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Verlag Traugott Bautz
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SPALATIN (Burckhardt; seit dem WS 1502/3 nannte er sich, offenbar unehelicher Geburt, nach seinem Geburtsort), Georg, Humanist, Theologe, Jurist und Fürstenberater, * 17.1. 1484 zu Spalt bei Nürnberg (der Ort gehörte zum Territorium des Stiftes Eichstätt), Sohn eines Rotgerbers, heiratete am 19.11. 1525 Katharina Heidenreich (oder Streubel), einzige Tochter eines Choralisten am St. Georgenstift in Altenburg, 2 Töchter (1532/33). + 16.1. 1545 in Altenburg. - Nach dem Besuch der Stiftsschule in Spalt kam S. 1497 auf die Schule zu St. Sebald in Nürnberg. Im Sommersemester 1498 bezog er die Universität Erfurt und wurde 1499 dort Baccalaureus. 1501 gab er eine Sammlung älterer Gedichte und solche seines Lehrers Nikolaus Marschalk (»Laus Musarum«) heraus. Mit diesem ging er 1502 zur neugegründeten Universität Wittenberg. Bei der ersten Wittenberger Promotion am 2.2. 1503 erhielt S. die Magisterwürde. Im WS 1504/5 studierte er wieder in Erfurt, hauptsächlich Jura. 1505 übernahm er dort eine Hauslehrerstelle. S. schloß sich dem Erfurter Humanistenkreis um Conrad Mutianus Rufus an. 1505 wurde er Novizenlehrer im Kloster Georgenthal bei Gotha und 1508 von dem in Erfurt residierenden Mainzer Weihbischof Johann Bonemilch von Laasphe, der auch Luther ordinierte, zum Priester geweiht. Ende 1508 wurde er als Prinzenerzieher nach Torgau berufen und von Kurfürst Friedrich d. Weisen auch mit anderen Aufgaben betraut (z. B. Archivar, Geschichtsschreiber). 1511 siedelte S. nach Wittenberg über; zur gleichen Zeit erhielt er ein Kanonikat am St. Georgenstift in Altenburg. In zunehmendem Maße gewann S. das Vertrauen seines Kurfürsten; als sein Geheimsekretär, geistlicher Berater und Hofprediger nahm er eine einzigartige Vertrauensstellung beim Kurfürsten ein, die es ihm erlaubte, Luther den Schutz des Landesherrn zu sichern. 1512 beauftragte ihn der Kurfürst auch mit dem Ausbau der Wittenberger Universitätsbibliothek. - Zwischen S. und Luther entwickelten sich seit 1514, als S. diesen um seine Ansicht in der Reuchlinistenfehde bat, freundschaftliche Beziehungen. Aus Kf. Friedrichs Lebenszeit besitzen wir 303 Briefe Luthers an S., dessen Schreiben an Luther aber nicht erhalten sind. Luther und Kf. Friedrich hatten keinen unmittelbaren Kontakt, standen aber durch S. laufend in Verbindung. Neben Luther spielte auch S. bei der religiösen Belehrung Friedrichs eine wichtige Rolle. An dessen Weg vom Sammeln der Ablässe und vom Anhäufen der Reliquien zum Beschützer des Reformators durch teilnahmsvolles Gewährenlassen hat S. großen Anteil. - Durch Luther wuchs S. über seine ursprünglich mehr humanistisch geprägte Frömmigkeit hinaus. Als 1519 Kf. Friedrich von der Königswahl aus Frankfurt/M. nach Torgau zurückgekehrt war, wurde er schwer krank. S. bat Luther, dem Fürsten eine Trostschrift zu verfassen. So entstand Luthers seelsorgerliche Schrift »Tessaradecas consolatoria pro laborantibus et oneratis« (WA VI, 99-134), die S. übersetzte (s. u.). - Als Vertrauter der sächsischen Kurfürsten nahm S. an allen entscheidenden Reichstagen und Fürstentreffen teil. Seit 1516 in der kurfürstlichen Kanzlei, oblagen S. die Kirchen- und Universitätsangelegenheiten. In Zusammenarbeit mit Luther und Melanchthon setzte er sich für die Universitätsreform in Wittenberg ein. Als Humanist bemühte er sich um eine Vermittlung zwischen Luther und Erasmus; 1520 übersetzte er 3 Schriften desselben. Als Übersetzer von Luther- und Melanchthonschriften und auch mit eigenen Veröffentlichungen förderte er die ev. Lehre. Sein Versuch, Friedrich d. Weisen für die endgültige Durchsetzung der Reformation in Sachsen zu gewinnen (1.5. 1525), scheiterte allerdings. S. ging nach Friedrichs Tod am 13.8. 1525 als Pfarrer nach Altenburg, ohne allerdings seine politische und kirchenpolitische Tätigkeit aufzugeben. Auch den Kurfürsten Johann und Johann Friedrich diente er als Berater. 1528 übernahm er in Altenburg die neue Superintendentur mit vielfältigen Visitationsaufgaben im Dienste des Aufbaus der sächsischen Landeskirche. S.s historische Arbeiten dienten auch praktisch-politischen Interessen, z. B. den Verhandlungen mit Kardinal Albrecht von Brandenburg über das Burggrafentum Magdeburg (1538). - Gegen Lebensende (1544) schwermütig, starb S. am 16.1. 1545 und wurde in der Bartholomäuskirche in Altenburg beigesetzt.
Werke: Ein tröstlich Büchlein D. M. Luthers Augustiners in aller Widerwertigkeit eines jeden Christgläubigen Menschen neulich verdeutscht durch M. G. S., 1520; De sacramento venerabile eucharistiae et de confessione, 1525; Philipp Melanchthons Anweisung in die wahrhafftige H. Schrift Gottes: allen Christgläubigen Menschen sehr dienlich. Durch G. S. gedeutscht, 1523; Das erst ehelich Beylager Hertzog Hannsen zu Sachsen etc. mit Frauen Sophien geboren von Mecklenburg 1500, in: Burchard Gotthelf Struve, Neu eröffnetes historisches und politisches Archiv III, 1719, 48-99; Chronicon sive annales (1513-1526), in: Johann Burckhard Mencke, Scriptores rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum II, 1728, 589-664 (Auszug); Sächs. Historie vom Churfürst Ernsten an biß auf Churfürst Johansen Todt, in: Struve III, 1719, 1-200; Was für sonderliche Geschicht und Sachen bei Leben und Regierung Herzogen Friedrichen ... ergangen (1463-1525), in: Chr. Gotth. Neudecker u. Ludwig Preller (Hrsgg.), Friedrichs des Weisen Leben und Zeitgeschichte von Georg Spalatin, 1851 (G. S.s historischer Nachlaß und Briefe 1), 116-203; Zwo predigt auff die Epistel S. Pauli 1. Tessa. 4. D. Martini Luther gethan vber der leiche des Churfursten Hertzog Friderichs zu Sachsen. Item eyne tröstunge an Churfursten von Sachsen seliger vnd Christlicher gedechtnis. Freytags nach Misericordia Domini den letzten seynes lebens hie auff erden, 1525; Das man das Heylige Hochwyrdig Sacrament des waren Leybs vnnd Bluts Christi ... nicht anders denn nach seiner einsetzung/das ist gantz vnnd gar/vnter bayder gestalt nemen soll ..., 1543; Annales Reformationis oder Jahrbücher von der Reformation Lutheri. Aus dessen Autographo ans Licht gestellt von E. S. Cyprian, 1718.
Bibliographie: Hans Volz, Bibliographie der im 16. Jh. erschienenen Schriften G. S.s, in: Zeitschr. f. Bibliothekswesen u. Bibliographie 5, 1958, 83-119.
Lit.: Christian Schlegel, Historia vitae G. S. ..., Jena 1693; - Alfred Kleeberg, G. S. Chronik für die Jahre 1513-1520, Diss. Jena 1919; - Irmgard Höß, G. S.s Bedeutung für die Reformation und die Organisation der Lutherischen Landeskirche, in: ARG 42, 1951, 101-135; - Dies., G. S.s Traktat »De sacramento ...« vom Jahre 1525, in: ARG 49, 1958, 79-88; - Dies., G. S. Ein Leben in der Zeit des Humanismus und der Reformation, (1956) 19892; - Dies., Humanismus und Reformation, in: Geschichte Thüringens, hrsg. von Hans Patze, 3. Bd.: Das Zeitalter des Humanismus und der Reformation, 1967 (Mitteldeutsche Forschungen 48/III), 1-145; - Martin Brecht, Martin Luther, 3 Bde, 1981/86/87; - Ingetraut Ludolphy, Friedrich der Weise, 1984 (Lit.); - Günther Wartenberg, Landesherrschaft und Reformation, 1988; - Das Jahrhundert der Reformation in Sachsen, hrsg. von Helmar Junghans, 1989; - Gerhard Müller, Der Mann im Hintergrund, in: Nachrichten der Ev.-luth. Kirche in Bayern 50 Jg., Heft 1, 1995, 11-13; - ADB XXXV, 1-29; - RE3 XVIII, 547-553; - RGG3 VI, 221.
Karl Dienst
Literaturergänzung:
1996
Irmgard Höß, Das Jugendbildnis Georg Spalatins von Lucas Cranach d.Ä. 1509, in: ARG 87.1996, S. 400-404; -
2009
Björn Schmalz, G.S. u. sein Wirken in Altenburg (1525-1545). Beucha 2009.
Letzte Änderung: 14.01.2010