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Band XX (2002)Spalten 1449-1451Ekkart Sauser

TENHUMBERG, Heinrich: Bischof von Münster, * 4.6. 1915 in Lünten bei Vreden, † 16.9. 1979 in Münster. - T. wurde als ältestes von 6 Kindern einer Bauernfamilie geboren. - 1930 ging er nach Münster. Dort wohnte er im Collegium Ludgerianum am Domplatz und machte seine Gymnasialstudien am ehrwürdigen Paulinum. Dann trat er in das Theologenkonvikt Borromaeum in Münster ein. Bereits auf der Unterprima des Gymnasiums kam er mit der Schönstattfamilie in Kontakt. 1936 legte er seine Weihe zur Bundesgemeinschaft der Theologen in Schönstatt ab. - Der Kontakt zu Pater Josef Kentenich hatte weiter für sein ganzes Leben große Bedeutung. - Seine Studien an den theol. Fakultäten in Münster und Freiburg i. Br. haben zwar sein Wissen bereichert, von einer eigentlichen Formung seines Lebens an diesen Stätten aber kann nicht gesprochen werden. Dies geschah durch die Schönstattbewegung und die Jugendarbeit. Am 23. September 1939 erhielt er die Priesterweihe. 1940 kam er als Kaplan nach St. Bonifatius, Marl-Brassert. Hier traf er ganz entscheidend auf die Probleme der Industrie-Seelsorge. 1942 wurde er als Sanitäter zur Marine eingezogen. 1945 kam er als Vikar nach Freckenhorst. Dort traf ihn das ganze Elend der Flüchtlingsströme aus dem Osten. Im November 1947 kam es zur ersten Begegnung mit dem neuen Bischof von Münster, Michael Keller. Dieser sollte T. entscheidend fördern und formen. Am 14. Dezember 1947 wurde T. Domvikar. Zugleich wurde er betraut mit der Koordination des Laienapostolates und der Leitung der Katholischen Landjugend im Bistum Münster. Nun bricht bei T. das ganze Interesse für das kath. Vereinswesen auf, aber eben mit Blick auf Erneuerung, ja neuen Formen. Am l9. Mai 1958 ernannte ihn Pius XII. zum Titularbischof von Tuburnica und Weihbischof in Münster. Während des 2.Vatikanischen Konzils war er in Rom. Besonderes Interesse zeigte er da am Dekret über das Laienapostolat und an der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute. Während seines Romaufenthaltes konnte er auch sehr für die Schönstattbewegung wirken, die damals vielen Verdächtigungen ausgesetzt war. So konnte Pater Kentenich Weihnachten 1965 aus Milwaukee heimkehren. 1965 übernahm T. auch den Vorsitz des Generalpräsidiums des Internationalen Schönstattwerkes. Ende 1966 übernahm er die Leitung des "Katholischen Büros" in Bonn. - Auch das Problem der Dritten Welt lag ihm sehr am Herzen. So gründete er am l8. Dezember 1967 einen Dachverband aller bischöflichen Hilfswerke, die mit der Dritten Welt zu tun hatten. - Am 7. Juli 1969 folgte er Joseph Höffner als Bischof von Münster. - In der erregten Stimmung der Zeit nach dem Konzil, da alles auf Erneuerung drängte, fand Kardinal Döpfner in T. einen sehr geeigneten Helfer, ja Mitstreiter. - Mit Recht bemerkt Heinz Mussinghoff: "H. T. war ein wacher und engagierter Redner, der einen Mittelkurs gesunder Reformen suchte... H. T. blieb auf Grund seiner Erfahrungen, seiner Kontakte und seiner Dialogfähigkeit ein wichtiger Gesprächspartner der Kirche zu Politikern, Verbänden und Gruppen.... Innerhalb der Bischofskonferenz übernahm er 1970 das Referat für Jugendfragen und 1971 den Vorsitz der Pastoralkommission... Stets blieb H. T. ein für politische und gesellschaftliche Fragen aufgeschlossener Bischof. Wohl kein deutscher Bischof hat so oft mahnend seine Stimme erhoben gegen die beabsichtigte Freigabe der Abtreibung wie er.... Bei der Fülle seines Engagements im gesamtkirchlichen und im politisch-gesellschaftlichen Raum fand er immer noch genügend Zeit für das eigene Bistum. Er sah den Bischof in seiner Verantwortung für die gesamte Kirche und das eigene Bistum... Kern seiner Pastoral war die Sorge um die Priester. Ausdruck dieser Sorge waren die Begegnungen auf Pastoral- und Dekanatskonferenzen, viele Einzelgespräche und ausführliche Pfingtsbriefe an die Priester und Mitarbeiter in der Pastoral" (H. Mussinghoff: Heinrich Tenhumberg, in: W. Thissen (Hrsg.): Das Bistum Münster, Bd. I, S. 334-335). - Die Weckung des Laienapostolates, der Familien- und Gemeindepastoral, der feierlich gestalteten Liturgie, der Bußerziehung wie der Ökumenischen Bewegung wären noch zu nennen. - Ganz verbraucht, starb er an einem Herzleiden ganz überraschend.

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Lit.: (LThK3 Bd. 9, Sp. 1335 (W. Damberg); - H. Mussinghoff: H. T. (1969-1979) Das Bistum Münster, Hrsg. v. W. Thissen, Bd. I, Münster 1993, 328-338; - W. Damberg: H. T. (1915-1979): Zeitgeschichte in Lebensbildern, Bd. 9, hrsg. von J. Aretz u. a., Münster 1999, 134-148.

Ekkart Sauser

Werkeergänzung:

1976

Grundzüge im soziologischen Bild des westdeutschen Dorfes, in: Landvolk in der Industriegesellschaft. Hannover 1952. 20-50; Der Bischof antwortet - Briefe an den Bischof von Münster u. seine Antworten in "Kirche u. Leben". Kevelaer 1972; Bischofsworte zum Emmerick-Jahr 1974 - Anna Katharina Emmerick 1774-1824. Münster 1976; Ihr seid mein Brief - Ansprachen, hrsg. von Franz Brügger (Kleine Schönstatt-Reihe). Vallendar 1976;

1978

Maria - Zukunft der Kirche, Zukunft der Welt (Steinfelder Kleinschriften 7). Steinfeld 1978; "Sagen Sie mal, Herr Bischof..." - Heinrich Tenhumberg antwortet auf Glaubens- und Lebensfragen. Kevelaer 1978;

1989

Ein Mann für die Zukunft - Heinrich Tenhumberg zu Fragen nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Lünen 1989.

Literaturergänzung:

1979

Rez. von Karl Hugo Breuer zu Heinrich Tenhumberg, Sagen Sie mal, Herr Bischof ..., in: Die Heimstatt, 27. Jg. (1979), S. 252; -

1998

Wilhelm Damberg, Moderne und Milieu 1802-1998 (Geschichte des Bistums Münster Bd. 5), Münster 1998 (s. Reg.).

Letzte Änderung: 17.12.2011