URSUS, Erzbischof von Vienne, gest. nach 797/98. - Ursus ist der erste bekannte Erzbischof von Vienne aus der Karolingerzeit. Er tritt erstmals in Kapitel 8 des von der Synode von Frankfurt im Juni 794 erlassenen Kapitulars in Erscheinung. Aus diesem Kapitel geht hervor, daß in Frankfurt ein Streit zwischen dem Erzbischof Ursus von Vienne und dem durch seinen Vogt vertretenen Erzbischof Elifantus von Arles († nach 794) um die Zahl ihrer Suffraganbischöfe verhandelt wurde. Dabei wurden Briefe der Päpste Zosimus (417-418), Leo des Großen (440-461), Symmachus (498-514) und Gregor des Großen (590-604) verlesen, die genau festlegten, daß die Kirche von Vienne vier Suffraganbischöfe und die Kirche von Arles neun Suffraganbischöfe haben sollte (MGH Capit. 1, S. 75 = MGH Conc. 2,1, S. 167). Des Weiteren wird Ursus in der Chronik des Erzbischofs Ado von Vienne († 875) und im "Liber episcopalis Viennensis ecclesiae" des Erzbischofs Leger von Vienne (†1070) erwähnt (MGH SS 2, S. 320; Duchesne, S. 200). Aus der Chronik des Ado geht hervor, daß Ursus zumindest noch im Jahre 797/98 als Erzbischof in Vienne amtierte.
Quellen: Ex Adonis archiepiscopi Viennensis chonico, ed. Georg Heinrich Pertz. In: MGH SS 2, Hannover 1829 (Nachdr. 1976), 315-323; - MGH Capit. 1, ed. Alfred Boretius, Hannover 1883 (Nachdr. 1984); - MGH Conc. 2,1, ed. Albert Werminghoff, Hannover 1906 (Nachdr. 1997).
Lit.: Louis Duchesne, Fastes épiscopaux de l'ancienne Gaule 1, Paris 19072, 210; - Heinrich Büttner, Mission und Kirchenorganisation des Frankenreiches bis zum Tode Karls des Großen. In: Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben 1, hrsg. von Helmut Beumann, Düsseldorf 1965, 454-487, hier 483; - Wilfried Hartmann, Die Synoden der Karolingerzeit im Frankenreich und in Italien (Konziliengeschichte. Reihe A. Darstellungen 7), Paderborn/München 1989, 111.
Daniel Carlo Pangerl
Letzte Änderung: 09.04.2011