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Band X (1995)Spalten 1037-1039 Autor: Hermann Ehmer

SPITTTLER, Ludwig Timotheus (von), Theologe, Historiker, Staatsmann, * 11. Nov. 1752 in Stuttgart, † 14. März 1810 in Stuttgart. - Der Sohn eines Geistlichen besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, wo sein historisches Interesse geweckt wurde. Dieses wurde weiter gefördert durch das Erleben der Auseinandersetzungen zwischen Herzog Karl Eugen und den württembergischen Landständen mit der Inhaftierung des Landschaftskonsulenten Johann Jakob Moser. - Seit 1771 studierte S. als Angehöriger des Tübinger Stifts Theologie, wobei er sich nach dem Vorbild von Semler und Lessing besonders für die Kirchen- und Dogmengeschichte interessierte. Nach Abschluß des Studiums 1775 begab er sich auf eine wissenschaftliche Reise nach Norddeutschland, wobei er insbesondere Weimar, Göttingen, Wolfenbüttel, Berlin und Halle besuchte und u.a. mit Lessing zusammentraf. Nach seiner Rückkehr wurde er 1777 Repetent am Tübinger Stift und folgte 1779 einem Ruf an die philosophische Fakultät der Universität Göttingen, um dort Vorlesungen über Kirchen- und Dogmengeschichte zu halten. Er entwickelte hier seine Methode einer pragmatischen Geschichtsschreibung, die in erster Linie von den handelnden Personen ausgeht und in knapper Darstellung das Wesentliche zu charakterisieren sucht. Seine mehrfach aufgelegte Kirchengeschichte urteilt vom Standpunkt der Aufklärung und erwartet deren Durchsetzung und das Aufhören der konfessionellen Unterschiede. In der allgemeinen Geschichte fand S. schließlich seine eigentliche Bestimmung, sowohl als Universitätslehrer, wie als Schriftsteller. Literarisch befaßte er sich vor allem mit der als Staatengeschichte verstandenen politischen Geschichte. Hierher gehören auch die Geschichten Württembergs und Hannovers, durch die S. einer der Begründer der modernen deutschen Landesgeschichte geworden ist. Neben den großen Monographien pflegte er auch die kleine Form der Darstellung in Zeitschriftenaufsätzen und Rezensionen, wofür er das Göttingische historische Magazin herausgab. 1797 folgte S. einem Ruf des Herzogs Friedrich Eugen von Württemberg zur Übernahme eines Regierungsamtes. Die Hoffnungen, in der Heimat reformerisch tätig sein zu können, zerschlugen sich jedoch durch den frühen Tod des Herzogs. Unter dessen Nachfolger, dem nachmaligen König Friedrich I. von Württemberg (1797-1816), wurde S. zwar 1807 Staatsminister, Kurator der Universität Tübingen, Präsident der Oberstudiendirektion und in den Adelsrang erhoben, litt aber nicht wenig unter der despotischen Regierungsweise des Monarchen.

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Werke: Kritische Untersuchung des 60ten laodicenischen Canons, 1777; Geschichte des canonischen Rechts bis auf die Zeiten des falschen Isidorus, 1777; De usu versionis Alexandrinae apud Josephum prolusio, 1779; Geschichte des Kelchs im Abendmahle, 1780; Grundriß der Geschichte der christlichen Kirche 1782, 1785, 1791, 1806, 1812, 1813; Geschichte Wirtembergs unter der Regierung der Grafen und Herzoge, 1783; Historische Beyträge zur rechtlichen Untersuchung über das wirtembergische Privilegium de non appellando, 1784; Historia critica chronici Eusebiani, 1784; Geschichte des Fürstentums Hannover seit der Reformation bis zu Ende des siebenzehnten Jahrhunderts, 1786; Göttingisches historisches Magazin, 1787-1791; Fundamentalartikel der deutschen katholischen Kirche, 1787; Generalversammlung der toskanesischen Bischöfe, 1787; Entwurf der Geschichte der spanischen Inquisition, 1788; Über die Acceptation der Basler Schlüsse, 1789; Sammlung einiger Urkunden und Actenstücke zur neuesten wirtembergischen Geschichte, 1791-1796; Neues göttingisches historisches Magazin, 1792-1794; Über die Geschichte und Verfassung des Jesuitenordens, 1793, 1817; Entwurf der Geschichte der europäischen Staaten, 1793-1794, 1807, 1808, 1823; Geschichte der dänischen Revolution im Jahre 1660, 1796; Von der ehmaligen Zinsbarkeit der Nordischen Reiche an den Römischen Stuhl, 1797; Nebeninstruction von der Stadt- und Amtsversammlung zu N. im Wirtembergischen ihren Landtagsdeputirten ertheilt, 1797; Gutachten eines württembergischen Oberbeamten über die von der Stände-Versammlung in Antrag gebrachte Revision der Oberamts-Bezirke, 1817; Geschichte der Bettelmönchsorden, hrsg. von J.G. Gurlitt, 1822; Geschichte der Jesuiten, hrsg. von J.G. Gurlitt, 1822; Über Christoph Besolds Religionsveränderung, 1822; Geschichte der Hierarchie von Gregor VII. bis auf die Zeiten der Reformation, hrsg. von J.G. Gurlitt, 1822-1828; Geschichte des Benedictinerordens, hrsg. von J.G. Gurlitt, 1823; Geschichte des Tempelherrnordens, hrsg. von J.G. Gurlitt, 1823; Geschichte der Kreuzzüge, hrsg. von J.G. Gurlitt, 1827; Geschichte des Pabstthums, hrsg. von J.G. Gurlitt, 1828; Vorlesungen über Politik hrsg. von K. Wächter, 1828; Sämtliche Werke, 15 Bde., hrsg. v. Karl von Wächter-Spittler, 1827-1837.

Lit.: J.J. Gradmann, Das gelehrte Schwaben, Ravensburg 1802, 640-642; - G.J. Planck, Über Spittler als Historiker, Göttingen 1811; - D.F. Strauß, L.T. Spittler; in: Kleine Schriften, 1862, 68-121, desgl. in: Gesammelte Schriften 2, 1876, 83-117; - J. Schweizer, L.T. Spittler. Ein Lebensbild, Würzburg 1907; - H. Haering, Über L.T. Spittler; in: Zeitschrift für württ. Landesgeschichte 4 (1940) 107-156; - ders., L.T. Spittler; in: Schwäbische Lebensbilder 1, Stuttgart 1940, 514-538; - J. Grolle, Landesgeschichte in der Zeit der deutschen Spätaufklärung. L.T. Spittler (1752-1810), Göttingen 1963; - R. Rürup, Spittler und die Landeshistoriographie im späten 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 113 (1965) 252-262; - ADB 35, 212-216; - RE3 18, 677-681; - Allgemeine hannoversche Biographie 3, 1916, 300-305; - RGG3 6, 260.

Hermann Ehmer

Literaturnachtrag

2009

Dirk Fleischer: Geistige Sanitäts-Sorge. Religion und Politik bei Ludwig Timotheus Spittler, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 57, 3 (2009), S.197-214.

Letzte Änderung: 09.04.2011