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Band XX (2002)Spalten 1485-1487 Autor: Eric Steinhauer

VANDEL, Jean-Marie: katholischer Ordenspriester, Mitglied der Kongregation der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu (MSC), auch als Hiltruper Missionare bekannt. * 22.11. 1808 in Nernier bei Annecy, † 26.4. 1877 in Issoudun. - Jean-Marie Vandel kam mit 13 Jahren in das Knabenseminar von Tholon, wo er seine gymnasialen und philosophischen Studien absolvierte. Sein im Anschluß daran aufgenommenes Theologiestudium mußte er aus gesundheitlichen Gründen zunächst abbrechen. Nach Hause zurückgekehrt, gründete er zusammen mir seinem Freund und geistlichen Begleiter Favre eine Schule. 1834 konnte Vandel sein Theologiestudium wieder aufnehmen. Während des Studiums war er Aufseher im Jesuitenkolleg von Chambery, versah von 1838 bis 1842 eine Hauslehrerstelle in Avignon und war danach wiederum Aufseher in einem Jesuitenkolleg, diesmal in Freiburg/Schweiz. Dort schloß er auch seine theologischen Studien ab. Am 6.6. 1846 wurde er zum Priester geweiht. Nach der Weihe arbeitete er noch einige Zeit im Jesuitenkolleg und unternahm eine Romwallfahrt. Danach war er im Kanton Waadt als Seelsorger tätig. Er hoffte, durch sein Wirken diesen Kanton zu missionieren und wieder zum katholischen Glauben zurückzuführen. In Nyon versah er eine Pfarrstelle und war dort wegen seiner freundlichen und zuvorkommenden Art bei Katholiken und Protestanten gleichermaßen beliebt. 1855 erlitt er jedoch einen gesundheitlichen Zusammenbruch, kehrte aber noch im gleichen Jahr in seine Pfarrei zurück. Kurz darauf geriet er in eine geistliche Krise und reiste rund zehn Jahre durch Frankreich auf der Suche nach geistlicher und theologischer Vertiefung. Hier nahm er mehrere Seelsorgeaufgaben war. Pastorales Hauptanliegen Vandels war in dieser Zeit die Missionierung der religiös entfremdeten Landbevölkerung. Um die arme Landbevölkerung zu unterstützen und sie durch persönliches Apostolat von Laienmissionaren wieder zum Glauben und zu einer religiösen Praxis zu führen, gründete er das Werk der Landpfarreien und das Werk der Landlehrerinnen. Die Förderer dieser Werke leisteten eine regelmäßige Geldspende und unterstützten das Anliegen der Missionierung durch ihr Gebet. Vandel erwies sich hier als geschickter apostolischer Organisator. Er betonte die enge Verbindung von Schulbildung und religiöser Erziehung. Durch eine Begegnung mit Jules Chevalier (1824-1907), dem Gründer der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu, wurde er für die noch junge Kongregation gewonnen, der er am 2.2. 1866 in Issoudun beitrat. Hier gründete er das "Petite Oeuvre du Sacré-Coeur", das "Kleine Liebeswerk", dessen Mitglieder sich verpflichteten, regelmäßig einen Betrag für die Ausbildung von künftigen Missionaren zu spenden. Vandel finanzierte damit Missionsschulen, in denen mittellose Jungen auf den Beruf des Missionars in der Kongregation der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu vorbereitet werden sollten. Er hat damit den rund ein Jahrhundert für den Priester- und Ordensnachwuchs sehr wichtigen Schultyp einer Apostolischen Schule begründet. Im Unterschied zu etwa zeitgleich einsetzenden Initiativen anderer Ordensgemeinschaften (etwa 1865 durch die Jesuiten in Avignon), die den Schülern Freiheit bei der Berufswahl ließen, waren die Missionsschulen der MSC allein auf die Heranbildung eigenen Nachwuchses ausgerichtet. Vandel wollte die künftigen Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu schon möglichst frühzeitig im Sinne des Gemeinschaft und ihres Apostolates prägen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde diese Art der religiösen Erziehung nicht mehr praktiziert. Gleichwohl existiert das "Kleine Liebeswerk" auch heute noch zur Unterstützung der missionarischen Anliegen der MSC. Ein nach dem Tod Vandels angestrengtes Seligsprechungsverfahren ist über erste Anfänge nicht hinausgelangt.

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Werke: Oeuvre des campagnes, le ministère du curé : quelques observations sur ce que deviennent les enfants de la campagne au sortir de l'école et après leur première communion, Chaumont 1863; Notice sur la vie de M. l'abbé Favre, par un de ses amis, le P. J.-M. Vandel, Issoudun 1876; Oeuvre des campagnes, ou Quelques moyens de ranimer la foi et la vie chrétienne dans les paroisses moins religieuses, particulièrement à la campagne, Paris 1875.

Lit.: P. Benedetti, L'Opera di un soldo, Roma 1896; - Paul Carrière, Le P. Jean Vandel, missionnaire du Sacré-Coeur, fondateur de l'Oeuvre des campagnes et de la Petite Oeuvre du Sacré-Coeur, Issoudun 1908; - E. Constanzi, Positions et articles pour le procès ordinaire de béatification du serv. de Dieu p. Jean-Marie Vandel, Roma 1939; - Carl Güldenberg, Alles allen geworden : P. Johannes Maria Vandel, ein großer sozialer Reformator und Pädagoge des 19. Jahrhunderts, Gründer der neuzeitlichen klösterlichen Missionsschulen, Hiltrup 1949; - August Schwanewilms, Carl Güldenberg: Das kleine Liebeswerk, Hiltrup 1949; - o.V.: Festschrift zum goldenen Jubiläum des Kleinen Liebeswerkes, Hiltrup 1917; - o.V.: Centenario della Piccola Opera, in: Annali di N. Signora, Sonderheft, Roma 1965. Ferner: Heimbucher II, 391 f.

Lex.: DIP V, 1477; - LThK² V, 294. Über Apostolische Schulen: LThK³ I, 874.

Eric Steinhauer

Letzte Änderung: 09.04.2011