TOPELIUS, Zacharias, * 14.1. 1813 in Kuddnäs Gaard bei Nykarleb, + 12.3. 1898 in Björkudden, finnischer Nationaldichter und Jugendschriftsteller. - Z.T. wuchs in einem Ärzteelternhaus auf. Der Vater interessierte sich sehr für die finnische Volkspoesie und beeinflußte darin den Knaben. Frühzeitig wurde Z.T. vertraut mit den Gedichten von Fr. M. Franzén. Schon in seiner Schulzeit in Uleåborg las Z.T. viele literarische Werke der Schweden. Danach kam er an die Universität Helsingfors (Helsinki) zum Studium. Kein Geringerer als J.L. Runeberg half ihm in den Prüfungsvorbereitungen zum »Studentenexamen« (1853). So konnte Z.T. nach dem Geschichtsstudium in Helsinki zum »Fil. Mag.« 1840 promovieren. 1844 folgte der »Fil. Lic.« und 1847 der »Dr. phil.«, entsprechend der heutigen Habilitation. Schon frühzeitig dichtete Z.T.. Bei ihm ist zu beobachten, daß er »romantisch« dichtete, aber den Realismus nicht verleugnen konnte. 1842 wurde er Redakteur für die »Helsingfors Tidningen«. Diesem Blatt blieb er treu bis 1860. Mit Artikeln in dieser Zeitschrift warb er für das finnische, nationale Anliegen. Seine Gedichte wurden in diesem Organ veröffentlicht. 1845-1854 gab er drei »Hefte« seiner Lyrik heraus. Es handelt sich um folgenden Poesiekreis: »Ljungbommor« (»Heideblumen«), dem mehrere Novellen folgten. Auch später gab er Gedichtssammlungen heraus wie »Ljung« (1889) mit romantisch gefärbten Naturschilderungen. Sein berühmtestes Werk erfolgte als Serie über schwedisch-finnische Geschichte »Fältskärns berättelser« (5 Bde. 1853-1867, »Die Erzählungen des Feldschers«, dt. 1855. 1926). Die einzelnen Erzählungen sind durch eine Rahmenhandlung zusammengefügt. Es ist ein Bericht über mehrere Generationen der schwedisch-finnischen Geschichte hinweg. Der alte »Feldscher« aus der Zeit des großen Napoleon beginnt mit den Ruhmestaten von Gustav Adolf während des Dreißigjährigen Krieges und alles endet mit den ersten Jahren der Herrschaft Gustav III. Historische Forschungsergebnisse und dichterische Kraft verleihen dem Werk eine große, wirksame Lebendigkeit. Ähnlich ist die Thematik und dichterische Ausdruckskraft in dem Drama »Regina von Emmeritz« (1854). Das Stück trägt deutliche Züge der »Jungfrau von Orleans« von F. von Schiller. 1854 wurde Z.T. Professor für Geschichte an der Universität Helsingfors, 1875-1878 Rektor daselbst. 1878 bat er um die Versetzung in den Ruhestand und wohnte seitdem in Björkudden im »nyländske Skaargaard«. Seine letzte große Zeitschilderung kam unter dem Titel »Planeternas skyddslingar« (auch »Stjärnornas kungabarn«, dt. »Der Sterne Königskinder«) in Buchform 1889 heraus. Von großem pädagogischen Einfluß war seine oft übersetzte Sagen- und Märchensammlung für Kinder »Läsning för barn« (»Lesestoff für Kinder«), die in acht Bänden 1865 bis 1896 herauskam. Ein religionspädagogisches Novum bestand in der Veröffentlichung »Evangelium för Barnen« (»Evangelium für Kinder«, 18992). Es wurden Auslegungen der Sonntage des Kirchenjahres für Kinder angeboten, die damals eine Erneuerung im Sinne des Rechtes für Kinder darstellten. Bisher nahm im skandinavischen Raum die Katechetik nur Rücksicht auf das Denkvermögen Erwachsener. Die Kinder »liefen nebenher«. Nun wurde versucht, kindgerecht Evangelienauslegung zu betreiben. Appeliert wird an die Eltern, den Kindern die frohe Botschaft im Sinne des Autors nahezubringen. Tatsächlich sind die einzelnen Texte prägnant einfach. Das Bemühen von Z.T., kindgerecht zu handeln, schimmert überall durch. Auch andere Schriften für den Schulgebrauch wurden von Z.T. herausgegeben, so »Boken om vårt land« (»Das Buch von unserem Land«) mit wunderbaren Naturschilderungen. Seit Jahrzehnten arbeitete der Dichter auch in der finnischen Gesangbuchskomission mit. Im nachgelassenen »Tänkebok« (»Gedankenbuch«) wurden nochmals die Anliegen der Volks- und Religionspädagogik herausgestellt. Z.T. starb im hohen Alter auf seinem Alterssitz. Lebendig bis heute sind seine kraftvollen Kirchenlieder.
Werke: Äger finska folket en historie? (»Hat das finnische Volk eine Geschichte?«, Essay), 1845, Ljungblommor (»Heideblumen«), 1-3, 1845-54; Fältskärns berättelser (»Die Erzählungen des Feldschers«) 1-5, 1853-67, 1899-19072, 1920-19223, 19584, 19715 (Malmöer Ausg.), 1971-19736 in 2 Bd., bearb. von H. Lundin, 19857 in 6 Bdn. (Stockholmer Ausg.), 19868 mit Einl. von C.G. Ekerwald; erste dt. Teilübers.: 1855 unter dem Titel: »Erzählungen und Abenteuer des alten finnländischen Feldschers I-III in der Europäischen Bibl. X, 25-27; weitere Teilübersetzungen: 1880 mit dem Titel »Des Feldschers Erzählungen«, enthält den Gustav Adolf-Zyklus, 1926 neue Ausg. durch Öhrquist in Nord. Bücher 16; Text zur Oper »Kung Carls jagt«, 1852/53 mit Musik von Pacius; Regina von Emmeritz, Drama, 1854; Naturens bok, 1856; Ett skärgårdsäfventyr (»Ein Schärenabenteuer«), 1858; Veteranens jul, Drama, 1859; Prinsessan af Cypern, Drama, 1860; Dramatiska digter, 1861 (enth. u.a. die bedeutende Arbeit »Titians första kärlek« - »Titians erste Liebe«); Konungens handske (»Der Handschuh des Königs«), Roman, 1863; Läsning för Barn (»Lektüre«/»Lesungen« für Kinder) I-VIII, 1865-1896, dt.: Finnische Märchen 1949-1950; Nya blad (»Neue Blätter«Gedichte), 1870; Boken vom vårt land (»Das Buch über unser Land«), 1875; Vinterqvällar (»Winterquellen«), 2 Zyklen Novellen, 1880-1881 (viele Auflagen!); Ett femtio år (»Ein fünfzigstes Jahr«), Drama 18832, (Mithrsg.) Den nye Psalmebog, 1886; Ljung (»Heide«), Gedichte, 1889; Planeternas skyddslingar (»Der Planeten Schützlinge«), später »Stjärnornas kungabarn« (»Der Sterne Königskinder«), 1889; Evangelium för barnen (»Evangelium für Kinder«), 1893, 18992; Ljungars saga, Roman, 1896; Blad ur min tänkebok (»Blätter aus meinem Gedankenbuch«), posth. 1898.
Gesamtausg./Sammelwerke: Samlade skrifter, 1899 ff. (nicht vollständig, aber seine Reisebriefe und Erinnerungen wie kleinere Schriften enthaltend!); Samlade skrifter 34 Bde., (Helsingfors) 1904/07, 1920-222;, Valitut teokset (ausg. Werke) I-IX, (Helsingfors) 1949/50; - (einzelne Ausgaben:) G. Castrén, Finl. Nationallitt.: Topelius, in: O. Levertin, H. Schück u.a., Sveriges Nationallitt. Bd. 25, 2, 1911, 51-206; Om teatern i Finland (Theaterartikel), 1917; Carl Snoilsky och hans vänner II, 1918 (Briefe von Z.T. an den Dichter Snoilsky); - weitere dte. Übersetzungen: (F. Israel), Gedichte aus Finnland, 1920; (F. Osterhild, Übers.) Christus-Gedichte aus dem Norden, 1957, 10-19.
Lit.: Z.T. 14. jan. - 21. mars 1898 (Huldigung an Z.T.); - E. Vest, Z.T., 1905; - J. Ahrenberg, Människor som jag känt, III, 1908; - G. Castrén, Finl. Nationallitt.: Z.T., in O. Levertin, H. Schück u.a., Sveriges Nationallitt. Bd. 25, 2, 1911, 19 ff. (Lebenslauf); - Z.T.s hundraårsminne, 1918; - Valfrid Vasenius, Z.T. Hans liv och skaldegärning, I-VI, 1922 - 1930; - Selma Lagerlöf, Z.T., 1923 (dt.) SV Bd. 8, 1942; - R.G. Berg, Traditionella situationer och konstruktioner i Fältskärns berättelser, in: Historiska och litteraturhistorika studier 11, 1935, 99-122; - P. Nyberg, Z.T., 1949; - E. Ekelund, Z.T. och hans samtid, in: E. Ekelund, Finlands svenska litteratur II, 1969, 174-230; - L. Braude, Sakarias T. i ego skzoÚestvo tvorÚestvo, in: Litteratura 16, (Wilna) 1974/75 Nr. 3, 57-75 (Zusammenfassung in Litauisch und Frz.!); - H.E. Pipping, Kring Fredrik Wilhelm Pappings inskriptionstal. Ur Z. Topelii dagböker, in Historiska och litteraturhistoriska studier 50, 1975, 95-139; - G.C. Schoolfield u. G.W. Jones, Fairy Tales of a Journalist, in Books from Finland 18, 1984, Nr. 1, 9-19; - Sveriges Nationallitt. Bd. 25, 2, 19-20, 51-206; - Nordisk FB: Realenc. Bd. 29, 352-258; ; - KLN IV, 595 f.; - RGG2 V, 1227; - RGG3 VI, 950; - KLL V, 3388; - Meyers TL: Nordeurop. Lit.n, 321-322; - Lex.Ki. und Ju.Lit. I, 382, 383; II, 301, 572; III, 336, 346, 507; - KNLL Bd. 16, 702 f.