. Vol.
I: 1919-1945. Dalla crisi liberale alla democrazia, ebd. 1986; -
L. Ferrari, L'Azione Cattolica in Italia dalle origini al pontificato
di Paolo VI, Brescia 1982; - G. Rumi, Milano, una seconda Roma
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