STRAUB, Johann Baptist, * 25. Juni 1704 in Wiesensteig
(Schwäbische Alb) als Sohn des Johann Georg St., Bildhauer und Maler
und dessen Ehefrau Anna Maria, geb. Baumeister, + 15. Juli 1784
in München. - St. lernte zunächst beim Vater (1718-1722) das Bildhauerhandwerk,
bildete sich von 1722-1726 weiter beim Münchener Hofbildhauer Gabriel
Luidl, erste selbständige dekorative Arbeiten entstehen unter Joseph
Effner an der Münchener Residenz (1726/27). Weitere Lernjahre verbrachte
er in Wien bei Ignaz Gunst, als Gehilfe bei Christoph Mader arbeitete
er an der Ausgestaltung des Oberen Belvedere mit, weiter kommt es
in Wien zum Kontakt mit Galli Bibienna und Joseph Emanuel Fischer
von Erlach. Der sein ganzes Künstlerleben beeinflussendste Meister
war Raphael Donner, Schöpfer des Wiener Stils. Von 1730 bis 1733 schafft
St. für die Schwarzspanierkirche in Wien seine ersten größeren Werke:
Madonna, Kanzel, Kirchenbänke, Orgelbekrönung, mehrere Figuren und
Verzierungen. Auf Einladung des kurfürstlichen Hofbildhauers Andreas
Faistenberger kehrte St. 1734 nach München zurück, wo er am 7.6. 1737
zum kurfürstlichen Hofbildhauer ernannt wurde. Vier Monate darauf
heiratete er Maria Theresia Elisabeth Späth, Tochter des Hofkupferstechers
Fr. X. Späth, einer der Trauzeugen war Johann Michael Fischer. Seit
1739 kann man eine außerordentlich schaffensfreudige und erfolgreiche
Arbeitsphase St.'s bis etwa 1776 konstatieren. Aus der Ehe mit Maria
Th. Späth (+ 29.2. 1748) gingen vier Kinder hervor, die bis
auf Johann B. (+ 24.4. 1753), alle im ersten Lebensjahr verstarben.
Am 30.9. 1749 schloß St. seine zweite Ehe mit Maria Elisabeth Schluttenhoven
(+ 1774), die acht Kinder gebar, von denen zwei Töchter das
18. Jahrhundert überlebten. Als Schüler bzw. Werkstattgehilfen sind
nachweisbar: Ignaz Günther, Christian Jorhan, Franz X. Messerschmid,
Franz Anton Bustelli, Franz X. Nissl, Roman Anton Boos (Schwiegersohn
und Hauserbe St.'s), Joseph Weinmüller, Joseph Streiter, Joseph Götsch
und Dominicus Auliczek, stark beeinflußt von der Straubschule ist
auch Franz X. Schmädl. Wie die Werkliste zeigt, ist Straub neben Wien
fast ausschließlich in Bayern tätig. Von 1740-1765 war St.'s Stellung
in München führend. Ab 1776 ist der Meister so gebrechlich, daß er
manuelle Arbeiten selbst nicht mehr durchführen konnte, was auch zu
materieller Not führte. St. verstarb am 15. Juli 1784 in München und
wurde am gleichen Tag auf dem dortigen Südfriedhof bestattet. Für
St., der in der Plastik des bayerischen 18. Jahrhunderts mit Günther
und Jorhan das große »Dreigestirn« (S. Benker) bildete, war der Wiener
Stil mit seiner Eleganz maßgebend. St.'s Werke gliedern sich im sakralen
Bereich in die Schaffung von Haupt- und Nebenaltären, mit Tabernakeln,
der Figuralplastik, Orgelprospekten, Beichtstühlen, Chorgestühlen
und zahlreichen Grabmälern; im profanen Bereich in Statuen, etwa die
Figuren im Törringpalais und im Nymphenburger Park. Nachhaltige Anregungen
vermitteln St. u.a. Egid Quirin Asam, Johann Michael Fischer und François
Cuvilliès. Nach dem Aufbau der eigenen Werkstatt (1737) mehren sich
die Aufträge. Zu den wesentlichsten Ausstattungen gehören Dießen (1739 f.),
Fürstenzell (1741-1743), Andechs (1755), Schäftlarn (1755-1764), Ettal
(1756-1765), Berg am Laim (1758-1767), Altomünster (1741-1765) und
Polling (1763 f.). Hoch- wie Seitenaltäre gelten dabei als sehr
phantasievoll, oft konstruiert als architekturlose Drapierierahmung
mit einer reliefartigen Heiligenfigur in anbetender Haltung (z.B.
St. Norbert in Schäftlarn). Der Altaraufbau, der Tabernakel meist
mit dem apokalyptischen Lamm, sucht immer die kompositionelle Beziehung
von Plastik und Gemälde. Zu St.'s wichtigsten Darstellungsmöglichkeiten
gehört dabei die Dekoration. Figuren, Architekturen, Ornamente, Vorhänge
und Wolken sind zur gesamten Raumausstattung hin zusammengestellt
und abgestimmt. Die schnitzerische Eleganz der Figuren, vom Ursprung
her stark beeinflußt von der Wiener Frühklassik, finden in der bayerischen
Tradition ihre Vollendung.
Werke: (in Auswahl, vollständige Aufstellungen in: Thieme-Becker
31/32, 164-166 und P. Steiner, J.B. St. 13-18): 1730-33 Wien, Schwarzspanierkirche:
Madonna, Kanzel, Kirchenbänke, Orgelbekrönung; 1734/35 München Maria-Hilf
in der Au: Arbeit am Gnadenaltar; Venusbrunnen für das Palais Holnstein;
1735/36 St. Anna im Lehel: Tabernakelengel und Kanzel; 1739 Wiesensteig:
Aloysius- und J. Nepomukstatuetten; 1739-41 Stiftskirche Dießen (Augustinerchorherrenstift):
Stephanus-Sebastiansaltar, Kanzel, Orgelbrüstung und Bekrönung; 1741
Fürstenzell (Zisterzienserabtei): Abschlußarbeiten am Tabernakel,
Beginn des Chorgestühls und Hochaltars; 1741-1743 München: Tabernakel
für Karmelitenkirche, 2 Engel für Herzogspitalkirche; Michaelsfigur
und 4 Altäre für Berg am Laim; 1745 Fürstenzell: Abschlußarbeiten
am Hochaltar und Chorgestühl; 1746 Maria Eich: Hochaltargruppe und
Krönung Mariens; 1747 München: Grabmal für Graf und Gräfin Rechberg
in der Dreifaltigkeitskirche; 1748 Grafing: Hochaltar; Reisach am
Inn: Simon-Stock-Altar (unter Mitarbeit seines Schülers Ignaz Günther);
1749 Steingaden: Welfendenkmäler; 1750 Schongau: Hl. Geist Kirche
Hochaltar; München: St. Peter Anna-Altar; Landshut: Ursulinenkloster
2 Engel; 1751 München: Arbeit an 4 Brunnen in der Neuhauser-, Diener-,
Sendlinger Gasse und Rindermarkt. Benediktinerabtei Andechs: 4 Seitenaltäre
und unterer Hochaltar; 1752 Bichl: Hochaltar; 1753 München: Cuvillièstheater
Putten und Genien; 1754 München: St. Peter, Dreikönigsaltar; Grabdenkmal
für Josepha Gräfin Törring (Bogenhausen); Reisach am Inn: Albertusaltar;
1755 Prämonstratenser - Chorherrenstift Schäftlarn: Hochaltar; Reisach:
Eliasaltar und Kanzelkruzifix; Anna-Altar (1757); Au am Inn: Grabdenkmal
für Maria Gräfin Törring; 1757-62 Benediktinerabtei Ettal: 6 Seitenaltäre;
1758 München: Queraltäre für Berg am Laim; 1762 Schäftlarn: 6 Nebenaltäre
und Kanzel; 1763 Augustinerchorherrenstift Polling: Hochaltartabernakel;
1765 München 2 Altarbildrahmen für die Theatinerkirche; Grabmal für
B.A. Albrecht am Südfriedhof; Beginn der Altararbeiten im Brigittenkloster
Altomünster; 1767 München: Berg am Laim, Aufstellung des Hochaltars;
1768-1770 Berg am Laim: Figuren Christus und Maria; Figuren Joachim
und Anna für St. Michael; 1771 München Figuren für das Treppenhaus
im Palais Törring, Pluto und Proserpina für den Schloßpark Nymphenburg;
1774 Familiengrab auf dem Südfriedhof; Eschenlohe: Hochaltartabernakel;
1776/77 Wiesensteig: Seitenaltäre; Kreuzaltar und Kanzel.
Lit.: Johann Caspar v. Lippert, kurzgefaßte Nachricht
von dem churbaierischen ersten Hofbildhauer Herrn Johannes Straub,
in: Augsburgisches monatliches Kunstblatt 3, 1772, 53-64; - Adolf
Feulner, Münchner Barockskulptur, 1922; - Ders., Bayerisches Rokoko,
1922; - C. Giedion-Welcker, Bayerische Rokokoplastik. J.B. Straub
und seine Stellung in Landschaft und Zeit, 1922; - Richard Hofmann,
Das Marienmünster zu Ettal, 1927; - Ders., Kloster Schäftlarn
im Isartal, 1928; - Heinrich Decker, Barockplastik in den Alpenländern,
1943; - Gerhard Woeckel, Ein Ton-Bozzetto von J.B. Straub, in:
Berliner Museen NF 6, 1954, 34-37; - Ders., Die Brunnenanlagen
vor dem Münchner Jesuitenkloster im Wandel der Jahrhunderte I, in:
Alte und moderne Kunst 9, 1964, Heft 76, 6-17 und II Heft 77; -
Rüdiger Klessmann, Unbekannte Altarentwürfe von J.B. Straub, in: Zeitschrift
f. Kunstwissenschaft 10, 1956, 73-96; - Ders., Zum Spätwerk von
J.B. Straub und zur Ausstattung der Stiftskirche in Wiesensteig, Berlin
1965; - Peter Steiner, Johann Baptist Straub, 1974; - Laurentius
Koch, Zu Johann Baptist Straubs Ettaler Seitenaltären, in: Ars Bavarica
15/16, 1980; - Ders., Ettal, Benediktinerabtei-, Pfarr-, Wallfahrtskirche
(Gr. KF Nr. 3), 1980; - Peter Volk, Johann Baptist Straub, München
1984; - Norbert Lieb, Barockkirchen zwischen Donau und Alpen,
19855; - Dagmar Dietrich, Ehem. Augustiner-Chorherren-Stift
Dießen am Ammeresee (Gr. KF Nr. 128); - Wolfgang Winhard, Kloster
Schäftlarn Geschichte und Kunst, 1993; - LThK1 IX 859;
- Thieme-Becker XXXI/XXXII, 162-167; - LThK2 9, 1108;
- Hdb. d. Bay. Gesch. II, 964 f. (S. Benker); - Bosls Bay.
Biographie 729.