SIMPLICIUS, FAUSTINUS UND BEATRIX: Hl. Märtyrer, * Mitte des 3. Jh. in Rom, + 304 in der Verfolgung des Kaisers Diokletian, Fest am 29. VII. - Sie waren Geschwister. Nach der legendarischen Passio wurden S. und F. nach ihrer Hinrichtung vor der Stadt begraben: Ihre Schwester B. soll ihre Leichname nach der Auffindung an der Via Portuensis bestattet haben. Kurze Zeit darauf wurde nach der Passio B. im Kerker erdrosselt und dann bei ihren Brüdern zu Grabe getragen. Eine kleine Basilika des 4. und 6. Jh. wurde im 7. Jh. von Pilgern besucht. Sie stand mit der Gruft in Verbindung, die im 6. Jh. mit Fresken ausgeschmückt wurde. Papst Leo II. ließ die Reliquien der Märtyrer nach Rom schaffen und in einer heute zerstörten Pauluskirche bei S. Bibiana beisetzen. Der hl. Bonifatius erhielt vom Papst Reliquien dieser Heiligen zum Geschenk und brachte sie in die Klosterkirche zu Fulda. Von daher kommt es auch, daß an der Fassade des heutigen barocken Domes in Fulda zumindest die beiden Brüder S. und F. in Vollplastik gezeigt sind. Alle drei werden bis heute als Stadtpatrone von Fulda verehrt. Ihr Tag wird in der Stadt Fulda als Hochfest begangen, außerhalb Fuldas als nicht gebotener Gedenktag. Im Fuldaer Stadtwappen erscheinen diese Patrone in Form von drei Lilien mit Kronen. - S. und F. werden in Soldatentracht dargestellt, manchmal auch mit Schwert und Lanze. S. ebenfalls mit Fahne, auf der drei Lilien abgebildet sind. B. in der Tracht einer römischen Jungfrau mit Strick, was auf ihre Erdrosselung hinweisen soll. Oft haben alle drei Kronen. So sind sie abgebildet auf einem Fresko auf dem 6. Jh. in der Generosa-Katakombe zu Rom. Ein Fresko zeigt das Martyrium der S. und F. in der Pfarrkirche von Amorbach, um 1746. An der Fassade des barocken Domes in Fulda als Plastiken in Soldatenrüstung. Jüngst wurde im Zentrum von Fulda in unmittelbarer Nähe der Hl. Geistkirche ein moderner Brunnen unter dem Namen »Simpliciusbrunnen« errichtet und ein kleines Sträßchen auch »Simpliciusbrunnen« benannt, was als Achtsamkeit des heutigen Fulda seinen Stadtpatronen gegenüber gewertet werden kann.
Lit.: J. Torsy: Der Große Namenstagskalender, Freiburg-Wien 1992
15, 217; - V. Schauber-H.M. Schindler: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf, Augsburg 1992, 389; - O. Lechner-U. Schütz: Mit den Heiligen durch das Jahr, Freiburg-Basel-Wien 1988
2, 156; - Eigenfeiern der Diözese Fulda - Texte zum Stundenbuch und zur Liturgia horarum, Fulda 1981, 71; - Doye II, 343.
Ekkart Sauser
Textanmerkungen:
Eine Simpliciusdarstellung im Fuldaer Raum findet sich in dem alten Chor (heute Marienkapelle) der Pfarrkirche Dietershausen. Dargestellt ist der Heilige in Rüstung mit Fahne und einem Schild mit drei Lilien. Datiert wird die Darstellung in die MItte des 15. Jh. Kalkseccomalerei. Die Reliquien der Heiligen befinden sich auch in der kath. Pfarrkirche von Hainzell (Gemeinde Hosenfeld), die durch Bonifatius wohl nach Fulda gekommen sind. In der Pfarrkirche befindet sich seit 1996 eine Mosaiknachbildung der Heiligen als Kopie des in der Katakombe der Generosa vorgefunden Freskos aus dem 6. Jh.(S.42 u. 68). Weitere Einzelheiten hierzu: Emilio Venditi - Die Stadtpatrone von Fulda und ihre Katakombe in Rom (2000) Verlag Parzeller, Fulda.
Letzte Änderung: 09.04.2011