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Band XII (1997)Spalten 943-945 Autor: Paul Gerhard Aring

URLSBERGER, Samuel (1685-1772) und Johann August (1728-1806) - Vater und Sohn - sind für die Geschichte des Christentums von einiger Bedeutung. Der Vater, Theologe aus der württembergischen »Erweckungsfrömmigkeit« (Pietismus) war zeitlebens mit August Hermann Francke in Halle befreundet. 1710 wurde er zum Pfarrer der deutschen Savoykirche in London berufen und von dort aus nach Augsburg. Hier gewann er über die Grenzen seines Amtsbereiches hinweg ein wachsendes Ansehen wegen seines Eintretens für Arme (Kinderfürsorge), Schwache (Diasporahilfe, Einsatz für Auswandernde) und Verfolgte (Engagement für die aus den Salzburger Landen vertriebenen Protestanten). Durch seine Freundschaft mit August Hermann Francke kam er in Verbindung mit der jungen Dänisch-Halleschen Mission in Indien. Auf Ersuchen seines Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg, der ebenfalls ein großes Interesse für diese Missionsarbeit zeigte, verfaßte U. 1715 einen kurzen Überblick über die Geschichte und Zielsetzung dieser Indien-Mission; am 19. Sonntag nach Trinitatis wurde der Bericht von allen württembergischen Kanzeln verlesen; er trägt den Titel »Kurze historische Nachricht von dem Missions- und Bekehrungswerk auf der Cüste von Coromandel bei den Malabarischen Heyden in Ost-Indien, sammt der Erinnerung zu einer christlichen Beysteuer. Aus Gelegenheit der in Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht deß jetzt Regierenden Herrn Hertzogen zu Württemberg gantzem Lande zur Ausbreitung des Evangelii unter den Heyden gnädigst ausgeschriebenen freywilligen Collekte, und damit solche von allen Cantzeln verlesen werden möchte; entworfen von Samuel Urlspergern, Consistorial-Rath und Hof-Prediger« (Ev. Missions-Magazin, 1857, 23 ff.). Sohn U. war nach seinem Theologiestudium in Tübingen und Halle ebenfalls wie sein Vater Pfarrer in Augsburg geworden. Landauf-landab verstärkte sich in jener Zeit ein großes Verlangen nach neuer, erweckter Frömmigkeit. Aus der Sehnsucht danach bildeten sich allenthalben Konventikel, Hauskreise, Gemeinschaften, »Sozietäten«, die Verbindung zueinander suchten. Es ging ihnen um die Sammlung aller geistlich heimatlosen und zerstreuten Kinder Gottes über die Grenzen von Kirchen, Konfessionen, Meinungen und Gegensätze hinweg; man trachtete nach Reinerhaltung der christlichen Lehre und gegenseitiger Hilfe für einen wahrhaft christlichen Lebenswandel; die Mitglieder solcher Gesellschaften wollten sich gegenseitig im Glauben stärken und zu regelmäßigem gemeinsamem Beten verbinden. Sie verpflichteten sich zu gewissenhafter Heilighaltung des Sonntags, zu häuslichem Gottesdienst, strenger Zucht und Gewissenserforschung. U. fügte sich ganz in diese geistige Bewegung ein und gründete 1780 die »Deutsche Gesellschaft zur Beförderung reiner Lehre und wahrer Gottseligkeit«, kurz »Deutsche Christentumsgesellschaft« genannt. In einem Blatt, das bald schon in hoher Auflage erschien (»Sammlungen für Liebhaber christlicher Wahrheit«), erstand dieser Gesellschaft ein Publikationsorgan, das im In- und Ausland weite Verbreitung fand und dazu führte, daß sich viele solcher »Sozietäten« bildeten; hier entstanden so bedeutende Missionsgesellschaften wie die zu Basel, in England, im Wuppertal u.a.m. Mitglieder und Sekretäre der Gesellschaft waren z.B. J.A. Bengel, A. von Haller, Fr. Steinkopf, Chr.G. Blumhardt, Chr.Fr. Spittler.

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Lit.: Außer Veröffentlichungen zur Kirchen- und Missionsgeschichte vgl. P.G. Aring, Christliche Judenmission, Neukirchen 1980; ders., Christen und Juden heute - und die »Judenmission«? Frankfurt/Main 1987; B. Koch, Samuel Urlsperger und seine Liebesarbeit an den Glaubensgenossen, in: Bilder aus Augsburgs kirchlicher Vergangenheit, 1906, 97 ff.; G. Menzel, Die Rheinische Missionsgesellschaft. Aus 150 Jahren Missionsgeschichte, Wuppertal 1978, 13 ff.; W. Oehler, Geschichte der deutschen evangelischen Missionen, Band 1, Baden-Baden 1949, 42 f. 112 ff.; L. Renner, Lebensbilder aus der Pietistenzeit, 1886, 332 ff.; H. Schobert, Der pietistische Einfluß Urlspergers auf das Bildungswesen in Augsburg, Diss. Erlangen 1939; A. Stein, Samuel Urlsperger, 1899; G. Vicedom, Mission im ökumenischen Zeitalter, Gütersloh 1967, 27 f.; G. Warneck, Abriß einer Geschichte der protestantischen Missionen, 8. Aufl., Berlin 1905, 57.132 ff.; H. Weigelt, Johann August Urlsperger, Diss. Erlangen 1961 (Bibliogr.); P. Wernle, Der schweizerische Protestantismus im 18. Jahrhundert, Band 3, 1925, 29 ff.

Paul Gerhard Aring

Literaturergänzung:

2009

Werner Raupp, Art. Urlsperger, Samuel, in: LThK, 3. Aufl.,Bd. 10, 2001, Sp. 477.

Letzte Änderung: 09.04.2011