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Verlag Traugott Bautz
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VALENTIN von Terni, Hl., Bischof und Märtyrer, * im 3. Jh., † 268 (?). Fest am 14. Februar. - An der Via Flaminia zu Rom gab es offenbar bereits im 4. Jh. 2 Grablegen, an denen die Gebeine je eines hl. Valentin verehrt wurden: beim 2. Meilenstein, noch im Stadtgebiet von Rom, und beim 63. Meilenstein in der Nähe von Terni. Über der Begräbnisstätte am 2. Meilenstein ließ Papst Julius I. eine Valentinsbasilika errichten, die von Papst Theodor I. (642-649) vollständig renoviert wurde. Von einer Verehrung des Heiligen erfahren wir bereits aus Pilgerberichten des 7. Jh. Einige Passiones (nach dem 6. Jh.) wissen von ihm zu berichten, daß er ein Priester in Rom war, der unter Claudius Goticus (268-270) am 14. Februar hingerichtet und an der Via Flaminia beigesetzt wurde. - Beim 63. Meilenstein hingegen läßt sich im 8. Jh. ebenfalls eine einem hl. Valentin geweihte Kirche nachweisen. Auch dessen Festtag war der 14. Februar. Schließlich nennt ihn eine Passio aus dem 5.-6. Jh. einen Bürger und Bischof von Terni, der in Rom hingerichtet, jedoch in der Nähe von Terni beigesetzt wurde. Beachtenswert erscheint, daß das Röm. Martyrologium hier 2 verschiedene Märtyrer voraussetzt. Otto Wimmer und Hartmann Melzer bemerken dazu in ihrem bedeutsamen »Lexikon der Namen und Heiligen«: »Es ist aber kaum anzunehmen, daß an derselben Straße am gleichen Tag 2 Märtyrer gleichen Namens existieren. Wahrscheinlich handelt es sich um einen einzigen Märtyrer, nämlich den Bischof von Terni, dessen Kult im 4. Jh. auch in Rom eingeführt wurde. Von der Basilika am 2. Meilenstein heißt es `Quae appellatur Valentini'. Dieser eher allgemeine Ausdruck ist vermutlich ein Hinweis, daß es sich hier um den Stifter dieser Kirche namens Valentinus, nicht um den Märtyrer handelt. Von diesem könnten allenfalls Reliquien, vielleicht auch nur Berührungsreliquien (brandea, z.B. Linnentücher, in die der Leichnam gehüllt war, u.ä.) hier aufbewahrt worden sein. Die ältesten Martyrologien kennen jedenfalls noch keinen römischen Märtyrer Valentinus.« (S. 818). - V. von Terni wurde immer wieder mit anderen Trägern dieses Namens verwechselt. Übereinstimmungen bei seinen Bildern gibt es z.B. mit dem Valentin von Rätien, dessen Fest am 7. Januar gefeiert wird. Beide werden oft mit einem verkrüppelten Kind zu Füßen abgebildet. - Die Gebeine des Valentin von Terni wurden 1605 in die Kathedrale von Terni transferiert. Liturgisch wird heute dieser Tag als nicht verpflichtender Gedenktag in den Diözesen Fulda, Limburg und Mainz begangen. In Erfurt erscheint sein Tag am 13. Februar. Reliquien von ihm werden heute noch verehrt in der Pfarrkirche von Kiedrich im Rheingau und in der Liebfrauenkirche zu Worms. Worms hat in der Verehrung des V. seit dem Mittelalter bis in unsere Gegenwart eine zentrale Rolle in Deutschland. Zwar liegen die Anfänge dieser Verehrung in dieser Stadt ins Dunkle gehüllt. Gesichert ist jedoch, daß die Ulrichskapelle im Jahre 1454 einen Großteil der Reliquien verwahrte. Sie bestand bereits 1234, dürfte aber älter sein »und, nach einer Vermutung von F.Falk, Ursprung und die erste Station der Valentinusverehrung und im Besitz eines Valentinusaltares gewesen sein« (H. Schmitt). - Als diese Kapelle 1561 abgebrochen wurde, wurde die Valentinusverehrung in die St. Valentinuskapelle übertragen und blieb bis 1802 dort. Nachdem diese 1802 von den Franzosen geschlossen und nach 1837 abgebrochen worden war, wurden Bilder und Verehrung V.s nach Liebfrauen in Worms übertragen, wo sie noch heute, vor allem am 14. Februar, festlich gepflegt wird. In Liebfrauen finden sich auch einige ikonographisch wichtige Darstellungen des Heiligen. So z.B. das Valentinusfenster: Valentin und die 10 Krankheiten, geschaffen 1978 von Alois Plum. - Von Worms aus schenkte Rudolf von Rüdesheim, Wormser Domdekan und später Bischof von Breslau, ein eifriger Verehrer des hl. Valentin, ein Rippenteilchen aus dem Reliquienschatz des V. an die Pfarrkirche von Kiedrich. Dies geschah 1454. Auch in den Dom von Breslau sollen durch Rudolf von Rüdesheim Valentinsreliquien gekommen sein. Nachdem 1689 die Wormser Reliquien untergegangen waren, schenkte 1875 Kiedrich einen Teil der von Worms erhaltenen Reliquien wieder nach Worms zurück. Weiter gehören zu den Gedenkstätten V.s in Deutschland noch Mainz und Eppertshausen bei Dieburg. In Österreich wurde seine Verehrung auch sehr hochgehalten. 27 Kultorte legen Zeugnis dafür ab. Am bekanntesten sind in Oberösterreich: Haselbach, Schacherbauerkapelle, Valentinshaft und Sulzbach, in Kärnten: Glainach, Göriach, Schloß Stein, Tainach und Wolfsberg. In Bayern sind zu erwähnen: Großköchelham, Zell, Marzoll und Diepoltskirchen. Bemerkenswerte Darstellungen des Heiligen im Bereiche von Deutschland finden sich zu Helenenberg bei Trier, in Oberwesel (Liebfrauen) wie in Worms (Liebfrauen) und schließlich in Kiedrich (Pfarrkirche). Charakteristische Opfergabe an ihn war das schwarze Huhn als Apotropäon gegen Epilepsie und Fraisen. Valentinikreuzel in das Wasser geworfen, machten dieses für Epileptiker heilsam, auch die Auflegung von Valentinshirnschalen war üblich, Valentinsbrot galt als Heilmittel, das Beifußkraut (Herba S. Valentini) ist ihm geweiht. Sein Tag ist ein Unglückstag für das Vieh, daher Arbeitsverbot für dieses. - In Frankreich, Belgien, England seit dem 14. Jh. und von dort später in Amerika war der Valentinstag der Festtag der Jugend und der Liebenden. In England hielt sich der Brauch, am Valentinstag anonyme Liebesbriefe zu verschicken. (Valentine Greetings). Der Brauch, sich am Valentinstag Blumen zu schenken, geht sehr weit zurück: Im antiken Rom gedachte man am 14. Februar der Göttin Juno, der Schützerin von Ehe und Familie. Den Frauen wurden an diesem Tag Blumen geschenkt. - Ein direkter Bezug des Blumenschenkens zu V. von Terni konnte jedoch bis heute nicht aufgedeckt werden. Die Darstellungen des Heiligen zeigen ihn als Bischof mit Hahn, mit Krüppeln oder Epileptikern. Er ist der Patron der Jugend, der Reisenden, der Imker, für gute Verlobung und Heirat, gegen Ohnmachtsanfälle, »fallende Krankheit«, Pest.
Lit.: BiblSS XII, 899; - O. Marucchi, Il cimiterio e la basilica di S. Valentino, Rom 1890; - J.P. Kirsch, der stadtröm. Festkalender im Altertum, Münster 1924, 206 f., Lanzoni I 405-413; - E.M. Fusciardi, Studio critico sul martire S. Valentino da Terni; - Terni 1935, Bächtold-Stäubli VIII 1501 ff.; - O. Wimmer-H.Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen. Bearbeitet und ergänzt von J. Gelmi, Innsbruck-Wien 1988, 817 f.; - V. Schauber-H.M. Schindler, Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf, Augsburg 1992, 68, LCHI 8, 530 f.; - LThK, X2, 598 f.; - J. Torsy, Der große Namenstagskalender, Freiburg-Basel-Wien 1985, 69; - P. Manns, Die Heiligen-Alle Biographien zum Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet, Mainz 1975, 191; - G. Gugitz, Fest- und Brauchtumskalender, Wien 1955, 18 f.; - H. Schmitt, Die Pfarreien von St. Amandus (bis 1802) und Liebfrauen (1803-1811) in der Nördlichen Vorstadt von Worms, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, 24. Bd. 1972, 60-63; - W. Heininger, C.J.H. Villinger, J. Schalk: Die Kirche unserer Lieben Frau zu Worms, 1990, 24; - H.M. Wolf, Das Brautbuch-Alte Bräuche, neue Bräuche, Antibräuche, Freiburg-Basel-Wien 1992, 62 f.
Ekkart Sauser
Textanmerkungen:
Valentins Gebeine ruhen heute in der Stadtpfarrkirche "St. Michael" in Krumbach (Landkreis Günzburg, Bayern).
Literaturergänzung:
2006
Hl. V., Bischof von Terni († um 268), in: Dirspir 2006, Februar, S. 23f.; -
2008
Carlo Nardi, Oltre le consegne dell'antico Fauno. San V. e dintorni, in: VH 19.2008, S. 81-111
Letzte Änderung: 18.08.2008