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Band XIX (2001)Spalten 1337-1339 Autor: Ekkart Sauser

STEIN, Rosa, Adelheid: Schwester der hl. Edith Stein, geb. 1883 in Breslau, † 9.8. 1942 in Auschwitz. St. war unverheiratet und besaß keine höhere Schulbildung. Als Erwachsene besuchte sie zahlreiche Angebote der Volkshochschule in Breslau. Nach Auskunft ihrer engsten Verwandten hatte sie sehr strenge Ansichten von Recht und Unrecht und war gerade in den Jahren der großen Wirtschaftskrise in Deutschland und anderswo eine stille und nachhaltige Helferin der Armen und Bettler. Auch zum Tode Verurteilte, die im Gefängnis einsaßen, besuchte sie. Sie führte auch den Haushalt ihrer Mutter, besaß aber, im Vergleich zu den anderen Familienmitgliedern, nur wenig Humor. Sie nahm das Leben sehr ernst, manchmal war sie auch von einer verneinenden Haltung erfüllt. Einer ihrer Verwandten gab über sie zu Papier: »Für Tante Rosa ... schien das ihr eigentliches Element zu sein: Für sie gab es nur Pflichten, ein ewiges Sollen, oder noch öfter Nicht-Sollen... Es genügt mir im Rückblick festzustellen, dass Tante Rosa in der Zeit, in der ich sie kannte, kein glücklicher Mensch war und dass es, aus meiner Sicht, an plausiblen Ursachen dafür nicht gefehlt hat. Sie war, was ihrem Temperament gar nicht entsprach, das Aschenbrödel, das zu Hause schuftete, während ihre Geschwister, wenn auch nicht gerade auf dem Ball tanzten, doch draußen in der Welt mehr oder minder geachtete Berufe ausübten und, bzw. oder, eigenen Familien vorstanden.« (In: S. M. Batzdorff: Edith Stein - meine Tante, das jüdische Erbe einer katholischen Heiligen, Würzburg 2000 S. 134). - St. war, wie ihre Schwester Edith, auf dem Weg, zum katholischen Glauben zu konvertieren, verschob diesen Schritt aber bis nach dem Tode ihrer Mutter. Aber schon vor ihrer Taufe besuchte sie offenkundig die Messe und betete den Rosenkranz, dies tat sie aber alles »sehr diskret«. (S. M. Batzdorff). In der Zeit der beginnenden Judenverfolgungen in Deutschland verdingte sich St. als Haushälterin bei einer Frau in Belgien, die sich mit dem Gedanken trug, ein Kloster für Karmelitinnen des Dritten Ordens zu gründen. Edith Stein hatte diesen Gang nach Belgien wohl vermittelt. Leider entpuppte sich diese Frau, zu der Rosa Stein als Hilfe gehen wollte und auch ging als eine glatte Betrügerin, die St. nur nach Belgien gelockt hatte, um in den Besitz ihres Eigentums zu kommen. Durch Vermittlung wiederum von Edith gelang es Rosa, aus diesem Arbeitsverhältnis zu entkommen. Sie ging am 1. Juli 1939 nach Echt, in das Kloster, wo bereits ihre Schwester Edith lebte. Nun übernahm Rosa im Kloster zu Echt das Amt als Laienpförtnerin. Sie war in der ganzen Stadt beliebt. Edith Stein hätte für sich allein Asyl in der Schweiz bekommen können. Doch sie weigerte sich, allein, ohne ihre Schwester Rosa in die Schweiz zu gehen. - So gingen beide zusammen nach Auschwitz. Dort starben sie wohl zusammen am selben Tag und zur selben Stunde in der Gaskammer. - Rosa stand immer im Schatten ihrer Schwester Edith, besonders, seitdem Edith selig- bzw. heiliggesprochen wurde.

Lit.: S. M. Batzdorff: Edith Stein - meine Tante. Das jüdische Erbe einer katholischen Heiligen, Würzburg 2000, 132-158; - Biberstein, Ernst, Ludwig: Erinnerungen an Tante Rosa. Unveröffentlichter Aufsatz, zitiert in: M. Batzdorff: Edith Stein - meine Tante. 196.

Ekkart Sauser

Textanmerkungen:

Rosa Stein ist nicht in Breslau geboren, sonder in Lublinitz in Oberschlesien. Siehe http://www.koelner-maertyrer.de/rosa_stein.html.

Letzte Änderung: 28.04.2005