Verlag Traugott Bautz |
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THIRWALL, Connop, * 1797, + 1875, englischer Historiker, Bischof. Nach einer harten und ungewissen Jugendzeit erhielt er seine Ausbildung am Trinity College, in dessen Kollegium er 1818 als »Fellow« berufen wurde. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Lincoln's Inn wandte er sich dem kirchlichen Dienst zu. Im Jahre 1828 wurde er zum Priester geweiht. Vier Jahre später, 1832, erhielt er einen Lehrauftrag als »Assistant Tutor« am Trinity College. Doch schon 1834 mußte er diese Stellung aufgeben. Er war angezeigt worden, sich in der Kapelle öffentlich in die Kontroverse um die Zulassung von Nicht-Anglikanern (»Dissenters«) an die Universitäten eingemischt zu haben. In demselben Jahr wurde ihm die Pfarrstelle von Kirby Underdale angeboten. Hier schrieb er sein Hauptwerk über die Geschichte Griechenlands. Im Jahre 1840 ernannte ihn Lord Melbourne zum Bischof von St. David's in Menevia (daher der offizielle Titel »episcopus Meneviensis«). Th. erlernte nun auch die walisische Sprache und stellte in seiner Diözese das kirchliche Leben wieder her. Als Bischof nahm er lebhaften und kritischen Anteil an allen kirchlichen Fragen, wobei ihn eine liberale und vorurteilsfreie Haltung auszeichnete. So unterstützte er 1845 die Gewährung von Zahlungen an das Royal Catholic College in Maynooth, etwa 22 km von Dublin, welches das irische Parlament 1795 als Ausbildungsstätte für den irischen kath. Klerus gegründet hatte. Im Jahre 1848 trat er für die bürgerliche Gleichstellung der Juden ebenso ein wie für die Loslösung der anglikanischen Kirche von Irland aus der staatlichen Vormundschaft. Er hatte nichts dagegen, daß der umstrittene Bischof John William Colenso (1814-1883), der erste anglikanische Oberhirte von Natal in Südafrika, in seiner Diözese predigte. Seine berühmten Lehrschreiben, die er zwischen 1842 und 1872 herausgab, behandeln zahlreiche zeitgenössische Themen, u.a. die Frage der »Essays and Reviews«, die ritualistische Kontroverse und das erste Vatikanische Konzil.
Lit.: The Dictionary of National Biography, London 1898, LVI, 138-141; - J. C. Thirwall, Modern Life, London 1936; - F. L. Cross (Hrsg.), The Oxford Dictionary of the Christian Church, London-New York-Toronto 21958, 1348.
Johannes Madey
Literaturergänzung:
2009
David A. Valone, Theology, German historicism, and religious education at Cambridge. The controversies of C.T. and Julius Hare, 1822-1834, in: AEH 78.2009, S. 139-173.
Letzte Änderung: 17.12.2011