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Band XXIII (2004) Spalten 1387-1389 Autor: Bruno W. Häuptli

SIMEON von Polirone (Simeon Padolironensis), Eremit, Mönch, Heiliger (Fest 26.7.), * um 950, Armenien, † 26.7. 1016, San Benedetto Po. - Das Kloster S. Benedetto in Polirone in der heutigen Gemeinde San Benedetto Po (südöstlich von Mantua) war nach dem Ausweis kaiserlicher und päpstlicher Bullen eines der größten und reichsten mittelalterlichen Klöster Italiens. Der Name der Gemeinde geht auf die im Frühjahr 1007 von Theobald (Tedaldo) von Canossa und seiner Gattin Beatrice gegründete Benediktinerabtei von Polirone zwischen dem Po und dem dort einmündenden Lirone zurück. San Benedetto war Hauskloster der Grafen von Canossa, weshalb hier später Mathilde von Tuszien, die das Kloster reich beschenkt hatte, begraben wurde (1115). Um 1000 scheint hier S. als Mönch eingetreten zu sein. Nach der von einem Mönch desselben Klosters um 1020 im Hinblick auf eine Kanonisierung verfaßten Vita ist S. in Armenien geboren, lebt eine Zeitlang in einem Kloster nach der Regel des Basilius, dann als Eremit in der Wüste, kommt nach Jerusalem, wo ihm der (fiktive) Patriarch Arsen einen Empfehlungsbrief in den Westen mitgibt. In Rom angekommen wird er wegen eigenartiger Devotionsbezeugungen in der Lateransbasilika während der Regionalsynode 981 der Häresie verdächtigt und beinahe vom Volk gelyncht, aber dank der Vermittlung eines griechischen Bischofs, der sich als Dolmetscher betätigt, für rechtgläubig befunden, so gerettet und von Papst Benedikt VII. (974-983) als Gast in den Lateranspalast aufgenommen. Danach reist er durch Italien nach Aquitanien, Galizien und Britannien und landet schließlich in der Poebene, wo er auch nach seinem Tod zahlreiche Wunder wirkt (Heilung von Kranken, Besessenen, Lahmen, Blinden, Tieren, Totenerweckung, Zähmung eines Löwen, Schreiten auf dem Wasser des Po). Gegenüber der konventionell ausgeschmückten Vita ist der Kult durch mehrere päpstliche Briefe historisch früh gesichert. Von Benedikt VIII. (1017-1024) stammt eine diplomatisch formulierte Kanonisierungsbulle an den Markgrafen Bonifazius von Canossa († 1052), der darum gebeten hat: "Wenn er wirklich so herrliche Wunder wirkt, wie euer Vertrauensmann versichert hat, dann baut ihm eine Kirche, setzt ihn darin bei und behandelt ihn wie einen Heiligen." Nachdem sich der Bau offensichtlich verzögert hat, verfügt Leo XI. (1048-1054) Kirchweihe und Erhebung der Reliquien, doch muß noch Alexander II. (1061-1073) darauf dringen, daß die Maßnahmen Leos XI. endlich vollzogen werden.

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Quellen: Vita Symeonis eremitae (BHL 7952; mit Appendix De miraculis post eius obitum, BHL 7953): AASS Iul. VI, 319-337; Jaffé 4055 (Benedikt VIII.), 4310 (Leo XI.), 4729 (Alexander II.); H. Zimmermann (Hrsg.), Papstregesten, 911-1024 (Regesta Imperii, 2, Die Regesten des Kaiserreichs unter den Herrschern aus dem sächsischen Hause, 919-1024; Abt. 5), Wien 1969, 240 Nr. 598; kritische Ausgabe aller Texte mit Kommentar: P. Golinelli, La "vita" di San Simeone monaco, in: Studi medievali 20, 1979, 709-788.

Lit.: R. Bellodi, Il monastero di S. Benedetto in Polirone nella storia e nell'arte, Mantova 1905 (Reprint San Benedetto Po 1974); - P. F. Kehr, Italia Pontificia: VII, Venetiae et Histria: 1, Provincia Aquileiensis (Regesta pontificum Romanorum), Roma 1923, 323-354; - A. M. Zimmermann, Kalendarium Benedictinum 2, Metten 1934, 500f; -G. Schreiber, Geschichtsdenken im Hohen Mittelalter. Byzantinische und westliche Motive. Soziale Strukturen, in: Archiv für Kulturgeschichte 32, 1944, 100f; - B. Hamilton, the City of Rome and the eastern churches in the tenth century, in: Orientalia Christiana Periodica 27, 1961, 13; - P. Golinelli, Culto dei santi e monasteri nella politica dei Canossa nella pianura padana, in: Studi matildici: atti del convegno di studi matildici (Reggio Emilia, 7-9 ottobre 1977), Modena 1978, 434-440; - B. L. Zekiyan, Le colonie armene del medioevo in Italia e le relazioni culturali italo-armene, in: Atti del primo simposio internazionale di arte armena (Bergamo, 28-30 giugno 1975), Venezia 1978, 840; - G. Dédéyan, Les Arméniens en occident: fin Xe-début XIe siècle, in: Actes du IXe congrès de la Société des Historiens Médiévistes de l'Enseignement Supérieur Public (Dijon, 2-4 juin 1978), Publication de l'Université de Dijon LVII, Dijon 1979, 124-130; - P. Piva, Da Cluny a Polirone: un recupero essenziale del romanico europeo, San Benedetto Po 1980; - J. M. Howe, The true date of the life and miracles of St. Symeon of Polirone, in: Studi medievali 25, 1984, 291-299 (Datierung von S. unter Benedikt IX., 1032-1045); - R. Rinaldi / C. Villani / P. Golinelli (Hrsg.), Storia di San Benedetto Polirone, II, 1: Codice diplomatico polironiano (961-1125), Bologna 1993; - P. Halfter, Das Papsttum und die Armenier im frühen und hohen Mittelalter. Von den ersten Kontakten bis zur Fixierung der Kirchenunion im Jahre 1198 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte 15), Köln Weimar Wien 1996, 110-112; - P. Golinelli / P. Piva, L'abbazia di San Benedetto Po: storia di acque, di pietre, di uomini, Verona 1997; - R. Rinaldi, Un'abbazia di famiglia: La fondazione di Polirone e i Canossa, in: P. Golinelli (Hrsg.), Storia di San Benedetto Polirone, IV, 1: Le origini (961-1125), Bologna 1998, 35-54; - G. Spinelli, La primitiva comunità monastica (1007-1077), in: P. Golinelli (Hrsg.), Storia di San Benedetto Polirone, IV, 1: Le origini (961-1125), Bologna 1998, 55-69; - VSB VII, 641f; - BiblSS XI, 1114f (F. Caraffa).

Bruno W. Häuptli

Literaturnachtrag:

2008

Ralph-Johannes Lilie, Sonderbare Heilige. Zur Präsenz orthodoxer Heiliger im Westen während d. 11. Jhrs., in: Mill 5.2008, S. 225-259.

Letzte Änderung: 09.04.2011