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Band IX (1995)Spalten 1456-1458 Autor: Josef Wohlmuth

SERIPANDO GIROLAMO, * 1492 in Neapel, Angehöriger des Ordens der Augustinereremiten (OESA), bedeutender Theologe des 16. Jhs. In seiner Eigenschaft als Ordensgeneral nahm S. auf der ersten Periode des Konzils von Trient teil, als Kardinal und Päpstlicher Legat hatte er eine wichtige Stellung auf der dritten Periode dieses Konzils, während derer er am 17. März 1563 starb. Der Bonner Kirchenhistoriker Hubert Jedin hat dieser Gestalt eine umfangreiche Monographie gewidmet und die Bedeutung von S. auf den beiden Perioden des Trienter Konzils mehrmals gewürdigt. (Vgl. Kurzfassungen in: Geschichte des Konzils II 125 und LThK). Die wichtigsten biographischen Daten finden sich auch bei D. Gutiérrez, der u. a. S.s Tagebuch (Diarium) herausgab. - S. trat 1507 - zwei Jahre nach Martin Luther - in den Orden der Augustinereremiten ein. Nach seinem Studium in Neapel und Rom wirkte S. 1515 als »lector studii romani«. Darauf folgten weitere Studien und ab 1517 eine Lehrtätigkeit als Regens des Generalstudiums in Bologna, wo sich S. theologisch deutlich an Thomas v. A. und Aegidius von Rom orientierte. Nach seiner Rückkehr nach Neapel (1524) arbeitete S. vor allem an einem christlichen Platonismus, und nahm Kontakt auf zu humanistischen Strömungen in und um Neapel. 1538 wurde S. auf Wunsch Papst Pauls III. Generalvikar seines Ordens, ab 1539 Ordensgeneral. In dieser Eigenschaft wurde er ein eifriger Reformer. In der Auseinandersetzung mit dem italienischen Evangelismus, einer Reformbewegung mit ausdrücklicher Berufung auf das Evangelium, erhielten S.s Theologie und Spiritualität neue Akzente, die sich mit dem Geist des Ordensvaters Augustinus gut verbinden ließen. Als Ordensgeneral und als Berater des Päpstlichen Legaten Marcello Cervini übte S. bereits auf der ersten Periode des Konzils von Trient (1545-1547/48) einen großen theologischen Einfluß aus, auch wenn er sein augustinisches Verständnis von Konkupiszenz, Rechtfertigung und Glaube nicht im gewünschten Maße bis in die Endredaktion des Rechtfertigungsdekretes durchsetzen konnte. (Vgl. Jedin, Geschichte des Konzils II 201-37; 485-93) Auf Grund seiner augustinischen Prägung wurde wiederholt der Verdacht laut, S. stehe zu nahe bei Luther. An der zweiten Konzilsperiode nahm S. nicht teil. 1551 trat er aus gesundheitlichen Gründen vom Generalat zurück. Darauf widmete er sich erneut dem Studium und kam 1553 in seiner Eigenschaft als Gesandter Neapels nach Brüssel. Aber schon ein Jahr später wurde er zum Erzbischof von Salerno ernannt. Hier verwirklichte er bereits das Trienter Reformideal, indem er seine bischöfliche Residenzpflicht einschließlich der Leitungs- und Verkündigungsaufgabe ernst nahm. Von Pius IV. 1561 zum Kardinal ernannt und für die dritte Konzilsperiode (1562-63) als Legat nach Trient entsandt, war er dort, ähnlich wie zu Konzilsbeginn, vor allem für die dogmatischen Weichenstellungen verantwortlich. In der Auseinandersetzung um die bischöfliche Residenzpflicht »iure divino«, bei der auch das Verhältnis von Papsttum und Bischofsamt zur Debatte stand und an der das Konzil im Winter 1562/63 beinahe zerbrochen wäre, gelang es S. nicht, zwischen Episkopalisten und Kurialisten zu vermitteln. Auf dem Höhepunkt der Konzilskrise starb er am 17. März 1563 an Lungenentzündung, nachdem erst zwei Wochen zuvor der Mitlegat und Freund S.s., Kardinal Gonzaga, gestorben war. In einer ergreifenden Abschiedsrede erwies sich S. noch einmal als ein Mensch, der dem Grundanliegen der Reformation gnadentheologisch nahestand, ohne an seiner Treue zur alten Kirche den geringsten Zweifel aufkommen zu lassen. (Vgl. Jedin IV 267 f.) S. gehört deshalb zu den Gestalten, deren Bedeutung auch für die heutige innerchristliche Ökumene nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Werke: Commentarius in ep. Pauli ad Galatas (1567 und 1569, zus. mit Comment. in ep. ad Romanos (1601); Doctrina orandi sive expositio orationis Dominicae (1661); Prediche sopra il simbolo degli Apostoli (1567, 1585 und 1856); Diarium de vita sua 1513-1562, ed. D. Gutiérrez, in: AAug 26 (1963) 5-193; Zahlreiche Einzelbeiträge, Traktate und Aktenstücke in: Concilium Tridentinum; De iustitia et libertate christiana, ed. A. Forster (1965); Handschriftlicher Nachlaß in der Bibl. Nazionale Neapel, z. T. ausgewertet bei H. Jedin, Girolamo Seripando II 335-656.

Lit.: Hubert Jedin, Girolamo Seripando. 2 Bde. 1937; - David Gutiérrez, Patres ac Theologi augustiniani qui Concilio Tridentino interfuerunt. In: AAug 21 (1948) 55-177 (= Ed. e Typographia Polyglotta Vaticana 1951); - Hubert Jedin, Geschichte des Konzils von Trient. IV Bde. 1950-75; - Anselm Forster, Gesetz und Evangelium bei Girolamo Seripando. Konfessionskundl. u. kontroverstheol. Studien 6. 1963; - Alfredo Marranzini, Dibattito Lutero-Seripando su »Giustizia e libertà del christiano«. 1981; - M. Abbondanza Rocchina, Girolamo Seripando tra evangelismo e riforma cattolica. 1981; - David Gutiérrez, De nuevo en defensa de Seripando. In: Ciudad de Dios 197 (1984) 47-64; - Ders., Il Carteggio tra Girolamo Seripando e Guglielmo Sirleto. In: AAug 48 (1985) 113-168, AAug 49 (1986) 7-64; - Klaus Ganzer, Girolamo Seripando OESA (1492-1563). In: E. Iserloh, Hrsg., Katholische Reformatoren der Reformationszeit. Bd. 2. 1985, 115-123; - Hubert Jedin, Seripando, Girolamo. In: LThK IX (1964) 689 f.

Josef Wohlmuth

Werkeergänzung:

1986

Il carteggio tra Girolamo Seripando e Guglielmo Sirleto. A cura di David Gutiérrez, in: AnAug 48.1985, S. 113-168;- Forts. in: Dass. 49.1986, S. 5-64;

1999

Tra evangelismo e riforma cattolica. Le prediche sul Paternoster di G.S. [A cura di] Rocchina Maria Abbondanza Blasi. Introd. di Gabriele De Rosa. Roma 1999.

Literaturergänzung:

1993

Francesco C. Cesareo, Patristic and humanistic themes in the sermons of G.S., in: AnAug 56.1993, S. 265-278;-

1998

Francesco C. Cesareo, The reform of the diocese of Salerno during the episcopacy of G.S., in: Dass. 61.1998, S. 97-124; -

2002

Michele Cassese, Girolamo Seripando e i Vescovi Meridionali 1535-1563: I: Saggio storico e profilo dei corrispondenti; II: La corrispondenza, Edizione critica (Richerche Storiche). Napoli 2002; -

2006

Maria Anna Noto, G.S. e la Chiesa del suo tempo, in: RSSR 2006, Nr. 69, S. 249-259; -

2007

Michele Cassese, G.S. e la sua teologia nei "Discorsi" salernitani, in: RSLR 43.2007, S. 173-201; - Michele Cassese, « Leggere e meditare la Sacra Scrittura per imparare da Dio ». Annuncio della Parola di Dio e Bibbia nel card. Girolamo Seripando (1493-1563), in Ecumenismo come conversione, Omaggio a Tecle Vetrali, a cura di Placido Sgroi e Roberto Giraldo, (Quaderni di Studi Ecumenici 15), Venezia, I.S.E. “S. Bernardino”, 2007, pp. 391-417; -

2008

Anna DelleFoglie, Nuove ricerche sulla Biblioteca di San Giovanni a Carbonara a Napoli e sul mecenatismo di G.S., in: AnAug 71.2008, S. 185-202.

Letzte Änderung: 24.01.2009