TAUSEN (Tausan, Tausanuns, Tausonius, Tavsen) Hans (Johannes) Andreas
(Vedel), dänischer Reformator, Bischof * 1494 in Birkende bei Kierteminde
(Fünen), Sohn eines unbemittelten Bauern, + 11.11. 1561 in Ribe;
verh. 1. (1527) mit Dorothea Sadolin, verh. 2. (1538) mit Ane Andersdotter.
- T. war Schüler des Humanisten Borup; 1515 Aufnahme in den Kreuzbruder-Orden
St. Johannis im Kloster Antvorskov bei Slagelse auf Seeland, Studium
in Löwen und Köln, lernte hier Luthers Schriften kennen; 1520 Vorlesungen
über die »Oekonomia« des Aristoteles; 1521 wieder in Antvorskop und
bald darauf in Kopenhagen, wo er mit den dortigen Professoren in Disput
trat, die ihn kurz darauf mit theologischen Vorlesungen beauftragten;
1522 in Löwen, 1523 begab er sich heimlich zu Luther nach Wittenberg,
wegen seines reformat. Bekenntnisses wurde er 1524 von s. Kloster
n. Dänemark zurückgerufen. Auf der Rückkehr promovierte er in Rostock
zum Magister der Philosophie, bald darauf Ausweisung aus dem Kloster
sowie aus dem ganzen Seeland und Fünen; T. ging nach Wiborg auf Jütland,
dem Zentrum eines heidnischen Opferkultes; erhielt Aufnahme im dortigen
Kloster, wurde zum Lesemeister beauftragt und predigte den erneuerten
Glauben. Bischof Jörgen Fries ließ ihn daraufhin inhaftieren. 1526
Entlassung aus dem Orden. Daraufhin stellte ihn der dem erneuerten
Bekenntnis zugewandte König Friedrich I. unter seinen Schutz und beauftragte
ihn 1526 zu seinem Kapellan in Viborg. Nach der reformatorischen Durchdringung
der Kirche in Viborg wurde T. an die Nikolaikirche in Kopenhagen berufen.
Hier führte er wie bereits in Viborg dänischen Gemeindegesang ein
und unterstützte die dänischen Bibelübersetzungen und ihre Verbreitung.
- Durch Kaufleute wurde auch in Dänemark der reformatorischen
Bewegung der Weg bereitet. Hinzu kam die Verärgerung des Volkes über
den Ablasshandel, wie ihn Arcimbald anpries, sowie die Chance für
König Christian II, den Einfluß des Klerus zu mindern und den Besitz
der römischen Kirche an sich zu bringen. Er erbat von seinem Onkel,
dem sächsischen Kurfürsten Friedrich d. Weisen, einen Prediger der
erneuerten Lehre und erhielt Martin Reinhardt, dessen Predigtweise
allerdings auf wenig Interesse stieß, so wurde T. 1528 Pfarrer in
Viborg, seit Sommer 1529 an der Nikolaikirche in Kopenhagen. -
An dem vom König einberufenen sog. Herrentag 1530 kam es zu einem
Disput zwischen den Katholischen und den Neugläubigen. Diese legten
ein »Bekenntnis« in 43 Artikeln vor, vermutlich aus der Feder von
T. Diese Disputation führte zur Duldung der Lutheraner in Dänemark
und zur Erklärung, daß der König beiden religiösen Parteien seinen
Schutz angedeihen lasse. Der Tod des Königs 1532 führte kurzzeitig
zu einer Reaktion gegen die Lutheraner und gegen T., der aus Seeland
und Schonen verbannt werden sollte, jedoch durch das Volk geschützt
wurde und seine Kopenhagener Pfarrstelle weiterhin führen konnte.
Der 1536 eingesetzte König Christian III. führte die Reformation des
Landes endgültig durch, verhaftete die römischen Bischöfe und erklärte
die evangelisch-protestantische Kirche zur Staatskirche Dänemarks.
An der Ausarbeitung der neuen Kirchenordnung war T. als Kommissionsmitglied
beteiligt.
Werke: En Haandbog for sogne praester 1535 og 1537; 5
Moseboger (1535, 15372), ed. B. Kornerup (Kobenhavn 1932);
Smaaskrifter, ec. H. Rordam (Kobenhavn 1870), Postil I-II, ed. B.
Kornerup (Kobenhavn 1934, faksim.); Psalmebogen, ed. P. Gamrath (Kobenhavn
1944); Skrifter fra reformationstiden I, 1970.
Lit.: Paul Rön, Vor Danske Luther, Kopenhagen 1757; -
Friedrich Münter, Kirchengeschichte von Dänemark und Norwegen, 3.
T., Leipzig 833; - J. S. Bloch-Suhr, Bondefönnen Biskop Johannes
Tausen. Kopenhagen 1846; - Ludwig Schmitt, J.T., Köln 1894; -
Holger Fr. Rördam / Marie Christensen, H.T., Kobenhavn 1942; -
Niels Knud Andersen, Confessio Hafniensis, 1954; - Hal Koch /
B. Kornerup, Den Danske Kirkes Historie IV, 1959, 30f.; - G. Schwaiger,
Die Reformation in den nord. Ländern, München 1962, 44ff. u.ö.; -
Real-Enc. f prot. Th. u. K., 15, Leipzig 1883, 262-269; - RGG3,
VI, 662; - LThK 9 (1964), 1330f.; - RE XIX, 459ff.; -
DBL XXIII, 367-379; - NTL III, 840ff.; - Dansk Biografisk
Lexikon, Bd. 14, Kobenhavn 1983, 378-385; - Forfatterlexikon,
VIII, 157-158; - TRE VIII (Dänemark). Handschriften u. Dokumente
in Kgl. Bibl. og Landsark for Norrejylland, Viborg.