STRAUSSFELD, Wenceslaus (Wilhelm), OFM (seit 1882), * 7.12.
1867 Bochum, + 27.7. 1933 Köln-Bayenthal. - Geboren als
Sohn des Heinrich S. und seiner Ehefrau Bertha geb. Griffel, trat
er als Sekundaner des Bochumer Gymnasiums in das Ordenskolleg Harreveld
ein und wurde am 24.5. 1882 für das Noviziat der Sächsischen Franziskanerprovinz
vom Hl. Kreuz eingekleidet. Seine einfache Profeß mußte, da er noch
zu jung war, um ein halbes Jahr - auf den 8.12. 1883 - verschoben
werden. Nach dem ordensinternen Philosophie- und Theologiestudium
und seiner Priesterweihe am 15.8. 1891 war er ab 1892 Lektor und Präfekt
im Kolleg Harreveld, ab September 1893 Lektor der Philosophie in Werl
und ab Februar 1896 Lektor und Magister der Kleriker in Aachen. Von
1897-1902 leitete er als Rektor und Guardian (1897-1900) das Kolleg
Harreveld und begleitete gleichzeitig das Amt eines Definitors als
Mitglied der Provinzleitung. 1903-1909 wurde er zum Provinzialminister
gewählt und war ab September 1909 Provinzkustos, Guardian bzw. Präses
(bis 1921) und Pfarrverwalter (bis 1924) in Hardenberg-Neviges, sowie
wiederum Definitor der Provinz. Unter seinem Rektorat wurde das Kolleg
Harreveld an die Lehrpläne des preußischen humanistischen Gymnasiums
angepaßt; wobei der Stoff von neun Jahren auf sieben gedrängt wurde.
Bis dahin hatte das Kolleg vier Klassen und die humanistischen Studien
wurden nach dem Noviziat noch drei Jahre fortgesetzt. Seit 1899 absolvierten
die Schüler als Externe erfolgreich die Prüfung für den einjährig-freiwilligen
Dienst und ab 1904 die Abiturprüfung. Im Weltkrieg wurde das Kolleg
als deutsche Auslandsschule mit der Berechtigung der Reifeprüfung
anerkannt. Unter seinem Provinzialat wurde die Ausbildung der Kollegslektoren
verbessert, die nach dem ordensinternen Studium zu Spezialstudien
an staatliche Universitäten geschickt wurden. Er war der Initiator
des Kollegsneubaus von St. Ludwig in Vlodrop (Niederlande) der 1909
als hochmodernes Ordensgymnasium eingeweiht wurde. - 1904 übernahm
er für die Provinz als Missionsgebiet das Apostolische Vikariat Tsinanfu,
in Nordschantung (China); 1907 rief er den »Franziskaner-Missionsverein«
ins Leben. In Neviges und Werl richtete er Exerzitienhäuser ein und
1908 wurde das neue Kloster in Mühlen übernommen. Lange Jahre wirkte
er als Pfarrverwalter in Hardenberg-Neviges, wo unter seiner Leitung
die Filiale Tönisheide zu einer selbständigen Rektoratsgemeinde wurde.
Als Seelsorger trat er vor allem als Prediger, Beichtvater und Vereinsredner
(auch bei Wahlveranstaltungen des Zentrums) hervor. Seinen Plan, eine
neue Wallfahrtskirche in Hardenberg-Neviges zu bauen, konnte wegen
des Krieges nicht verwirklicht werden, wohingegen er den Marienberg
mit Kapelle ausbaute. Daneben war er Berater vieler Frauenordensgemeinschaften
bezüglich Regeln und Statuten und der Verfasser einiger Gebetbücher.
Sein Plan der Gründung einer »Genossenschaft der christlichen Liebe
und Arbeit« (Schwesternschaft auf der Grundlage des Dritten Ordens)
kam nicht mehr zur Ausführung. 1924 gab er - wegen seines Herzleidens
und einer Venenentzündung - das Pfarramt auf; ab diesem Zeitpunkt
war er fast ständig im Krankenhaus. Er wurde an exponierter Stelle
auf dem Kollegsfriedhof in St. Ludwig beigesetzt. - S. war ein
sehr entschlußfreudiger Mann, der es verstand in seiner Provinz als
richtig Erkanntes durchzusetzen. Er gehörte zu der Generation, die
nach dem Kulturkampf für Leitungsfunktionen zur Verfügung stand. Als
Pädagoge wirkte er für seine Zeit fortschrittlich.
Werke: Leitstern zum Himmel. Gebete und Erwägungen für
studierende Jünglinge, Essen 1905; Kleines Handbuch für die Tertiaren
des hl. Franziskus, Paderborn 1913; Augustinus, Gedanken und praktische
Anregungen. Aus den Schriften des heiligen Lehrers zusammengestellt
für Schwestern der Augustinerregel, Kevelaer 1927; Das kleine Offizium
der seligsten Jungfrau Maria, Kevelaer 1928; Elisabeth Koch, Stifterin
der Franziskanerinnen von der hl. Familie, Paderborn 1928.
Lit.: Salesius Elsner, P. W. S. in: Vita Seraphica 14
(1933), 193-216; VS 18 (1937), 241-247; - Acta Ordinis Fratrum
Minorum (1934), 146; - Festschrift zum 50jährigen Bestehen des
Kollegs St. Ludwig zu Vlodrop, Werl 1959; - Salesius Elsner, Mutter
Maria Theresia Bonzel und ihre Stiftung, Werl 1926; - Benedikt
Peters, Totenbuch der Sächsischen Franziskanerprovinz vom Heiligen
Kreuz, Bd. 1 (Text), Werl 1947, 225; - dass. Bd. 2 (Nachweise),
Werl 1948/1954, 133, 376; - Die Franziskaner in Werl. Ein Rückblick
auf 100 Jahre 1849-1949, Werl 1949; - Dem Andenken an P. W. S.,
in: Kirche und Heimat, 4.12.1955; - Gisela Fleckenstein, Die Franziskaner
im Rheinland 1875-1918, Werl 1992, passim.
Gisela Fleckenstein
Webseitenergänzung:
Artikel in der Wikipedia über Wenceslaus Straussfeld
Letzte Änderung: 09.04.2011