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Band X (1995)Spalte 756 Autor: Richard Klein

SOKRATES Scholasticus (ca. 380 - nach 439), in Konstantinopel lebend, von Beruf Jurist (wie aus seinem Beinamen hervorgeht), verfaßte eine sieben Bücher umfassende Kirchengeschichte, die von der Abdankung Diokletians (305) bis zu Theodosius II. (439) reicht. Den einzelnen Büchern geht eine kurze Inhaltsangabe (Kephalaion) voraus. Ohne systematische Gesichtspunkte orientiert sich jeder Band in chronologischer Reihenfolge an der Person eines Kaisers, die Datierung wichtiger Ereignisse von Kirchen- und Profangeschichte bietet einen festen Rahmen. Als Fortsetzung der Kirchengeschichte Eusebs von Caesarea ist das Werk in schlichtem, verständlichem Stil abgefaßt; wahrheitsliebend und offen bejaht der Verf. die heidnisch-weltliche Bildung und berichtet von den dogmatischen Streitigkeiten alles, was er schriftlich und mündlich erfahren konnte. Zahlreiche Aktenstücke, Konzilsbeschlüsse, Kaiser- und Bischofsbriefe dienen ihm ebenso als Vorlage wie die Kirchengeschichte des Rufinus, die Vita Constantini des Eusebius, die antiarianischen Schriften des Athanasius und das Breviarum des Heiden Eutrop. Seinem Streben nach Objektivität entspricht eine 2. Auflage, in die er zusätzliches Quellenmaterial eingearbeitet hat. Die Beliebtheit des Werkes zeigt sich darin, daß es wiederholt als Vorlage diente, bes. für Sozomenos, und bald ins Syrische, Armenische und Lateinische übersetzt wurde (Historia tripartita des Theodorus Lector und Cassiodor).

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Werke: MG 67, 29-842; R. Hussey: 3 Bde., Oxford, 1853, (18932) Reprint, Hildesheim 1992.

Lit.: F. Geppert: Die Quellen des Kirchenhistorikers Socrates, Leipzig 1898; - O. Bardenhewer: Geschichte der altkirchlichen Literatur IV, Freiburg/Br. 1924, 137 ff.; - F. Eltester: RE III A 1, (1927) 893 ff.; - J. Quasten: Patrology III, Utrecht 1960; - G.F. Chesnut (ed.): The First Christian Historics, Eusebius, Socrates, Sozomenos, Theodoret and Euagrius, Théologie historique XLVI, Paris 1977; - A. Ferrarini: Eresia e storia ecclesiastica. Contributi novaziani alla storiografia di Socrate (Scolastico), AFLPad IV, 1979, 127 ff.; - ders.: Tradizioni orali nella storia ecclesiastica di Socrate scolastico, StudPatr XXVIII, 1981, 29 ff.

Richard Klein

Werkeergänzung:

1995

Textausgabe: Sokrates, Kirchengeschichte, hrsg. von G. Chr. Hansen, Berlin 1995 (GCS N. F. 1).

Literaturergänzungen:

1996

Hartmut Leppin, Von Constantin dem Großen zu Theodosius II. Das christliche Kaisertum bei den Kirchenhistorikern Socrates, Sozomenus und Theodoret, Göttingen 1996 (Hypomnemata 110). Bgleichfalls zu Sozomenos und Theodoret; -

1997

Martin Wallraff, Der Kirchenhistoriker Sokrates. Untersuchungen zu Geschichtsdarstellung, Methode und Person, Göttingen 1997 (Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte 68); - Theresa Urbainczyk, Socrates of Constantinople. Historian of Church and State, Ann Arbor 1997; -

2002

Heinz-Günther Nesselrath, Zur Verwendung d. Begriffes mythos bei S.v.K. u. anderen christl. Autoren d. Spätantike, in: Alvarium. Münster 2002, S. 293-301; -

2006

Thomas Maier, L'activité synodale à Antioche aux III-IVe siècles et sa présentation chez les pères de l'église, in: PrO 56.2006, S. 5-27; -

2007

Jesús M. Nieto Ibánez, Los oráculos griegos y su uso apologético en S. de Constantinopla (HE III 23,50-59), in: VetChr 44.2007, S. 83-96; -

2009

Günther Christian Hansen, "Patriarchen" oder "Patriarchate"? (Sokrates, h.e. V 8,14), in: ZAC 13.2009, S. 526-530; -

2010

Francoise Thelamon, Les "Histoires ecclésiastiques". Rufin, Socrate, Sozomène, Théodoret, in: Venti secoli di storiografia ecclesiastica. Roma 2010, S. 33-54.

Letzte Änderung: 09.04.2011