Verlag Traugott Bautz |
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URLSBERGER, Samuel (1685-1772) und Johann August (1728-1806) - Vater und Sohn - sind für die Geschichte des Christentums von einiger Bedeutung. Der Vater, Theologe aus der württembergischen »Erweckungsfrömmigkeit« (Pietismus) war zeitlebens mit August Hermann Francke in Halle befreundet. 1710 wurde er zum Pfarrer der deutschen Savoykirche in London berufen und von dort aus nach Augsburg. Hier gewann er über die Grenzen seines Amtsbereiches hinweg ein wachsendes Ansehen wegen seines Eintretens für Arme (Kinderfürsorge), Schwache (Diasporahilfe, Einsatz für Auswandernde) und Verfolgte (Engagement für die aus den Salzburger Landen vertriebenen Protestanten). Durch seine Freundschaft mit August Hermann Francke kam er in Verbindung mit der jungen Dänisch-Halleschen Mission in Indien. Auf Ersuchen seines Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg, der ebenfalls ein großes Interesse für diese Missionsarbeit zeigte, verfaßte U. 1715 einen kurzen Überblick über die Geschichte und Zielsetzung dieser Indien-Mission; am 19. Sonntag nach Trinitatis wurde der Bericht von allen württembergischen Kanzeln verlesen; er trägt den Titel »Kurze historische Nachricht von dem Missions- und Bekehrungswerk auf der Cüste von Coromandel bei den Malabarischen Heyden in Ost-Indien, sammt der Erinnerung zu einer christlichen Beysteuer. Aus Gelegenheit der in Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht deß jetzt Regierenden Herrn Hertzogen zu Württemberg gantzem Lande zur Ausbreitung des Evangelii unter den Heyden gnädigst ausgeschriebenen freywilligen Collekte, und damit solche von allen Cantzeln verlesen werden möchte; entworfen von Samuel Urlspergern, Consistorial-Rath und Hof-Prediger« (Ev. Missions-Magazin, 1857, 23 ff.). Sohn U. war nach seinem Theologiestudium in Tübingen und Halle ebenfalls wie sein Vater Pfarrer in Augsburg geworden. Landauf-landab verstärkte sich in jener Zeit ein großes Verlangen nach neuer, erweckter Frömmigkeit. Aus der Sehnsucht danach bildeten sich allenthalben Konventikel, Hauskreise, Gemeinschaften, »Sozietäten«, die Verbindung zueinander suchten. Es ging ihnen um die Sammlung aller geistlich heimatlosen und zerstreuten Kinder Gottes über die Grenzen von Kirchen, Konfessionen, Meinungen und Gegensätze hinweg; man trachtete nach Reinerhaltung der christlichen Lehre und gegenseitiger Hilfe für einen wahrhaft christlichen Lebenswandel; die Mitglieder solcher Gesellschaften wollten sich gegenseitig im Glauben stärken und zu regelmäßigem gemeinsamem Beten verbinden. Sie verpflichteten sich zu gewissenhafter Heilighaltung des Sonntags, zu häuslichem Gottesdienst, strenger Zucht und Gewissenserforschung. U. fügte sich ganz in diese geistige Bewegung ein und gründete 1780 die »Deutsche Gesellschaft zur Beförderung reiner Lehre und wahrer Gottseligkeit«, kurz »Deutsche Christentumsgesellschaft« genannt. In einem Blatt, das bald schon in hoher Auflage erschien (»Sammlungen für Liebhaber christlicher Wahrheit«), erstand dieser Gesellschaft ein Publikationsorgan, das im In- und Ausland weite Verbreitung fand und dazu führte, daß sich viele solcher »Sozietäten« bildeten; hier entstanden so bedeutende Missionsgesellschaften wie die zu Basel, in England, im Wuppertal u.a.m. Mitglieder und Sekretäre der Gesellschaft waren z.B. J.A. Bengel, A. von Haller, Fr. Steinkopf, Chr.G. Blumhardt, Chr.Fr. Spittler.
Paul Gerhard Aring
Literaturergänzung:
2009
Werner Raupp, Art. Urlsperger, Samuel, in: LThK, 3. Aufl.,Bd. 10, 2001, Sp. 477.
Letzte Änderung: 09.04.2011