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Band XI (1996)Spalten 139-141 Autor: Werner Raupp

STURM, Beata, württembergische Pietistin, * 17.12. 1682 in Stuttgart als Tochter des Landschaftskonsulenten Johann Heinrich Sturm, + 11.1. 1730 ebda. - In früher Jugend fast völlig erblindet, erlangte sie durch wiederholte Operationen wiederum eine (eingeschränkte) Sehfähigkeit. Nach dem Tod der Eltern lebte sie kurzzeitig in Blaubeuren, ehe sie 1713 bei ihrem älteren Bruder in Stuttgart eine Bleibe fand. In ausnehmend selbstloser Weise kümmerte sie sich hier - gleichsam als freischaffende Diakonissin - um die Armen, Kranken und Witwen und wurde zur »Wohltäterin der Stadt«. Katholische Heiligkeitsideale aufnehmend, widmete sie sich daneben unablässig dem Lektüre der Bibel - dreißig Mal soll sie diese durchgelesen haben - und dem Gebet. Zeitlebens ist sie ehelos geblieben. - St. war ein skrupulöse, kindlich-fromme Natur und stellt ein Muster an pietistischer Frömmigkeit dar. Ihre von Georg Konrad Rieger (s.d.) verfaßte Lebensbeschreibung (1730) avancierte zu einem Klassiker der württembergisch-pietistischen Erbauungsliteratur. Den ihr darin beigelegten Ehrennamen einer »württembergischen Tabea« (Act 9,36) trägt sie noch heute.

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Quellen: Briefe, Anmerkungen über Matth. 1-12 u. verschiedene Äußerungen Beata Sturms, in: Rieger, w.u., 287-362; Württembergische Väter, w.u., 104-127, u. Raupp w.u., 101-104.

Lit.: Georg Konrad Rieger, Die Würtembergische Tabea, Oder das Merckwürdige äussere und innere Leben der Weyland Gottseeligen Jungfrauen Beata Sturmin, Welche den 11. Jan. 1730 zu Stuttgardt im Herzogthum Würtemberg durch einen seeligen Tod ist vollendet worden, Aus einem Umfang und Erfahrung wahrgenommen, in der Furcht des Herrn unpartheyisch abgefaßt, zur Offenbahrung der herrlichen Gnade Gottes und Preiß des Nahmens Jesu Christi, wohlmeynend mitgetheilet. Von Etlichen der Seeligen wohlbekanten Freunden. Stuttgart 1730 (um 18757); - [Christian Friedrich Duttenhofer], Würtembergische Heiligen-Legende oder das Leben der heiligen Tabea von Stuttgard, als ein Belege zu Herrn Pred. Duttenhofers Untersuchungen über Pietismus und Orthodoxie. Nebst einem Anhang von der heiligen Paula. Halle 1789; - Der Christen-Bote 2 (1832), Nr. 6 (Christlicher Kalender); - ders. 73 (1903), 186 f. (»Beata Sturm, die Wohltäterin«); - Johann Christian Friedrich Burk, Spiegel edler Pfarrfrauen. Eine Sammlung christlicher Charcterbilder, 1842, S. 164-171; - Karl Friedrich Ledderhose, Beata Sturm, genannt die Würtembergische Tabea, 1854 (18552); - Albrecht Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. 3: Der Pietismus in der luth. Kirche des 17. und 18. Jahrhunderts, 1886, 19-27, u.ö.; - Württembergische Väter, Bd. 1: Von Bengel bis Burk. Bilder aus dem christlichen Leben Württembergs, 1887, 104-127; - Württembergische Kirchengeschichte. Hrsg. vom Calwer Verlagsverein, 1893, 511; - Heinrich Merz, Christliche Frauenbilder, Bd. 2, 18986, 48-66; - Heinrich Hermelink, Geschichte der Evangelischen Kirche in Württemberg von der Reformation bis zur Gegenwart, 1949, 164, 175, u.ö.; - Hartmut Lehmann, Pietismus und weltliche Ordnung in Württemberg vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, 1969, 80 f.; - Die Werke der württembergischen Pietisten des 17. 18. Jahrhunderts. Bearb. von Gottfried Mälzer, 1971, 366; - Richard Haug, Reich Gottes im Schwabenland, 1981, 34, 226; - Julius Roessle, Von Bengel bis Blumhardt. Gestalten und Bilder aus der Geschichte des schwäbischen Pietismus, 19816, 101-107; - Reinhard Wittmann, Ein Verlag und seine Geschichte. Dreihundert Jahre J.B. Metzler Stuttgart, 1982, 183, 693 (zu Riegers Biographie, w.o.); - Werner Raupp, 1993, Gelebter Glaube. Erfahrungen und Lebenszeugnisse aus unsrem Land, 1993, 101-104; - Kirchl. Handlexikon, VI, 468; - CKL, II, 1077.

Werner Raupp

Letzte Änderung: 09.04.2011