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Band XI (1996)Spalten 584-585 Autor: Ekkart Sauser

TAVELIC, Nikolaus u. Gefährten: Hl., Franziskaner und Märtyrer, * 1340 in Sibenik in Kroatien, + 14.11. 1391 in Jerusalem, Fest. 14.11. - Bereits in jungen Jahren dem Franziskanerorden beigetreten, wirkte er über 10 Jahre in Bosnien und dann mehrere Jahre im Konvent zu Jerusalem. 1384 reiste er mit Bruder Deodat nach Palästina. Dort verfaßten beide in Verbindung mit den Mitbrüdern Petrus von Narbonne (Südfrankreich) und Stephan von Cuneo (südlich von Turin) unter inständigem Beten eine Dichtung zur Verteidigung des christlichen Glaubens. Am 11. November 1391 geschah nach einem zeitgenössischen Bericht Folgendes: »Um die dritte Stunde begannen sie, was sie schon lange geplant hatten, auszuführen. Jeder hatte ein Heft oder eine kleine Papierrolle in Italienisch oder Arabisch bei sich. Sie gingen gemeinsam zunächst zum Tempel Salomos, wurden aber am Eintreten gehindert. Zum Hause des Richters geführt, holten sie ihre Papierrollen hervor und begannen ihm vorzulesen. »Der Kadi jedoch stoppte das Vorhaben dieser vier Franziskaner und jagte sie davon. Vor dem Tempel war bereits ein Aufruhr entstanden, man stieß und trat sie und zerraufte ihr Haar. Nach drei Tagen schrecklichsten Martyriums wurden sie zu dem Platz geführt, wo Verbrecher gewöhnlich bestraft werden. Vor dem Befehlshaber, dem Richter und einer Menge Soldaten mit gezogenen Schwertern und einem lodernden Scheiterhaufen fragte man sie nochmals, ob sie ihre Behauptungen zurücknehmen und Sarazenen werden wollten, um so dem Tode zu entgehen«. Dieses Ansinnen lehnten sie ab: »Als dies die Schar der umstehenden Sarazenen hörte, stürzten sich alle wie besinnungslos vor Wut auf die Märtyrer, hackten sie grausam in Stücke, sodaß sie kein menschliches Aussehen mehr hatten. Dann warfen sie die zerstückelten Leiber ins Feuer, die aber trotzdem nicht verbrannten. Sie Menge blieb den ganzen Tag dabei stehen, um zu gaffen, und schleppte immer neues Holz herbei bis in die Nacht hinein. Sie verstreuten die Asche und versteckten die Gebeine, damit die Christen sie nicht finden sollten.« (Aus dem zeitgenössischen Bericht). - Ihr Kult bestätigt, am 21. Juni 1970 von Paul VI. heiliggesprochen.

Lit.: O. Wimmer-H. Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen, bearbeitet und ergänzt von J. Gelmi, Innsbruck-Wien 1988, 609; - V. Schauber-H.M. Schindler, Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf, Augsburg 1992, 587; - O. Lechner-U. Schütz, Mit den Heiligen durch das Jahr, Freiburg i.Br.-Basel-Wien 1987, 228; - A AS 63 (1971), 346 ff.; - D. Mandic, Documenta maryrii beati Tavelic, Roma 1958; - A. Crnica, Historico-iuridica dilucidatio vitae, martyrii et gloriae beati N. Tavelic, Roma 1958, Die Feier des Stundengebetes-Franziskanisches Proprium, Freiburg-Basel-Wien 1980, 372-375.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 11.07.1999