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Band XI (1996)Spalten 971-972 Autor: Georgios Fatouros

THEODOROS LEKTOR (ANAGNOSTES), Kirchenhistoriker (letztes Viertel des 5. - erste Hälfte des 6. Jahrhunderts). - T. stammte aus einer vornehmen Konstantinopler Familie. Sein Vater war procurator (Entoleus). Anfang des 6. Jahrhunderts bekleidete T. das Amt eines Anagnostes (Vorlesers) der Sophienkirche zu Konstantinopel. Aus dem Widmungsbrief zu seiner Kirchengeschichte erfahren wir, daß T. sein erstes Geschichtswerk, die Tripartita, im Auftrage eines Klerikers aus dem paphlagonischen Gangra geschrieben hat. Augrund dieser Information hat man vermutet, daß T. sich um das Jahr 515 als Anhänger des Patriarchen Makedonios II. in Gangra im Exil befand. Auch approximativ läßt sich die Zeit seines Todes nicht bestimmen.

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Werke: 1) Historia tripartita, Kirchengeschichte in vier Büchern, noch nicht herausgegeben. Es handelt sich um wortgetreue Exzerpte aus den Werken des Sokrates, Sozomenos und Theodoretos, die in synoptischer Weise dargelegt werden und die die Zeit der genannten Kirchenhistoriker umfassen (305-428). Um das Jahr 560 fertigte der Mönch Epiphanios im Auftrage Cassiodors, der nach dem Vorbild T.'s seine eigene Kirchengeschichte `historia ecclesiastica tripartita' nannte, eine lateinische Übersetzung des ersten und eines Teils des zweiten Buches der Kirchengeschichte des T., die dann Cassiodor seinem Werk einverleilbte. Am Anfang des 7. Jahrhunderts wurde aufgrund der Hilstoria tripartita des T. eine Epitome erstellt, die in der Folgezeit ausgiebig benutzt wurde. 2) Ἐκκλησιαστικὴ ἱστορἰα , Kirchengeschichte in vier Büchern; ed. H. de Valois Seigneur d'Orcé, Historiae Ecclesiasticae Scriptores Graeci: Eusebius Pamphilus, Socrates Scholasticus ... cum excerptis Philostorgii et Theodori Lectoris &c.,III. Amsterdam 1700, nachgedruckt in: Migne, PG 86, 165A-228B; ed. G.C. Hansen, Theodoros Anagnostes, Kirchengeschichte (GCS 54). Berlin 1971. Es handelt sich um eine (in Exzerpten erhaltene) Fortsetzung des erstgenannten Werkes, die die kirchenpolitisch bedeutenden Ereignisse der Jahre 439-527 behandelte. - Beide Werke des T. wurden von den späteren byzantinischen Historikern und Chronographen als wichtige Quelle für die Zeit von Konstantin d.Gr. bis Justin betrachtet und daher weitgehend benutzt.

Lit.: L. Allatius, De Theodoris, nachgedruckt in: A. Mai, NPB VI: 1. Rom 1853, 152 f., nachgedruckt in: Migne, PG 86, 157 f.: - G. Dangers, De fontibus, indole et dignitate librorum quos de historia ecclesiastica scripserunt Theodorus Lector et Evagrius. Göttingen 1841: - E. M. Bouvy, Théodore le lecteur et Jean d'Egée. Annales de philosophie chrétienne, Ser.7, 86 (1871) 325 f.: - E. Miller, Mélanges de philologie et d'épigraphie, I. Paris 1876,45 f.: - J. V. Sarrazin, De Theodoro Lectore, Theophanis fonte praecipuo (Commentationes philologae Jenenses, 1). Leipzig 1881: - C. de Boor, Zu Theodorus Lector. ZKG 6 (1883-4) 573 f.: - F. Diekamp, Zu Theodorus Lector. Hist. Jahrbuch 24 (1903) 553 f.: - J. Bidez, La tradition manuscrite de Sozomène et la Tripartite de Thédore le Lecteur (TU 32,2b). Leipzig 1908: - H. G. Opitz, in: Pauly-Wissowa, RE V A,2 (München 1934) 1869 f.: - Bardenhewer V 117 f.: - E. Amann, in: DThC 15 (1946) 232 f.; G. C. Hansen a.a.O. ix f.

Georgios Fatouros

Letzte Änderung: 17.12.2011