|
Verlag Traugott Bautz
|
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
SPRENG, Johann Jakob, * 13. Januar 1699 in Basel, † 24. Mai 1768 in Basel, ref. Pfarrer und Dichter. - Johann Jakob Spreng war der Sohn des gleichnamigen Basler Präzeptors an der Münsterschule und am Gymnasium und der Ursula Pfannenschmid. Er absolvierte in seiner Heimatstadt ein dreijähriges Studium der Theologie und wurde im Mai 1721 ordiniert. Allerdings wurde er kurze Zeit später wieder aus der Kandidatenliste gestrichen und konnte somit vorerst nicht auf eine Pfarrstelle im Basler Kirchendienst hoffen. Er ging nach Wien, wo er als Hauslehrer arbeitete und sich als Dichter einen Namen machte. 1723 bekam er von Kaiser Karl VI. das Diplom eines poeta laureatus, nachdem er ein Sonett auf den Kaiser verfaßt hatte. Nach der Beendigung des Studiums wurde er Erzieher beim bernischen Landvogt in Fraubrunnen und bald darauf beim württembergischen Gesandten in Wien. Von 28. Mai 1727 bis Anfang 1728 versah er sieben Monate lang die württembergischen Waldensergemeinde Nordhausen als Vikar, wofür er aber nur unzulänglich bezahlt wurde. Der dort amtierende Pfarrer Jean Guémar wollte ihn bezahlen, aber dessen Frau hintertrieb dieses. Er hatte damit argumentiert, daß er für diese Vertretung die französische Sprache gelernt habe. So bewarb er sich am 16. Januar 1728 um die Pfarrstelle der württembergischen Waldensergemeinde Perouse und wurde am 14. Februar dort konfirmiert. Doch von Anfang an gab es zwischen ihm und der Gemeinde Streit. Zuerst ging es um die Holzlieferungen für den Pfarrer. Auf der anderen Seite wurde von ihm von strenggläubigen Kreisen der Gemeinde vorgeworfen, daß er merkwürdige Ansichten in der Christologie und über das Gericht nach dem Tode verbreite. In den Verdacht der Heterodoxie geriet er, nachdem er einzelne Artikel des wallonischen Katechismus, der in der Gemeinde in Gebrauch war, tilgte. Als Erklärung gab er an, daß er solche Artikel beim Unterricht ausgelassen habe, die über das Verständnis der Kinder hinausgingen. Wenn er sich auch durch die Vorlage seiner Predigten vom Vorwurf der Heterodoxie befreien konnte, so war das Verhältnis zwischen Spreng und der Gemeinde doch sehr gestört. Vor allem die unterschiedlichen Ansichten über die Bezahlung des Predigers und die unbefriedigende Wohnsituation waren ein Problem. Die Auseinandersetzung zog sich bis 1733 hin, wo in Heimsheim ein Kolloquium in dieser Angelegenheit abgehalten wurde. Daneben gab es auch einen Streit zwischen ihm und der Gemeinde, ob ein Pfarrhaus oder eine Kirche gebaut werden sollte. 1734 wurde beschlossen, eine Kirche zu bauen, worauf Spreng ankündigte, er würde weggehen, wenn kein Pfarrhaus gebaut würde. Anfang April 1735 wurde von der Regierung in Stuttgart beschlossen, ein Pfarrhaus in Perouse zu bauen. Die Bedingungen unter denen Spreng in Perouse zu arbeiten hatte waren nach seiner Angabe zu schwer. So nahm er, als am 28. Dezember 1737 an ihm ein Vokationsbrief der französisch-reformierten Gemeinde Ludweiler an der Saar erging, dieses Stellenangebot gerne an. In einem Brief an den württembergischen Herzog warf er der Gemeinde Perouse Undank und Härte vor. In der Wohnung lasse sich weder gesund noch krank leben. Der Anweisung des Herzogs, aus den Kollektengeldern ein Pfarrhaus zu bauen, werde nicht umgesetzt. Da Basel einen Zuschuß zur Pfarrerbesoldung der Gemeinde Ludweiler übernahm, waren es vor allem Basler Theologen, die der Gemeinde als Pfarrer dienten. Spreng trat sein Amt am 30. März 1738 an. In der Gemeinde hatte er die Predigt abwechselnd in deutscher und französischer Sprache zu halten. Schon sehr bald überraschte der neue Pfarrer seine Gemeinde und die Kirchenoberen mit einem sehr eigenwilligen Verhalten. So fühlte er sich nicht vom lutherischen Konsistorium des Fürstentums Nassau-Saarbrücken abhängig und äußerte auch kritische Töne gegen die Kirchenbehörden. So hat er die Aufforderung, über einen fürstlichen Lakaien eine Kirchenbusse zu verhängen, mit der Erklärung beantwortet, daß er kein Hofprediger sei. Von seinen kirchlichen Vorgesetzten wurde er als Querkopf angesehen. Er konnte sich so manches herausnehmen, da er in der Gunst des Fürsten Wilhelm Heinrich stand und dessen Mutter Charlotte Amalie reformiert war. Mit Rücksicht auf die ständigen Streitigkeiten mit dem Konsistorium, der angegriffenen Gesundheit seines Vaters und der Schulausbildung seiner Kinder nahm er im Jahre 1741 eine Berufung an die Universität Basel als Professor der Beredsamkeit und deutschen Poesie an. Um diese Zeit erschien in Basel auch seine Neue Übersetzung der Psalmen Davids. Diese neue Psalmenübersetzung sollte die ältere vom Ambrosius Lobwasser ablösen, indem er auf die Weiterentwicklung der deutschen Sprache Rücksicht nahm. Die zusätzlich von ihm gesammelten Auserlesenen Kirchen- und Hausgesänge waren ein Gegenstück zu den Liedersammlungen des pietistischen Theologen Hieronymus d'Annoni. Innerhalb des Bildungsbürgertums der Stadt Basel fand seine Übersetzung Anklang. Verehrer ließen eine silberne Medaille prägen, die auf der einen Seite seinen Kopf und auf der anderen einen Altar mit brennender Flamme und der Aufschrift "Aeternitati" zeigte. Das Sprengs Psalmen dennoch kein großer Erfolg waren, lag daran, daß die Geistlichen der Basler Landschaft seine Übersetzung nicht akzeptierten. An der Universität unterrichtete er die Studenten in der Rede- und Dichtkunst. Das Ziel dieser Bemühungen sollte die Kenntnis der hochdeutschen Sprache für die Diener des Staates und der Kirche sein. Zusätzlich schloß sich auf sein Betreiben auch die "Basler Deutsche Gesellschaft" zusammen,
@text = deren Zweck in der Ausbreitung des guten Geschmacks und der Ausübung der deutschen Sprache, nach den Regeln der richtigen Sprachlehre, war. Sie bestand bis zum Jahre 1760. Die Mitglieder trafen sich vierzehntägig in einer der Privatwohnungen zu gelehrter Unterhaltung. 1746 reichte das Gehalt nicht aus und so wurde er zum Pfarre am Basler Waisenhaus ernannt, eine Aufgabe, die er bis zum Jahre 1762 wahrnahm. 1748 veröffentlichte er einen Band mit geistlichen und weltlichen Gedichten. Doch auch dieser Band hatte nur wenig Erfolg, was Spreng enttäuschte. Ab 1754 war er an der Universität gleichzeitig Professor für Schweizer Geschichte. 1762 gab er das Waisenhauspfarramt auf und wurde Professor für Griechisch an der Universität. In seiner Basler Zeit hat sich Spreng um die Förderung der hochdeutschen Schriftsprache in der Schweiz verdient gemacht. Auf literarischem Gebiet hat er in einer Fehde mit Johann Jakob Bodmer, Karl Friedrich Drollinger und mit anderen einen regen Gedankenaustausch betrieben. Die von ihm selber geplanten Herausgabe eines Wörterbuches der deutschen Sprache und eines Wörterbuches der Basler Mundart konnte er vor seinem Tod im Jahre 1768 nicht mehr abschließen. In den theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit hielt sich Spreng in Basel eher zurück, doch war er ein erklärter Gegner des Pietismus. Mehrfach äußerte er sich auch kritisch zu den Herrnhutern und deren Reisepredigern in der Schweiz.
Werke: Neue Übersetzung der Psalmen Davids, auf d. gewöhnlichen Singweisen gerichtet u. mit besonderer Gutheißung eines Hochlöbl. Churpfälzischen Reformirten Kirchenrahts/wie auch eines Hochwürdigen Ministerii von Zürich u. Basel herausgegeben, Basel 1741 (Nachdr. Frankfurt 1747, Bernburg 1766, Basel 1766, 1770, 1774, 1781); (Hrsg.) Herrn Carl Friederich Drollingers Gedichte, samt andern dazu gehörigen Stücken/ wie auch einer Gedächtnißrede auf Denselben, Basel 1743; Geistliche u. Weltliche Gedichte. Erster Teil, Zürich 1748; Auserlesene u. geistreiche Fest-, Buß- u. Abendmahlsgesänge, Basel 1751; Der hohen Schule zu Basel Glücksäligkeiten u., Vorzüge in dem Reiche der Gelehrsamheit von dem Ende ihres zweyten bis zum Antritte ihres vierten Jahrh.s des 15. Aprils 1760, in einer Jubelrede vorgestellt von Joh. Rudolf Thurneysen, verdeutscht v. J. J. Sprengen, Basel 1760; Kronika von der loblichen Eidgnoschaft, ihr harkommen und sust seltzam stritten vnd geschichten, colligiert vnd in geschrift vernaßt von Peterman Etterlin, Gerichtzsschreiber zu Lutzern u. Hauptman in den kriegen wider hertzog Karly v. Burgund. Nunmehr wegen ihrer Seltenheit zum zweyten Mal herausgegeben, von unzähligen Fehlern gereiniget, u. vermittelst kurzer Randglossen durchgehens verbessert und erläutert, wie auch mit einem neuen Register versehen v. J. J. Sprengen, Basel 1764;
Lit.: F. F. T. Heerwagen, Geschichte d. geistlichen Lieder u. Gedichter neuer Zeit, 2. Teil, Schweinfurth 1797; - Chr. Joh. Riggenbach, D. Kirchengesang in Basel seit d. Reformation. Mit neuen Aufschlüssen über d. Anfänge d. französischen Psalmengesangs, in: Beiträge z. vaterländischen Geschichte 9, 1870, 327-524; - Felix Bovet, Histoire du Psautier des Eglises réformées, Neuchâtel-Paris 1892; - H, Weber, Geschichte d. Kirchengesangs in d. deutschen ref. Schweiz seit d. Reformation, Zürich 1876; - Theodor Burckhardt, Geschichte d. Gymnasiums zu Basel, Basel 1889; - Jacob Baechtold, Geschichte der deutschen Literatur in der Schweiz, Frauenfeld 1892; - Alfred Socin, J. J. S. Ein Basler Gelehrter u. Dichter aus dem XVIII. Jahrh., in: Basler Jahrb. 1893, 227-250; - Wilhelm Hadorn, Geschichte d. Pietismus in den Schweizerischen Ref. Kirchen, Konstanz und Emmishofen 1901; - Walter Hollweg, Geschichte d. ev. Gesangbücher v. Niederrhein im 16.-18. Jahrh., Gütersloh 1923 (Nachdr. Ergänzt mit Vorwort und bibliographischem Nachtrag v. Verfasser, Hildesheim-New York 1971); - Paul Wernle, D. schweizerische Protestantismus im XVIII. Jahrh., Bd. 2, Tübingen 1924; - Leopold Cordier, D. deutsche ev. Liedpsalter, ein vergessenes ev. Liedergut, Gießen 1929; - Karl Gauss, Basilea Reformata. Die Gemeinden d. Kirche Basel Stadt u. Land u. ihre Pfarrer seit d. Reformation bis zur Gegenwart, Basel 1930, 143; - H. P. Buchleitner, Ludweiler-Warndt 1604-1954. Eine Quellenstudie, Saarbrücken 1954; - Friedrich Mohns, Geschichte d. ev. Hugenottengemeinde u. ihrer Pfarrer zu Ludweiler im Warndt vom 8. Juni 1604 bis zum 8. Juni 1954, Ludweiler 1954; - Andreas Staehelin, Geschichte d. Universität Basel 1632-1818, Zweiter Teil, Basel 1957; - Günther Volz, Der Ludweiler Pfarrer J. J. S., in: Saarbrücker Hefte 12, 1960, 40-43; - Gerhard Schuhmacher, D. beliebte, kritisierte u. verbesserte Lobwasser-Psalter, in: JLH 12, 1967, 70-86; - Ernst Staehelin, D: Korrespondenz d. Basler Professors Jakob Christoph Beck 1711-1785, Basel 1968; - Rudolf Pfister, KG d. Schweiz, Bd. 3 Von 1720 bis 1950, Zürich 1984; - Theodor Kiefner, D. Waldenser auf ihrem Weg aus d. Val Cluson durch d. Schweiz nach Deutschland 1532.1820/30, Bd. 4: D. Pfarrer d. Waldenserkolonien in Deutschland, Göttingen 1997, 761-764; - Hans-Walter Herrmann, Die Hugenottengemeinde Ludweiler, Bad Karlshafen 1998; - ADB XXXV, 291-293; - HBLS VI, 482; - RGG2 V, 715.
Erich Wenneker
Literaturergänzung:
Martin Staehelin, Johann Jakob Spreng (1699-1768) über Kuhreihen und Namengebung, in: Literatur-Geschichte-Literaturgeschichte. Beiträge zur mediävistischen Literaturwissenschaft. Festschrift für Volker Honemann, Frankfurt am Main u. a. 2003, 335-349.
Letzte Änderung: 03.05.2004