THEODERICH (Theodericus, Diedericus, Deodericus, Teodericus, Teodoricus, Theodoricus, Teodricus, Thiederichus, Tiedericus) von Verdun, Bisch. von Verdun, * unbekannt, + 28.4. 1089 in Verdun. - Th. war ein Sohn des wohl oberdeutschen Grafen Wezelo (Guezelo) und vor seiner Ernennung durch Heinrich III. Angehöriger von dessen Hofkapelle und Propst in Basel. Es ist möglich, daß der eben zum Kaiser gekrönte Herrscher Th. an Weihnachten 1046 in Rom zum Bischof erhoben hatte. Urkundlich erstmals als Bisch. faßbar ist er freilich erst am 10.06. 1047. Er hatte von Heinrich III. auch die Verfügung über die Grafschaft Verdun erhalten. Im Verlauf der Erhebung Gottfrieds III. des Bärtigen, Herzog von Oberlothringen, der sich mit Balduin V. von Flandern verbündet hatte, wurde Verdun von den Truppen der Aufständischen am 25.10. 1047 zerstört. Der rasche Wiederaufbau der Kathedrale gelang dem Bischof durch die Mithilfe der benachbarten Fürsten und Bisch. in kurzer Zeit. Im Kampf gegen die Simonie unterstützte er seinen ehemaligen Touler Mitbisch., Papst Leo IX. - Am 5.10. 1057 nahm er in Speyer an der Übergabe des Bischofsstabes an Gundekar II. von Eichstätt (1057-1075) teil. 1066 überführte er den Leichnam des im gleichen Jahr ermordeten Trierer Elekten Kuno (Konrad) nach Tholey. Er wirkte 1074/75 an der von Papst Gregor VII. angeordneten Untersuchung von Anklagen mit, die von einem Touler Kleriker gegen seinen Bisch. Pibo (1069-1107) erhoben wurden. Zu Beginn des sog. Investiturstreits war Th. dem Hoftag Heinrichs IV. zu Worms (24.1. 1076) ferngeblieben und hatte sich zu Ostern des gleichen Jahres (27.3.) in Utrecht von einer vom Kg. einberufenen Versammlung, die Gregor VII. exkommunizieren sollte, heimlich entfernt. Trotzdem wurde er vom Papst bei Strafe der Exkommunikation zur Buße ermahnt und unterwarf sich schließlich durch Boten. Im Oktober 1074 begleitete Theoderich Heinrich IV. von Oppenheim nach Speyer. Er wurde nur wenig später, als er dem nach Italien aufgebrochenen Kg. folgte, vom Gf. Adalbert von Calw gefangengenommen und längere Zeit in Gewahrsam gehalten. An der römischen Fastensynode 27.2./3.3. 1078 nahm er als Legat Heinrichs IV. teil. Im Mai 1080 erhob Th. in einem Schreiben an Klerus und Volk des römischen Reiches heftige Vorwürfe gegen den Papst, den er nur als Hildebrandus bezeichnete, und rief zur Wahl eines Papstes auf. Nur kurze Zeit später - nach einem Aufenthalt am Hofe Heinrichs IV. zu Mainz am Pfingstfest (31.5.) - erklärte er in einem Brief an den Elekten Egilbert von Mainz (1079-1101), seine Kirche habe ihm die Gefolgschaft verweigert, weil er sich - wenn auch gezwungen - am Königshof gegen Gregor VII. ausgesprochen hatte. Deswegen könne er gegenwärtig, da er dem Stellvertreter Petri noch nicht Genugtuung geleistet habe, nicht zur Bischofsweihe nach Trier kommen. Schließlich riet er Egilbert, sich, solange das gegenwärtige Schisma dauere, nicht weihen zu lassen. Daß sich Th. aber schon im Sommer 1081 wieder Heinrich IV. und dessen Papst Clemens III. zugewandt hatte, verdeutlicht eine Schrift, die der Trierer Scholaster Wenrich im Auftrag des Bisch. von Verdun verfaßt hatte. Dieser erneute Sinneswandel war wohl durch den Italienzug Heinrichs IV. verursacht worden. Vom gerade erst in Rom zum Kaiser gekrönten dt. Herrscher dazu veranlaßt (1084), weihte Th. im Oktober 1084 in Mainz den Elekten Egilbert von Mainz. Er nahm an der Synode von Mainz (Ende April bis Anfang Mai 1085) teil, die die Gegner Heinrichs IV. verurteilte.
Quellen: Gesta episcoporum Virdunensium auctoribus Bertario et Anonymo monachis S. Vitoni Continuatio c. 11-11 (12) [MG SS 4) Hannover 1841, 50 f.; Laurentii de Leodio Gesta episcoporum Virdunensium et abbatum S. Vitoni c. 1-9, ed. Georg Waitz (MG SS 10), Hannover 1852, 491-497; Chronicon Hugonis monachi Virdunensis, abbatis Flaviniacensis lib. 2 (MG SS 8), Hannover 1848, 406-472 (passim); Wenrici scolastici Trevirensis epistola sub Theoderici episcopi Virdunensis nomine composita, ed. Kuno Francke (MG Liblit 1), Hannover 1891, 280-299; Actes des Princes Lorrains 2ème série: Princes ecclésiastiques III: Les éveques de Verdun A - des origines à 1107, ed. Jean-Pol Evrard, Nancy 1977, 109-155 (Nr. 54-77).
Lit.: Richard de Wassebourg, Antiquitez de la Gaule Belgicque, Bd. 1, Paris 1549, fol. CCXXXVIv-CCLIr; - Gallia Christiana, Bd. 13, Paris 1785, Sp. 1187-1189; - Nicolas Roussel, Histoire ecclésiastique et civile de Verdun avec le pouille, la carte du diocése et le plan de la ville en 1745, edition revue et annotée, Bd. 1, Bar-Le-Duc 1863, 237-249; - Nicolas-Narcisse Robinet, Pouillé du diocèse de Verdun, Verdun 1888, 14-16; - Charles-N. Gabriel, Verdun au XIe siècle, Verdun 1891 (Nachdr. Genf 1975) [passim]; - Benno Morret, Stand und Herkunft der Bischöfe von Metz, Toul und Verdun im Mittelalter (phil. Diss.), Düsseldorf 1911, 66-81; - Josef Fleckenstein, Die Hofkapelle der deutschen Könige, Tl. 2 (Schrr. der MG 16,2) Stuttgart 1966, 257, 277; - Jean-Pol Evrard, Thierry le Grand, évêque de Verdun (1049-1089), Verdun (phil. Diss. masch.) 1970; - Herbert Zielinski, Der Reichsepiskopat in spätottonischer und salischer Zeit (1002-1125), Tl. 1, Wiesbaden 1984, 232, 282; - Franz-Reiner Erkens, Die Trierer Kirchenprovinz im Investiturstreit (Passauer historische Forschungen 4) Köln/Wien 1987, 66-81; - Mechthild Sandmann, Theoderich von Verdun und die religiösen Gemeinschaften seiner Diözese, in: Person und Gemeinschaft im Mittelalter. Karl Schmid zum 65. Geburtstag, hrsg. v. Gerd Althoff u.a., Sigmaringen 1988, 315-344; - Albrecht Graf Finck von Finckenstein, Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozess des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056) [Studien zur Mediävistik 1) Sigmaringen 1989, 26, 46, 83, 236 f.
Georg Kreuzer
Letzte Änderung: 17.12.2011