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Band XI (1996)Spalten 5443-547 Autor: Norbert M. Borengässer

TASCHEREAU, Elzéar Alexandre, EB v. Québec, 1. kanad. Kard., * 17.2. 1820 Sainte Marie (de la Nouvelle Beauce), Prov. Québec, + 2.4. 1898 Québec. - T. entstammte einer alten frz. Familie des niederen Adels, aus der in Kanada zahlreiche Persönlichkeiten in Militär, Justiz und Politik hervorgingen. T. besuchte seit 1828 das »Petit Seminaire« in Québec, das er 1836 als einer der brilliantesten Schüler mit Auszeichnung absolvierte. Nach einem Europaaufenthalt bis Sept. 1837 trat er in das »Grand Seminaire de Québec« ein, widmete sich dort intensiven theologischen Studien und unterrichtete selbst im »Petit Seminaire«; mit Dispens empfing er am 10.9. 1842 in seiner Heimatpfarrkirche die Priesterweihe. In den nächsten zwölf Jahren lehrte er im Seminar Philosophie und Theologie. 1849 wurde er in das Direktorium des Seminars berufen und hierdurch 1852 Mitgründer der Laval-Universität in Québec. 1854 zum Weiterstudium nach Rom gesandt, kehrte er 1856 mit dem Doktorat in Kirchenrecht zurück; danach war er Direktor des Kleinen (1856/59) bzw. des Großen Seminars (1859/60), seit 1860 dort Superior. 1862 machte ihn der EB v. Québec zu seinem Generalvikar und unterstellte ihm die Ausbildung der Priester. Hier wie auch als Rektor der Universität (seit 1862) sorgte er für eine möglichst fundierte und breite Ausbildung der späteren Lehrer, indem er u.a. ein entsprechendes Lehrangebot sicherte, den Ausbau der Bibliothek und die Weiterbildung in Europa forcierte. - Im Dez. 1870 designierte ihn Rom als Nachfolger des EB v. Québec, Ch.F. Baillargeon, dessen Konzilstheologe T. auf dem 1. Vaticanum war. Am 19.3. 1871 zum Bisch. geweiht, übernahm er das Erzb. in einer schwierigen Situation, die er durch seine hervorragende Ausbildung und seine persönliche Lebensführung meisterte. Die Führung der kanad. Kirche, die aufgrund persönlicher Schwäche seiner Vorgänger faktisch an die Bischöfe von Montréal verlorengegangen war, nahm er energisch wahr. Sein Hauptaugenmerk galt nach wie vor der Bildung und Ausbildung der Seelsorger und der Lehrer auf allen Ebenen. Neben dem Ausbau der Universität gründete er neue Seminare und reorganisierte solche, die von der Auflösung bedroht waren. Zahlreiche Orden und Kongregationen die auf dem Gebiet der schulischen Ausbildung wie im sozialen Sektor tätig waren, folgten seinem Ruf und gründeten in seiner Diözese Niederlassungen. T. führte zwar Vorlesungen über Probleme der Arbeiterschaft ein, förderte caritative Einrichtungen zur Linderung der sozialen Not, bekämpfte aber die Gewerkschaften (»Knights of Labor«) als mit Materialismus und Freimaurertum verbündet und erreichte sogar ein Verbot Roms. Den personellen und strukturellen Anforderungen seiner durch Immigrantenzuzug schnell wachsenden Diözese trug er durch drei Provinzialkonzilien, denen er präsidierte, 1873, 1878 und 1886 sowie durch seit 1875 alle zwei Jahre stattfindende Bischofskonferenzen der Kirchenprov. Québec Rechnung. Sein paternalistischer, autoritärer Führungsstil blieb nicht immer ohne Widerspruch; selbst seine Suffragane opponierten anfangs gegen ihn. Sein Organisationstalent, sein Einfallsreichtum, sein verbindliches und sicheres Auftreten verbunden mit seiner disziplinierten Lebensführung und seiner Frömmigkeit (T. war ein großer Marienverehrer) forderten bald Anerkennung und Respekt. Rom krönte T.s Lebenswerk 1886 mit der Ernennung zum ersten kanad. Kardinal. - Seit 1887 ließ seine körperliche Konstitution nach, so daß er seine Aktivitäten erheblich einschränken und 1891 um einen Koadjutor nachsuchen mußte, dem er 1894 die Verwaltung des Bistums offiziell übergab. Als T. 1892 das goldene Priester- und 1896 das silberne Bischofsjubiläum feiern konnte, führte er ein zurückgezogenes Leben in Gebet und Betrachtung. Am 12.4. 1898 kam der lang erwartete Tod.

Werke: Discipline du diocèse de Québec, 1879 (21895); Remarques de l'archevêque de Québec sur le mémoire de l'évêque de Trois-Rivières sur les difficultés religieuses en Canada, 1882; Remarques ... et réponse de l'évêque de Trois-Rivières à ces remarques, 1884; Histoire du séminaire des missions étrangères de Québec, in: Le Canada français, 2e sér. 20 (1932/33) 628-634; seine Pastoralbriefe sind veröffentlicht in: Mandements, lettres pastorales et circulaires des évêques de Québec, édit. Henri Têtu/Charles-Octave Gagnon, nouv. sér. 1-4, 1887ff. Zahlreiche Akten, Briefe u.a. liegen unpubliziert im Erzbisch. Archiv in Québec und im Archiv der Propaganda Fide, Rom.

Lit.: T.-E. Hamel, Le premier cardinal canadien. Souvenir de 1886, 1886; - Henri Têtu, Notices biographiques: les évêques de Québec, 1889, Neuausgabe 1930; - ders., Notice biographique, S.E. le cardinal T., 1891; - ders., Les souvenirs politiques de l'honorable Chs Langelier et le premier cardinal canadien, in: La Semaine religieuse de Québec 21 (1908/09) 665-669.681-685.697-703; - Appletons' Cyclopaedia of American Biography VI (1889) 36; - A.-H. Gosselin, 1842-1892, jubilé sacerdotal de S.E. le cardinal E.-A. T. ..., 1892; - O.E. Mathieu, E.-A. T. (Nachruf), in: L'Annuaire del'Université Laval, 1898/99, 1898, 145-166; - David Gosselin, Le cardinal T. (1820-1898) (Nachruf), in: La Semaine religieuse de Québec 10 (1897/98) 531-536; - P.G. Roy, La Famille T., 1901; - Henry Browne, The Cath. Church and the Knights of Labour, 1949; - D.C. Lyne, Sir John A. Macdonald and the appointment of the first cardinal, in: Journal of Canadian Studies 2, 4 (1967) 58-69; - J.-R. Gaudin, Les rapports entre l'Église et l'État d'après le cardinal E.-A. T., 1972; - Oskar Köhler, Das kath. Selbstbewußtsein im British Empire, in: HdKG VI,2, 152-154; - ders., The American Way, in: ebd. 166-168 (jeweils mit Lit.); - Jacques Grisé, Les conciles provinciaux de Québec et l'Église canadienne (1851-1886), 1979; - G.-M. Oury, Dom Guéranger et le cardinal T. La vocation monastique du premier cardinal canadien, in: Cahiers des Dix 42 (1979) 9-24; - Gerald P. Fogarty, The Vatican and the American Hierarchy = Päpste und Papsttum 21, 1982, 87-89; - DNB LV (1898) 372 f. (Lit.); - Who was who I: 1897-1916 (1920, 41953) 697; - EncCanad X (1958) 20; - CathEnc XIV, 462 f.; - EC XI, 1779; - NewCathEnc XIII, 941; - Dict. of Canadian Biography XII: 1891-1900 (Toronto 1990) 1016-1024. - Eine umfassende Biographie fehlt.

Norbert M. Borengässer

Letzte Änderung: 11.07.1999