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Band XI (1996)Spalten 580-582 Autor: J. Jürgen Seidel

TAUSEN (Tausan, Tausanuns, Tausonius, Tavsen) Hans (Johannes) Andreas (Vedel), dänischer Reformator, Bischof * 1494 in Birkende bei Kierteminde (Fünen), Sohn eines unbemittelten Bauern, + 11.11. 1561 in Ribe; verh. 1. (1527) mit Dorothea Sadolin, verh. 2. (1538) mit Ane Andersdotter. - T. war Schüler des Humanisten Borup; 1515 Aufnahme in den Kreuzbruder-Orden St. Johannis im Kloster Antvorskov bei Slagelse auf Seeland, Studium in Löwen und Köln, lernte hier Luthers Schriften kennen; 1520 Vorlesungen über die »Oekonomia« des Aristoteles; 1521 wieder in Antvorskop und bald darauf in Kopenhagen, wo er mit den dortigen Professoren in Disput trat, die ihn kurz darauf mit theologischen Vorlesungen beauftragten; 1522 in Löwen, 1523 begab er sich heimlich zu Luther nach Wittenberg, wegen seines reformat. Bekenntnisses wurde er 1524 von s. Kloster n. Dänemark zurückgerufen. Auf der Rückkehr promovierte er in Rostock zum Magister der Philosophie, bald darauf Ausweisung aus dem Kloster sowie aus dem ganzen Seeland und Fünen; T. ging nach Wiborg auf Jütland, dem Zentrum eines heidnischen Opferkultes; erhielt Aufnahme im dortigen Kloster, wurde zum Lesemeister beauftragt und predigte den erneuerten Glauben. Bischof Jörgen Fries ließ ihn daraufhin inhaftieren. 1526 Entlassung aus dem Orden. Daraufhin stellte ihn der dem erneuerten Bekenntnis zugewandte König Friedrich I. unter seinen Schutz und beauftragte ihn 1526 zu seinem Kapellan in Viborg. Nach der reformatorischen Durchdringung der Kirche in Viborg wurde T. an die Nikolaikirche in Kopenhagen berufen. Hier führte er wie bereits in Viborg dänischen Gemeindegesang ein und unterstützte die dänischen Bibelübersetzungen und ihre Verbreitung. - Durch Kaufleute wurde auch in Dänemark der reformatorischen Bewegung der Weg bereitet. Hinzu kam die Verärgerung des Volkes über den Ablasshandel, wie ihn Arcimbald anpries, sowie die Chance für König Christian II, den Einfluß des Klerus zu mindern und den Besitz der römischen Kirche an sich zu bringen. Er erbat von seinem Onkel, dem sächsischen Kurfürsten Friedrich d. Weisen, einen Prediger der erneuerten Lehre und erhielt Martin Reinhardt, dessen Predigtweise allerdings auf wenig Interesse stieß, so wurde T. 1528 Pfarrer in Viborg, seit Sommer 1529 an der Nikolaikirche in Kopenhagen. - An dem vom König einberufenen sog. Herrentag 1530 kam es zu einem Disput zwischen den Katholischen und den Neugläubigen. Diese legten ein »Bekenntnis« in 43 Artikeln vor, vermutlich aus der Feder von T. Diese Disputation führte zur Duldung der Lutheraner in Dänemark und zur Erklärung, daß der König beiden religiösen Parteien seinen Schutz angedeihen lasse. Der Tod des Königs 1532 führte kurzzeitig zu einer Reaktion gegen die Lutheraner und gegen T., der aus Seeland und Schonen verbannt werden sollte, jedoch durch das Volk geschützt wurde und seine Kopenhagener Pfarrstelle weiterhin führen konnte. Der 1536 eingesetzte König Christian III. führte die Reformation des Landes endgültig durch, verhaftete die römischen Bischöfe und erklärte die evangelisch-protestantische Kirche zur Staatskirche Dänemarks. An der Ausarbeitung der neuen Kirchenordnung war T. als Kommissionsmitglied beteiligt.

Werke: En Haandbog for sogne praester 1535 og 1537; 5 Moseboger (1535, 15372), ed. B. Kornerup (Kobenhavn 1932); Smaaskrifter, ec. H. Rordam (Kobenhavn 1870), Postil I-II, ed. B. Kornerup (Kobenhavn 1934, faksim.); Psalmebogen, ed. P. Gamrath (Kobenhavn 1944); Skrifter fra reformationstiden I, 1970.

Lit.: Paul Rön, Vor Danske Luther, Kopenhagen 1757; - Friedrich Münter, Kirchengeschichte von Dänemark und Norwegen, 3. T., Leipzig 833; - J. S. Bloch-Suhr, Bondefönnen Biskop Johannes Tausen. Kopenhagen 1846; - Ludwig Schmitt, J.T., Köln 1894; - Holger Fr. Rördam / Marie Christensen, H.T., Kobenhavn 1942; - Niels Knud Andersen, Confessio Hafniensis, 1954; - Hal Koch / B. Kornerup, Den Danske Kirkes Historie IV, 1959, 30f.; - G. Schwaiger, Die Reformation in den nord. Ländern, München 1962, 44ff. u.ö.; - Real-Enc. f prot. Th. u. K., 15, Leipzig 1883, 262-269; - RGG3, VI, 662; - LThK 9 (1964), 1330f.; - RE XIX, 459ff.; - DBL XXIII, 367-379; - NTL III, 840ff.; - Dansk Biografisk Lexikon, Bd. 14, Kobenhavn 1983, 378-385; - Forfatterlexikon, VIII, 157-158; - TRE VIII (Dänemark). Handschriften u. Dokumente in Kgl. Bibl. og Landsark for Norrejylland, Viborg.

J. Jürgen Seidel

Letzte Änderung: 11.07.1999