Verlag Traugott Bautz |
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STAPLETON, Thomas, hervorragender Kontroverstheologe, * Juli 1535 in Menfield/Sussex (England), † 12. Oktober in Löwen. Studierte in Canterbury, Winchester und Oxford, empfing 1558 die Priesterweihe und wurde Domherr in Chicheser, nachdem er schon am 2. Dezember 1556 am New College in Oxford Magister der freien Künste geworden war. Seit 1559 weilte er zum Studium in Löwen und Paris, wo er sich vor allem der Ausbildung in der griechischen Sprache widmete. Anschließend machte er eine Wallfahrt nach Rom, kehrte dann in die Heimat nach England zurück, verweigerte jedoch den Suprematseid, bekam von Bischof Barlow von Chichester deshalb seine Pfründe aberkannt und verließ 1563 England für immer. Von 1563 bis 1569 studierte und wirkte er in Löwen. Er verteidigte den vom anglikanischen Bischof Horne angegriffenen Abt Johannes von Feckenkam und den Theologen Thomas von Harding gegen Bischof Jewel von Winchester. Außerdem lieferte er eine Zusammenstellung der Widersprüche zwischen den Schriften der Hauptreformatoren. 1569 rief ihn Wilhelm Allen an das erste englische Seminar in Douai. Daselbst wie in den benachbarten Benediktinerabteien Marchiennes und Anchiru hielt er theologische Vorlesungen, erwarb die Licentiatenwürde in Theologie, erlangte anschließend den Doktorgrad und wurde am 16. Juli 1571 zum Professor der Kontroversen und Stiftsherrn von St. Amé ernannt. Vorzüglich hielt er Vorlesungen über die damaligen Controverslehren. Daraus erwuchsen zahlreiche bedeutsame Schriften. Im November 1576 ging er ein zweites Mal nach Rom, wo er mit den gelehrten Kardinälen Stanislaus Hosius († 1579) und Guglielmo Sirleto († 1585) zusammentraf. 1579 trat er in das Noviziat der Jesuiten in Löwen ein, verließ es wegen geschwächter Gesundheit wieder und nahm seine Tätigkeit in Donai wieder auf. Dort hatte man dem Beispiel der Löwener Theologischen Fakultät folgend 34 Sätze des Jesuiten Leonhard Lessius († 1623) verurteilt. Dagegen protestierte Stapleton und setzte sich für den Jesuiten ein. Den sich ergebenden Querelen entzog er sich, indem er eine von Philipp II. von Spanien ergehende Bemerkung annahm. Dieser ernannte ihn am 13. Juli 1590 zum Professor der Heiligen Schrift an der Universität Löwen und zum Canonisten an St. Peter. 1595 bekleidete er das Amt des Rektors der Universität Löwen. 1596 wurde ihm von Papst Clemens VIII., durch dessen Neffe Pietro Kardinal Aldobrandini, ein Lehrstuhl an der römischen Universität angeboten. Er lehnte ab, nahm jedoch die Ernennung zum Apostolischen Protonotar an, konnte aber selber nicht mehr nach Rom reisen. Er starb am 12. Oktober 1598 in Löwen. Die Kontroverstheologie Stapletons fand durch Döllinger und Scheeben (19. Jahrh.) hohe Anerkennung; weniger hoch wird sie im 20. Jahrhundert eingeschätzt (z. B. durch Schlagenhaufen und Tavard). Angeregt wurde Stapleton von Augustinus und besonders von Hosius und Cano. Beeinflußt hat er selber die Erkenntnislehre von M.J. Scheeben. ... und kann Gregor von Valencia und Robert Bellarmin ebenbürtig angesehen werden. Die Behandlung des protestantischen und katholischen Formalprinzips ist unstreitig aber bedeutsam. Er widmete sich vor allem auch der positiven Begründung der kirchlichen Lehrautorität.
Lit.: Scheeben I nn. 1087f.; - DNB 54, 101-104; - B nat Belg XXIII 615-623; - Dict. Engl Cath V, 526-529; - Pastor XI 802 (Reg.); - P. Polman L' élément historique dans la controverse religieuse du XVIe siècle. Th. F. Knox, Records of the englisch catholics under the penal laws (Lo 1878-1882, 2 vols); - A. Bellesheim, Wilhelm Cardinal Allen, Mainz 1885; - G. Cardon, La fondation de lé université de Dunai (P 1892); - K. Hurter, Nomencl. Lit. I, 2 ed. 58squ; - G. Thils, Les notes l' église dans apologetique catholique depuis la Réformc (Gambloux 1937) Reg.; - DThC XIV 2566f. XV 1523; - R.W. Chambers, Thomas More (Mu 1946) 42-48; - L. Hofmann, Das rechtl. Verhältnis der Häretiker z. Kirche in der kath. Kontroverstheologie der Reformationszeit (Diss.masch. R. 1953); - Ecatt XI 1205; - W. Bartz, Die lehrende Kirche (Trier 1959) Reg.; - G. Taiard, voly writ or Holy Church (Lo 1959) 230-234; - H. Schützeichel, der Kirchenbegriff bei Th. S. (Diss. masch. Trier 1961 (mit Biographie); - ders. Wesen und Gegenstand der kirchl. Lehrautorität nach Th. S. (Diss. masch. Trier 1964 und Trier 1966); - M.R. O' Connel. Th. S. and the Counter Reformation (Lo 1964). Der große Herder, Fr5 1952-62, Bd. 8, Sp. 1061; - LThK2 1957/1968, Bd. 8, Sp. 1019f.; - Härle W., Wagner H. (Hrsg.) Theologenlexikon, Mü 19942, 254, Wetzer/Welte, (Gembloux 1932) Reg.; - Kirchen-Lexikon Bd. 11, 734ff.
Karl Mühlek
Literaturergänzung:
2009
William J. Sheils, Polemic as piety. Thomas Stapleton's "Tres Thomae" and Catholic controversy in the 1580s, in: JEH 60.2009, S. 74-94; -
2010
Wim Francois, T.S. (1535-1598). La caída de Adán y sus consecuencias para la posteridad. Exégesis agustiniana o criptojesuita?, in: Augustinus 55.2010, S. 129-140.
Letzte Änderung: 09.04.2011