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Band X (1995)Spalten 1374-1376 Autor: Johannes Madey

STEPHAN HARDING, * unbekannt, † 28. März 1134 in Cîteaux. Seine Eltern, die zu einer alten Familie in der Grafschaft Dorset gehörten, vertrauten S. im Alter von 17 oder 18 Jahren der Abtei Sherborne in Dorsetshire als Oblaten an. Dort sollte er eine standesgemäße Erziehung erhalten. Nach der normannischen Eroberung floh er zunächst nach Schottland. Er studierte eine Zeitlang in Lismore/Irland; von dort begab er sich zu Weiterstudien nach Paris. Auf dem Rückweg von einer Pilgerfahrt nach Rom machte er Station in der Abtei Molesme. Der dortige Abt, St. Robert, beeindruckte ihn derart, daß er den Entschluß faßte, dort Mönch zu werden. Im Jahre 1098 gehörte er zu jenen 20 Mönchen, die Erzbischof Hugo von Lyon auswählte, um eine Neugründung in Cîteaux zu verwirklichen. In dieser sollte die Benediktus-Regel strenger befolgt werden. Als Abt Robert im darauffolgenden Jahr auf Geheiß des päpstlichen Legaten (die Bischöfe und Äbte der Provinz hatten dazu ihre Zustimmung erteilt) wieder nach Molesme zurückkehren mußte, wurde Aubry Abt und S. als Prior dessen Stellvertreter. Im Jahre 1109 wurde er als Nachfolger Aubrys der dritte Abt von Cîteaux. Die Anfangszeit war dort sehr hart, weil die strenge Zucht auf die jugendlichen Bewerber nicht gerade anziehend wirkte. Dies änderte sich erst, als im Jahre 1142 Bernard de Fontaines (= St. Bernhard der Große) mit etwa 30 seiner Verwandten und Freunde um Aufnahme in die Abtei baten. Von dieser Zeit an breitete sich der Orden von Cîteaux [Zisterzienserorden] aus, zunächst nach La Ferté-sur-Grosne, Pontigny, Morimond und Trois Fontaines. Beim Tode S.s im Jahre 1134 gab es bereits 75 Zisterzienserabteien. S. legte großen Wert auf die strenge Beobachtung der Ordensregel. Er war jedem Reichtum und Luxus abhold und untersagte dem Herzog von Burgund, in der Abtei Hof zu halten. Auf ihn geht auch die Nüchternheit der Inneneinrichtung zisterziensischer Klosterkirchen zurück. Die Mönche waren verpflichtet zu intellektueller und körperlicher Arbeit. Ihm wird die älteste Geschichte des Ordens, das »Exordium Cisterciensis Coenobii«, das die Anfänge und die frühen Bräuche der Zisterzienser beschreibt, zugeschrieben. Um die ursprüngliche Strenge und die einheitliche Leitung des Ordens zu bewahren, verfaßte er die »Carta Caritatis«, welche die gegenseitigen Beziehungen zwischen den Zisterzienserabteien regelt. Er führte das System der regelmäßigen Visitationen der Klöster und der Generalkapitel des Ordens ein. Neben seinem Organisationstalent war S. auch ein Bibelgelehrter. Für den Gebrauch in Cîteaux hat er den Text der lateinischen Vulgata revidiert und wo notwendig berichtigt. Als Heiliger verehrt [es steht nicht fest, ob er jemals kanonisiert worden ist; manche geben das Jahr 1623 als Jahr der Heiligsprechung an], war sein Festtag ursprünglich am 17. April; seit 1683 wird seiner im Orden am 16. Juli gedacht.

Werke: J. P. Migne, PL CLXVI, 1361-1510; Ph. Guignard (Hrsg.), Les Monuments primitifs de la règle cistercienne (= Analecta Divionensia, X), Dijon 1878, 59-75 (Exordium) und 77-84 (Carta Caritatis).

Lit.: Acta Sanctorum Aprilis II, Paris 1865, 493-498; - J.-P.-P. Martin, St-Étienne H. et les premiers recenseurs de la Vulgate latine, in: Revue des sciences ecclésiastiques 4 (1886), 511-561; 5 (1887), 5-44. 97-115 und 213-238 [auszugsweise Paris 1887]; - E. Vacandard, Vie de St-Bernard, Paris 1895, I, 38 f. und 94; - Dom Othon, Les origines cisterciennes, in: Revue Mabillon 22 (1932) und 23 (1933); - Collectanea Ordinis Cisterciensium Reformatorum 1 (Rom-Westmalle 1934), 57 ff.; - L. Laurent, Le problème des commencements de Cîteaux, in: Annales de Bourgogne 6 (1934), 213-219; - A. Lang, in: Cistercienser-Chronik, 51 (Mehrerau 1939), 247 ff.; -Martyrologium Romanum ad formam editionis typicae, scholiis historicis instructum, in: Propylaeum ad Acta SS. Decembris, Brüssel 1940, 112; - J. B. Mahn, L'ordre cistercien et son gouvernement, des origines au milieu du XIIIe siècle, Paris 1945; - G. de Beaufort, La charte de charité cistercienne, in: Revue d'Histoire Ecclésiastique 49 (Löwen 1954), 391-433; - J. A. Lefèvre, Que savons-nous du Cîteaux primitif, in: ebd. 51 (1956), 5-41; - A. Butler, The Lives of the Saints, hrsg. von H. Thurston und D. Attwater, New York 1956, II, 114-116; - F. L. Cross (Hrsg.), The Oxford Dictionary of the Christian Church, Oxford-New York-Toronto 1958, 190 f.; - L. Lekai-A. Schneider, Geschichte und Wirken der weißen Mönche, Köln 1958, 357; - J. de la Croix Bouton, Histoire de l'Ordre de Cîteaux, Westmalle 1959, 73 ff.; C. Oursel, Miniatures Cisterciennes (1109-1134), Mâcon 1960; - Cistercienser-Chronik 68 (1961), 94; - J. Marilier, Chartes et Documents ... de Cîteaux, Rom 1961, 223; - J. B. van Damme, Formation de la constitution cistercienne, in: Studia Monastica 4 (Montserrat 1962), 111-137; - C. Oursel, S. Étienne H., Dijon 1962; M. A. Dimier, in: Bibliotheca Sanctorum, Rom 1961-1969, XI, 1398-1402; - Dictionnaire d'Histoire et de Géographie ecclésiastiques XV, 1226-1234; - Dictionnaire de Spiritualité ascétique et mystique IV, 1489-1493; - ECatt XI, 1313 f.; - LThK 2IX, 1044; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D. C., 1979, 3389.

Johannes Madey

Ein weiterer Beitrag über Stephan Harding

Letzte Änderung: 02.07.2005