Verlag Traugott Bautz |
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TITUS von Bostra, † um 370 (378?). Biographisch läßt sich T. kaum greifen; erheben läßt sich, daß T. Bischof in Bostra im Hauran, der römischen Hauptstadt Arabiens, war und dort in eine Konfrontation mit Julian Apostata (s.d.) verwickelt war, die der Caesar vermutlich selbst herbeigeführt hat, ohne daß sich hinter seiner Religionspolitik noch der wahre Anlaß ausmachen ließe. Zu den wenigen sicheren Zeugnissen über T. gehört seine Unterschrift unter die acacianische christologische Formel (363). T. stirbt, nach der Angabe des Hieronymus (s.d., De vir. ill. 102) unter der Regentschaft Valens' (363-378, s.d.). - T.' Schrift gegen die Manichäer (s.u.), die vollständig nur in der syrischen Rezension aus dem Jahr 411 (Cod. Brit. Mus. Add. 12150; griechische Fragmente: Cod. Genova, Bibl. della Missione urbana gr. 37; Cod. Athos Vatop. 236) überliefert ist und nicht zwischen der Lehre Manis (s.d.) und seiner Anhänger differenziert, dürfte erst nach Julians Tod (26. 3. 363) entstanden sein (vgl. II 28). Sie belegt T.' rhetorische (dialektische) und theologische Kompetenz, wenngleich seine Christologie auffallend zurückhaltend formuliert ist und sprasam mit den zeitgenössisch strittigen Theologuma umgeht. Im ersten Buch verwirft T. die manichäische Theodoizeevorstellung zugunsten der katholischen bei Unterstreichung der Willensfreiheit, und im zweiten erörtert T. den Begriff des Bösen. Das dritte Buch setzt sich mit dem manichäischen Verständnis des Alten Testaments, das vierte mit dem Neuen Testament auseinander; abschließend verteidigt T. die katholische als rechtmäßige Lehre. T.' Werk stand in hohem Ansehen und ist vielfach rezipiert worden (vgl. Serapion von Thmuis [s.d.]). - Auskunfstreich für die neutestamentliche Textforschung ist T.' Kommentar zum Lukasevangelium, der jedoch nur noch fragmentarisch in den Katenen von Niketas von Serre (vgl. Niketas, Metropolit von Herakleia) und Makarios Chrysokephalos (14. Jh.) sowie zahlreichen anonymen Katenen überliefert ist. Unsicher ist die Zuschreibung einer Palmsonntagshomilie, während der im Florilegium Edessenum (Cod. Brit. Mus. Add. 12156) tradierte Epiphaniassermon als authentisch gilt.
Quellen: Iulian Apostata, ep. LII; Sokrates, H.E. III,25; Sozomenos, H.E. V,15; VI,4 (vgl. dazu Pierre Batiffol, Sozomène et Sabinos: ByZ 7 [1898], 265-284); Robert Pierce Casey, Serapion of Thmuis against the Manichees (Harvard Theological Texts 15), Cambridge, Mass. 1931.
Lit.: Johannes Dräseke, Ueber eine bisher unbeachtet gebliebene Schr. gegen die Manichäer: ZWTh 30 (1887), 439-462: - Joseph Sickenberger, T. v. B. Stud. z. dessen Lukashomilien (TU NF 6,1 [21,1]), Leipzig 1901: - Ders., Über griech. Evangelienkomm.: BZ 1 (1903), 182-193: - Robert Pierce Casey, The Text of the Anti-Manichaean Writings of T. of B. and Serapion of Thmuis: HThR 21 (1928), 97-111: - Anton Baumstark, Der Text der Mani-Zitate in der syr. Übers. des T. v. B.: OrChr 3.Ser. 5 (1931), 23-42: - Ders., Die syr. Übers. des T. v. B. u. das "Diatessaron": Bib. 16 (1935), 257-299: - Richard Reitzenstein, Eine wertlose u. eine wertvolle Überl. über den Manichäismus: NGG 1931 (Berlin 1931), 28-58: - Carl Schmidt/Hans Joachin Polotsky, Ein Mani-Fund in Ägypten. Originalschrr. des Mani u. seiner Schüler. Mit einem Btr. v. H. Ibscher (SPAW.PH 1933,1), Berlin 1933, 3-89: - Hans Joachim Polotsky, Manichäische Liturgien I, Stuttgart 1934: - Wilhelm Frankenberg, Die Streitschr. des T. v. B. gg. die Manichäer: ZDMG NF 17 [93] (1938), 28-29: - A. Peters, Het tractaat van Serapion van Thmuis tegen de Manichaeën: Sacris Erudiri. Jaarboek voor Godsdienstwetenschappen 2 (1949), 55-94: - P. Bellet, Excerpts of T. of B. in the Coptic Catena on the Gospels: StP 1 [= TU 63] (Berlin 1957), 10-14: - Peter Nagel, Die antimanichäischen Schrr. des T. v. B. (Diss. phil. [masch.]), Halle 1967: - Ders., Neues griech. Material z. T. v. B. (Adversus Manichaeos III 7-29), in: Johannes Irmscher/Peter Nagel (Hrsg.), Studia Byzantina NF 2. Btrr. aus der byz. Forsch. der Dt. Demokratischen Republik z. XIV. Internat. Byzantinistenkongreß Budapest 1971 (Berlin 1973), 285-350; Altaner 277f.: - Bardenhewer III, 269-273: - Baumstark 60: - Hefele-Leclercq I2, 972: - Kl. Pauly V (1965), 876: - LThK2 X (1965), 212: - Pauly-Wissowa 2. R. VI (1937), 1586-1591 [Robert Pierce Casey]: - Johannes Quasten, Patrologia Vol. II dal Concilio di Nicea a quello di Calcedonia, Casale Monferrato 1980, 361-364: - RE3 XIX (1907), 800 [Johannes Leipoldt]: - RGG3 VI (1962), 906.
Klaus-Gunther Wesseling
Literaturergänzung:
2008
Jean-Michel Lavoie ; Paul-Hubert Poirier ; Thomas S. Schmidt, Les "Homélies sur l'Évangile de Luc" de T. de B., in: The reception and interpretation of the Bible in late antiquity. Leiden [u.a.] 2008, S. 253-285.
Letzte Änderung: 17.12.2011