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Band X (1995)Spalten 1417-1419 Autor: Ekkart Sauser

STEPHANY, Erich, Prälat, Domkapitular em. von Aachen, Dr. Ing. h.c., - Prof., * 5.7. 1910 in Aachen, + 30.1. 1990 in Aachen. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Aachen studierte er von 1929-1933 Philosophie und Theologie wie Kunstgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität zu Bonn. Von großer Bedeutung für seine spätere Tätigkeit als Kunsthistoriker waren in Bonn die akademischen Lehrer Wilhelm Neuß und Paul Clemen. Der Fundamentaltheologe Arnold Rademacher wurde während seiner Bonner Zeit zum verehrten Vorbild als Priester und Gelehrter. Am 16.3. 1935 zum Priester geweiht, war er Kaplan zunächst an St. Franziskus in Rheydt, dann ab 1939 an St. Foillan zu Aachen. 1942 Kaplan an St. Paul zu Aachen, 1943 Domvikar am Dom. Bereits damals ernannte ihn der bedeutsame Aachener Bischof Johannes Joseph van der Velden zum Domkustos. Und es stimmt, wenn Herbert Lepper im Hinblick darauf feststellt: »Der Dom, seine Heiligtümer und seine Schatzkammer wurden und blieben bis zu seinem Tode zentraler Mittelpunkt seines Lebens, Denkens und Wirkens. Mit einer geistigen Intensität, welche die Fachwelt schon früh staunen ließ, versenkte sich E. Stephany in die Geschichte und in den Geist dieser einzigartigen Zeugnisse abendländischer Überlieferung. Als Augenmensch, der er war, sah er vieles, was der Forschung bisher verborgen geblieben war. Er erkannte Zusammenhänge, die nur eine geistige Persönlichkeit seines Formates zu erkennen vermochte. »In seinen Veröffentlichungen, Vorträgen, Exkursionen und Einzelgesprächen im Fachkreis »schüttete er über die Jahrzehnte das Füllhorn seines stupenden Wissens und seiner Erfahrungen verschwenderisch aus. Es entstanden so Freundschaften und Verbindungen, die E. Stephanys Namen in ganz Europa bekannt machten und bis zuletzt trugen.« (H. Lepper). Der Höhepunkt im Leben St. war sicher die Eröffnung der »neuen Schatzkammer« anläßlich der Heiligtumsfahrt 1979. Bereits am 27. April 1946 war St. in Aachen mit einem bedeutsamen Vortrag vor die Öffentlichkeit getreten: »Vom Aachener Domschatz. Innere Gesetzmäßigkeit und äußeres Stilgefühl.« Wie ein roter Faden durchzog »Der Domschatz« sein ganzes Leben. Intensiv war St. auch interessiert am Schaffen moderner Künstler. So nahm er regelmäßig am Aschermittwochstreffen der Künstler in S. Gereon und S. Pantaleon zu Köln teil. Am 6. Juni 1965 verlieh ihm die Technische Hochschule zu Aachen auf Antrag der Fakultät für Bauwesen die Würde eines Doktors der Ingenieurwissenschaften Ehren halber - es ist für St. bezeichnend, daß er gerade diese Auszeichnung sehr zu schätzen wußte. - Zu Recht hat es St. im Innersten seines Herzens zeit seines Lebens geschmerzt, daß er weder von der vorgesetzten kirchlichen Behörde, noch von der Universität in Bonn in der Ausbildung der Theologen auf dem Felde der Kunstgeschichte herangezogen wurde. Gerade seine herzliche Art, die Dinge vorzustellen und nahe zu bringen, wäre eine sehr wichtige Ergänzung gewesen zum sonst oft so sterilen akademischen »Lehrbetrieb«. - Dem Aachener Geschichtsverein war St. zuinnerst verbunden. 1972 wurde er dessen Vorsitzender. Als solcher führte St. die sog. »Geschichtlichen Gedenkstunden« im Krönungsfestsaal des Aachener Rathauses ein. Die erste dieser Veranstaltungen fand am 24. Oktober 1973 statt. Sie stand unter dem Thema »Zu Aachen im altertümlichen Saale«. Dabei wurde erinnert an die Krönung Rudolfs von Habsburg am 24. Oktober 1273 in Aachen. Für St. als Priester, Mensch und Gelehrter waren Himmel und Erde gleichsam eins. Es war ihm ein Herzensbedürfnis, die »Herrlichkeit« menschlicher Kultur den Menschen, vorab den Priestern ans Herz zu legen. Begeistert von dem Werke »Herrlichkeit« von Urs v. Balthasar wollte er immer nur den verschiedenen »Herrlichkeiten« dienen und auf sie aufmerksam machen, Herrlichkeiten in Kirche und in Welt. Fassungslos stand er oft vor den vielen Barbarismen kirchlichen Lebens in den Zeiten nach 1965. Er konnte, mit Recht , einfach nicht verstehen, wie man so mit der Tradition »umspringen« konnte. Er war ein kirchlicher Humanist durch und durch, glühend vor stiller, oft schalkiger Begeisterung für die Tradition, vor allem für die von Aachen. Dies wurde alljährlich besonders deutlich am Karlsfest, Ende Januar jeden Jahres. Da ging sein Gemüt auf wie sonst nie, da liebte er diese Stadt inmitten seiner Gäste ganz besonders. Die Sicherung und Konservierung der beiden großen Schreine, des »Karls-« und des Marien-Schreines, erfüllten weite Stücke seines Lebens. Als am 30. Oktober 1988 die feierliche »Translatio« des Karlscheines an seinen alten Platz stattfand, da erfüllte ihn dies mit großer Genugtuung. Gerühmt wird seine geradezu kindliche Liebe zu einzelnen Kunstwerken im Aachener Dom, so vor allem zu der spätgotischen Marienstatue, genannt »die Kaiserin von Aachen« im Oktogon des Münsters. Zu den verschiedenen liturgischen Zeiten bekleidete St. höchstpersönlich diese Statue, was schmunzelnd-ehrerbietig in Aachen kommentiert wurde.

Werke: Der Dom zu Aachen, Mönchengladbach 1958, Der Karlsschrein, in der Reihe: »Kleine Bücher Rheinischer Kunst« 1965; Aachen, in der Reihe: »Deutsche Lande-deutsche Kunst« 1974; Artikel »Aachen« im Lexikon für Marienkunde, 1957, Der Marienschrein im Aachener Dom, ein Zeugnis für die Marienverehrung im hohen Mittelalter, in: L. Küppers (Hrsg.), Die Gottesmutter I, 1974, 101-112; Iherusalem celica. Festschrift für St., Köln-Siegburg 1986; Grimml, Ernst, Der Aachener Domschatz, Einführung von E. St., Düsseldorf 1972 (Aachener Kunstblätter Bd. 42); Busch, Harald, Wunderwelt der Schreine, Einleitung von E. St., Frankfurt a.M. 1959.

Lit.: H. Lepper, Erich Stephany, 1910-1990, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. 97, 1991, 407-412.

Ekkart Sauser

Literaturergänzung:

Clemens Bayer (Hrsg.), Celica Iherusalem - Festschrift für Erich Stephany (Veröffentlichung des Vereins für Christliche Kunst im Erzbistum Köln u. Bistum Aachen). Köln-Siegburg 1986 (mit Bibliogr. E. Stephany).

Letzte Änderung: 22.02.2003