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Verlag Traugott Bautz
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VACARIUS meist »Magister Vacarius«, Glossator des römisch-justinianischen Rechts * ca. 1120 in der Lombardei † nach 1198 in England. - V. studierte in Bologna bei Schülern des Irnerius Rechtswissenschaft und erwarb den Magister-Titel. Im Richtungsstreit der aufkommenden Gratianschen Schule ist er, wenn auch nicht konsequent, der Linie des Martinus Gosia zuzurechnen. Ca. 1145 folgte er der Einladung Theobalds, Erzbischof von Canterbury, nach England, um diesem in juristischen Angelegenheiten und bei der Administration der Diözese zur Seite zu stehen, vielleicht auch um ihn in der Auseinandersetzung mit Henry von Winchester zu unterstützen. Als erster lehrte V. in England römisches Recht. Da König Stephan kurz nach 1149 jede Beschäftigung damit verbot, studierte V., evtl. in Northampton, kanonisches Recht. Vermutlich 1154 wechselte er, wohl aus Gründen persönlicher Verbesserung, an den Bischofssitz von York, dessen neuer Inhaber Roger of Pont l'Evéque ihm als vormaliger Archidiakon von Canterbury bekannt war. Ende der 50er Jahre wurde V. ordiniert. Zu V.s Aufgaben gehörte es, Roger von der Anklage der Komplizenschaft am Mord von Thomas Becket zu befreien; Papst Alexander III. hatte ihn 1171 hierzu designiert. Nach dem Tod Rogers (1181) schien er nicht mehr dem erzbischöflichen Haushalt anzugehören, agierte aber noch für den Nachfolger Geoffrey in Nottinghamshire. Ansonsten erfüllte er seine Pflichten als Kanoniker von Southwell und Pfarrer von Norwell. 1198 beauftragte ihn Innozenz III. mit der Kreuzzugspredigt in der Provinz York. Als verdienstvollstes Werk des V. gilt der Liber pauperum (ca. 1149), ein gut strukturiertes Kompendium des Codex Justinianus und der Digesten. Erstmals machte es englischen Studenten diese Rechtsquellen zugänglich und war bis zum Beginn des 13. Jh. das meistverwandte Textbuch zum römischen Recht in England. Glossen des V. zu den Institutionen Justinians finden sich in seiner Lectura. Zeitlebens folgte V. einem praxisbezogenen Ansatz und verblieb auch wenn er sich mit kanonistischen oder theologischen Fragen beschäftigte, wie in der Summa de matrimonio (um 1156) oder in De assumpto homine, in zivilrechtlichen Denk- und Argumentationsstrukturen.
Lit.: Francis de Zulueta, The Liber Pauperum of Vacarius, London 1927 (Nachdruck 1972); - C.F.C. Wenck, Magister Vacarius, Leipzig 1820; - H.A. Stölzel, Ueber Vacarius, insbesondere die Brügger und die Prager Handschrift desselben, in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte VII (1867), 234-268; - F. Liebermann, Magister Vacarius, in: English Historical Review XI (1896), 305-314 und 514-515; - F.W. Maitland, Magistri Vacarii Summa de matrimonio, in: Law Quaterly Review XIII (1897), 133-143 und 270-287; - Ilarino da Milano, L'eresia di Ugo Speroni nella configurazione del maestro Vacario (Liber contra multiplices et varios errores), Studi e Testi CXV (Vatikan 1945); - Joseph de Ghellinck, Magister Vacarius. Un juriste théologien peu aimable pour les canonistes, in: Revue d'histoire ecclésiastique XLIV (1949), 173-178; - Nicholas M. Haring, The Tractatus de Assumpto Homine by Magister Vacarius, in: Medieval Studies XXI (1959), 147-175; - Richard William Southern, Master Vacarius and the Beginning of an English Academic Tradition, in: Medieval Learning and Literature. Essays presented to Richard William Hunt, hrsg. von J.J.G. Alexander M.T. Gibson, Oxford 1976, 257-286; - Peter Stein, Vacarius and the Civil Law, in: Church and Government in the Middle Ages. Essays presented to C.R. Cheney, hrsg. von C.N.L. Brooke et al., Cambridge 1976, 119-137; - Stephan Kuttner/Eleanor Rathbone, Anglonorman Canonists of the Twelfth Century, in: Stephan Kuttner, Gratian and the Schools of Law 1140-1234, London 1983 (Nachdruck von Traditio VII (1949-51), 279-358).
Christine Schuster
Literaturergänzung:
2009
Jason Taliadoros, Synthesizing the legal and theological thought of Master V., in: ZSavRGkan 126.2009, S. 48-77.
Letzte Änderung: 21.08.2009