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Band IX (1995)Spalten 1573-1574 Autor: Johannes Madey

SFONDRATI, Francesco, * 26. Oktober 1493 in Cremona, + 13. Juni 1550 ebd. - Nach seiner Promotion in Rechtswissenschaft war F. S. ein hochangesehener Rechtsprofessor an den Universitäten von Padua, Pavia, Bologna, Rom und Turin. Kaiser Karl V., der ihn sehr schätze, machte ihn am 23. Oktober 1537 zum Grafen von Riviera di Lecco. Nach dem Tode seiner Gattin Anna Visconti (+ 20. November 1538) - aus der Ehe stammten Niccolò, der als Papst Gregor XIV (1590-1591) in die Geschichte einging, und Paolo, der Sigismonda d'Este heiratete und die Familientradition fortsetzte - trat er in den geistlichen Stand ein. Papst Paul III. berief ihn zum Referendar an die Apostolische Signatur nach Rom und ernannte ihn am12. Oktober 1542 zum Bischof von Sarno. Schon zwei Jahre später, am 27. Oktober 1544, wurde er Erzbischof von Amalfi. Schon im November 1543 wurde S. als Nuntius zu Kaiser Karl V. geschickt, um einen Frieden mit Frankreich in die Wege zu leiten und so den Weg für das Konzil von Trient und die Sicherheit in Europa zu ebnen. Im Jahre 1544 wurde er auch in den Kardinalsrang erhoben. Darauf kehrte er wieder an die römische Kurie zurück, wo er zu einem der großen Förderer der Kirchenreform wurde. Auch wurde er Mitglied der Inquisition. 1547 begab er sich wiederum als Legat zum Kaiser. Zur Verhandlung standen die Probleme, denen England sich nach dem Tode Heinrichs VIII. gegenüber sah, ferner die komplizierte Lage nach dem Tode des Pier Luigi Farnese sowie das Augsburger Interim, das die Beziehungen zu den Protestanten in Deutschland regeln sollte und in den Augen der Kurie die Rechte der katholischen Kirche zu schmälern schien, letztlich aber beide Seiten nicht zufriedenstellen konnte. Der Kardinal, der bereits am 23. März 1547 zum Bischof von Capaccio ernannte worden war, verließ im Juni 1548 Deutschland. Er behielt sein Bistum bis zur Ernennung zum Erzbischof von Cremona am 9. November 1549. Nach dem Tode Papst Pauls III. war er im Konklave der Kandidat des Kaisers; gewählt wurde jedoch Giovanni Maria Ciocchi del Monte, der den Papstnamen Julius III. annahm (1550-1555).

Lit.: A. Ciacconius, Vitae et res gestae, Romanorum et S.R.E. Cardinalium, Rom 1677, III, 700 ff.; - F. Argelati, Bibliotheca Scriptorum Mediolanensium, Bd. III, Mailand 1748 - Preußisches historisches Institut in Rom (Hrsg.), Nuntiaturberichte aus Deutschland, Abt. I (1534-59), Gotha 1892 ff., X, p. XXI ff.; P. Premoli, Storia dei Barnabiti, Rom 1912, 406 und passim; - C. Capasso, Paolo III, Messina 1923, 614 ff.; - Pastor V, 471 und passim; - ECatt XI, 471 f.; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C., 1979, 3279.

Johannes Madey

Letzte Änderung: 15.03.1999