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Band XI (1996)Spalten 1390-1392 Autor: Adolar Zumkeller

THOMAS de Jesus (Tomé de Andrade), OESA, geistlicher Schriftsteller, * 1529 Lissabon, † 17.4. 1582 Sagena (Marokko). Sohn des Fernando Alvarez de Andrade aus dem Haus der Grafen de Lemos und seiner Gattin Isabella de Paiva. T. hatte eine Schwester Violante, die einen Grafen de Linhares heiratete, und zwei Brüder: Diego de Paiva de Andrade, später Theologieprofessor in Lissabon und 1561 Theologe des portugiesischen Königs Sebastian auf dem Konzil von Trient, sowie Cosmas, später Augustiner unter dem Namen Cosmas de la Presentacion. T. besuchte mit seinem Bruder D. das Kolleg der Augustiner in Coimbra, das damals Luis de Montoya, der Erneuerer der portugiesischen Augustinerprovinz, leitete. 1547 trat er in das Noviziat der Augustiner in Lissabon ein und legte dort am 27.5. 1548 seine Profeß ab. Nach der Vollendung seiner Studien an der Universität von Coimbra und nach seiner Weihe zum Priester wirkte er mehrere Jahre als Novizenmeister in Lissabon. In T. verband sich der Eifer des Seelsorgers mit einem starken Zug zu einem beschaulichen und regeltreuen Ordensleben. Als Prior in Lissabon gründete er die Bruderschaften vom Altarsakrament und von der Auferstehung. Um 1574 war er Prior von Peña Firme, einer Stätte der Beschaulichkeit. Doch 1578 begleitete er als Feldgeistlicher und verantwortlich für die Betreuung der Kranken und Verwundeten König Sebastian auf einer militärischen Expedition gegen Marokko. In der Schlacht von Alcazarquivir wurde er gefangen genommen und als Sklave an einen Marabut verkauft, der ihn für den Islam zu gewinnen suchte. Als die Bekehrungsversuche fehlschlugen, folgte eine harte Kerkerhaft. T. benutzte diese schwere Zeit zur Abfassung seiner »Os Trabalhos de Jesus« (»Die Leiden Jesu«), die er im Spätherbst 1581 vollendete. Auch pflegte er im Gefängnis die Kranken und spendete den Christen die Sakramente. Dank der Intervention des spanischen Gesandten in Marokko Francisco de Costa sollte er mit einem Lösegeld, das seine Schwester aufgebracht hatte, freigekauft werden. Doch auf seine Bitten wurde das Geld für andere Christen verwendet. Er selbst entschied sich, in Marokko zu bleiben, um den Gefangenen weiterhin Trost und Hilfe zu spenden.

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Werke: Sein Hauptwerk »Os Trabalhos de Jesus« (Erstausgabe durch einen Neffen in 2 Teilen: Lissabon 1602 und 1609) bietet Betrachtungen von Innigkeit, mystischer Tiefe und sprachlicher Schönheit über die Leiden Jesu in den verschiedenen Stadien seines Lebens. Die Schrift gehört zu den klassischen Werken der christlichen Frömmigkeit. Immer wieder ist sie bis in unser Jahrhundert aufgelegt worden. Es existieren wenigstens 8 Auflagen des portugiesischen Urtextes, 24 Auflagen in spanischer Sprache, 17 in italienischer, 3 in lateinischer, 109 in französischer, 11 in deutscher, 3 in niederländischer, 22 in englischer und eine in polnischer Sprache. Noch 1960 ist eine neue englische Übersetzung erschienen in Westminster/Md. - Andere Werke: Handschriftlich ist in der Distriktsbibliothek von Braga eine Vita des erwähnten Augustiners Luis de Montoya erhalten, die T. nach dessen Tod (1569) verfaßt hat. Im Druck erschien zuerst spanisch (Madrid 1628) und danach portugiesisch (Lissabon 1734) das Werk »Oratorio Sacro de Soliloquies do amor divino e varias devoções a Nossa Senhora«. Unsicher ist, ob ein Werk »De oratione dominica«, das 1623 in Antwerpen gedruckt wurde, ihm zugehört.

Lit.: Alexius de Meneses, Vida del Ven. T. de J. (dem Druck der »Trabalhos« von Madrid 1619 beigegeben); - Bonifacius Moral, in: La Ciudad de Dios 66 (1905) 220-30; - Ignacio Monasterio, Misticos Agustinos españoles I, 1929, 133-41; - R. Richard, Sur la diffusion des Trabalhos de Jesus en France, in: Bulletin des études portugaises 12 (1948) 257-60; - J. Khynen, S. Jean de la Croix, Antolinez et T. de J., in: Bulletin hispanique 53 (Bordeaux 1951) 393-412; - Michael P. Hogan, T. of J., apostle of suffering, in: The Tagastan 17, I (1954) 22-26; - A. de Wilt, T. a J. OESA en zijn boek over het lijden van onzen Heer Jezus Christus, in: Ons Geestelijk Erf 33 (1959) 55-67; - David Gutiérrez, Geschichte des Augustinerordens II, deutsch: 1975, 170 und 209; - D. Brass, Some Erasmian influence in the work of Frei Th. de J., in: Aufsätze zur portugiesischen Kulturgeschichte 13 (1974/75), Münster 1977, 22-116; - Francisco Leite de Favia, Difusão extraordinario do livro de Frei T. de J., in: Anais da Academia Portuguesa da Historia, 2. serie, 28 (1982) 163-234; - M.I. Resina Rodrigues, Fray Luis de Granada y la literatura de espiritualidad en Portugal, 1988, 887-93; - Enciclopédia Portuguesa XIV, 221 f.; - DHGE II, 1594 f. (ältere Lit.); - Enc.Catt. XII, 245; - NCE XIV, 120; - Dict.Spir. XV, 830-33; - Wörterbuch der Mystik, ed. Peter Dinzelbacher, 1989, 494 f.; - LThK3 I, 622.

Adolar Zumkeller

Literaturergänzung:

2008

Eduardo Javier Alonso Romo, "Los trabalhos de Jesus" (c. 1581). Un itinerario ascético y penitencial, in: RevAg 49.2008, S. 685-715.

Letzte Änderung: 17.12.2011