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Band XI (1996)Spalten 43-45 Autor: Gisela Fleckenstein

STRAUSSFELD, Wenceslaus (Wilhelm), OFM (seit 1882), * 7.12. 1867 Bochum, + 27.7. 1933 Köln-Bayenthal. - Geboren als Sohn des Heinrich S. und seiner Ehefrau Bertha geb. Griffel, trat er als Sekundaner des Bochumer Gymnasiums in das Ordenskolleg Harreveld ein und wurde am 24.5. 1882 für das Noviziat der Sächsischen Franziskanerprovinz vom Hl. Kreuz eingekleidet. Seine einfache Profeß mußte, da er noch zu jung war, um ein halbes Jahr - auf den 8.12. 1883 - verschoben werden. Nach dem ordensinternen Philosophie- und Theologiestudium und seiner Priesterweihe am 15.8. 1891 war er ab 1892 Lektor und Präfekt im Kolleg Harreveld, ab September 1893 Lektor der Philosophie in Werl und ab Februar 1896 Lektor und Magister der Kleriker in Aachen. Von 1897-1902 leitete er als Rektor und Guardian (1897-1900) das Kolleg Harreveld und begleitete gleichzeitig das Amt eines Definitors als Mitglied der Provinzleitung. 1903-1909 wurde er zum Provinzialminister gewählt und war ab September 1909 Provinzkustos, Guardian bzw. Präses (bis 1921) und Pfarrverwalter (bis 1924) in Hardenberg-Neviges, sowie wiederum Definitor der Provinz. Unter seinem Rektorat wurde das Kolleg Harreveld an die Lehrpläne des preußischen humanistischen Gymnasiums angepaßt; wobei der Stoff von neun Jahren auf sieben gedrängt wurde. Bis dahin hatte das Kolleg vier Klassen und die humanistischen Studien wurden nach dem Noviziat noch drei Jahre fortgesetzt. Seit 1899 absolvierten die Schüler als Externe erfolgreich die Prüfung für den einjährig-freiwilligen Dienst und ab 1904 die Abiturprüfung. Im Weltkrieg wurde das Kolleg als deutsche Auslandsschule mit der Berechtigung der Reifeprüfung anerkannt. Unter seinem Provinzialat wurde die Ausbildung der Kollegslektoren verbessert, die nach dem ordensinternen Studium zu Spezialstudien an staatliche Universitäten geschickt wurden. Er war der Initiator des Kollegsneubaus von St. Ludwig in Vlodrop (Niederlande) der 1909 als hochmodernes Ordensgymnasium eingeweiht wurde. - 1904 übernahm er für die Provinz als Missionsgebiet das Apostolische Vikariat Tsinanfu, in Nordschantung (China); 1907 rief er den »Franziskaner-Missionsverein« ins Leben. In Neviges und Werl richtete er Exerzitienhäuser ein und 1908 wurde das neue Kloster in Mühlen übernommen. Lange Jahre wirkte er als Pfarrverwalter in Hardenberg-Neviges, wo unter seiner Leitung die Filiale Tönisheide zu einer selbständigen Rektoratsgemeinde wurde. Als Seelsorger trat er vor allem als Prediger, Beichtvater und Vereinsredner (auch bei Wahlveranstaltungen des Zentrums) hervor. Seinen Plan, eine neue Wallfahrtskirche in Hardenberg-Neviges zu bauen, konnte wegen des Krieges nicht verwirklicht werden, wohingegen er den Marienberg mit Kapelle ausbaute. Daneben war er Berater vieler Frauenordensgemeinschaften bezüglich Regeln und Statuten und der Verfasser einiger Gebetbücher. Sein Plan der Gründung einer »Genossenschaft der christlichen Liebe und Arbeit« (Schwesternschaft auf der Grundlage des Dritten Ordens) kam nicht mehr zur Ausführung. 1924 gab er - wegen seines Herzleidens und einer Venenentzündung - das Pfarramt auf; ab diesem Zeitpunkt war er fast ständig im Krankenhaus. Er wurde an exponierter Stelle auf dem Kollegsfriedhof in St. Ludwig beigesetzt. - S. war ein sehr entschlußfreudiger Mann, der es verstand in seiner Provinz als richtig Erkanntes durchzusetzen. Er gehörte zu der Generation, die nach dem Kulturkampf für Leitungsfunktionen zur Verfügung stand. Als Pädagoge wirkte er für seine Zeit fortschrittlich.

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Werke: Leitstern zum Himmel. Gebete und Erwägungen für studierende Jünglinge, Essen 1905; Kleines Handbuch für die Tertiaren des hl. Franziskus, Paderborn 1913; Augustinus, Gedanken und praktische Anregungen. Aus den Schriften des heiligen Lehrers zusammengestellt für Schwestern der Augustinerregel, Kevelaer 1927; Das kleine Offizium der seligsten Jungfrau Maria, Kevelaer 1928; Elisabeth Koch, Stifterin der Franziskanerinnen von der hl. Familie, Paderborn 1928.

Lit.: Salesius Elsner, P. W. S. in: Vita Seraphica 14 (1933), 193-216; VS 18 (1937), 241-247; - Acta Ordinis Fratrum Minorum (1934), 146; - Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Kollegs St. Ludwig zu Vlodrop, Werl 1959; - Salesius Elsner, Mutter Maria Theresia Bonzel und ihre Stiftung, Werl 1926; - Benedikt Peters, Totenbuch der Sächsischen Franziskanerprovinz vom Heiligen Kreuz, Bd. 1 (Text), Werl 1947, 225; - dass. Bd. 2 (Nachweise), Werl 1948/1954, 133, 376; - Die Franziskaner in Werl. Ein Rückblick auf 100 Jahre 1849-1949, Werl 1949; - Dem Andenken an P. W. S., in: Kirche und Heimat, 4.12.1955; - Gisela Fleckenstein, Die Franziskaner im Rheinland 1875-1918, Werl 1992, passim.

Gisela Fleckenstein

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Artikel in der Wikipedia über Wenceslaus Straussfeld

Letzte Änderung: 09.04.2011