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Band XII (1997)Spalten 1288-1290 Autor: Lothar Bily

VERSIGLIA, Luigi, kath. Ordenspriester, Missionar und Bischof, * 5.6. 1873 in Oliva Gessi (Pavia/Italien), + 25.2. 1930 bei Liu Chow (Südchina, ermordet). - In einfachem, katholischem Elternhaus zusammen mit zwei Schwestern herangewachsen, geht der 12-jährige 1885 nach Valdocco/Turin in das Oratorium (Knabenheim) des Priesters Giovanni Bosco (1815-1888), Gründer der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos (SDB). In Turin Besuch des Gymnasiums. Von dem ersten salesianischen Missionsbischof, Kardinal Cagliero, begeistert, beschließt L.V., Salesianerpriester zu werden, um in die Mission zu gehen. Nach den ersten Gelübden (1889) Abschluß der schulischen Ausbildung mit Auszeichnung. Der hochbegabte junge Mann absolviert innerhalb von drei Jahren an der »Gregoriana« in Rom ein Philosophiestudium, welches er mit dem Doktorat abschließt (1893). Weiterstudium der Theologie bis zur Priesterweihe in der Kathedrale von Ivrea (b. Turin) im Jahre 1895. Der Neupriester übernimmt das Direktorat des Noviziatshauses und Jugendzentrums in Genzano beim Rom, später auch noch das Amt des Novizenmeisters (bis 1904), Jahre finanzieller Sorgen und persönlicher Prüfungen, da ihm junge Mitbrüder einen »veralteten Stil« vorwarfen. Als der Bischof von Macao (Südchina) ihn bittet, Aufbau und Leitung eines Waisenhauses zu übernehmen, sagt L.V. zu. Nach Sprachstudien in Portugal und England am 18.1.1906 Einschiffung in Genua (zusammen mit zwei weiteren Priestern und drei Brüdern des Ordens), am 17.Februar Ankunft in Macao, am 2.April Eröffnung des Hauses mit etwa dreißig Knaben und einigen Diözesanklerikern, die v.a. als Dolmetscher wirken. Einrichtung von Lehrwerkstätten und Freizeitangeboten, der Andrang von Kindern ist kaum mehr zu bewältigen. Im Gefolge der antiklerikal orientierten Revolution in Portugal von 1910 Verbot der Tätigkeit für alle Orden, auch in den Kolonien. Ausweisung der Salesianer und Abreise nach Hongkong. Viele Angebote werden gemacht, so übernimmt L.V. 1911 ein neues Missionsgebiet in Heung Shan (zw. Macao u. Kanton). Ehemalige Schüler aus Macao helfen beim mühseligen Neubeginn. Langsam wächst ein lebendiges christliches Zentrum mit eigener Pfarrgemeinde heran. Die chinesische Revolution vom 11.10. 1911 bringt Kämpfe auch im Gebiet von Heung Shan, die Arbeit kann aber fortgesetzt werden, so entstehen innerhalb von 18 Monaten vier neue Missionszentren der SDB. 1916/17 Europareise, 1918 wiederum Neuanfang, diesmal in Shiu Chow, dem nördl. Teil der Provinz Kwangtung, ein Gebiet von der Größe Belgiens mit rund 3 Millionen Einwohnern, mitten in die Wirren des Bürgerkrieges hineinverwickelt. Da aber laufend neue Missionspriester aus Italien geschickt werden, kann der ausgezeichnete Organisator L.V. die Arbeit mit Erfolg vorantreiben. Shiu Chow wird Apostol. Vikariat, L.V. 1920 Titularbischof. Am 9.1. 1921 Bischofsweihe in Kanton. 1922/23 letzte Europareise zum 12. Generalkapitel der SDB in Turin. Anschließend Rundreise durch einige europäische Länder, um für China zu werben. Dabei kommt Bischof L.V. am 7.12. 1922 auch in das Noviziatshaus der deutschen Salesianer in Ensdorf b. Amberg (Oberpfalz). Die Arbeit in China gestaltet sich durch die verworrenen politischen Verhältnisse zunehmend schwieriger und gefährlicher. 1924 Teilnahme am ersten »chinesischen Konzil« zu Shanghai. 1926/27 Reise zum Eucharistischen Weltkongreß in Chicago. 1929 stößt der Neupriester Callisto Caravario (geb.1903 in Cuorgne b. Turin) als Mitarbeiter zu L.V. Er soll den Bischof 1930 auch in das Missionsgebiet von Liu Chow begleiten, die Reise muß wegen Unruhen aber mehrfach verschoben werden. Am 24.2. endlich Aufbruch, zusammen mit zwei Lehrerinnen und deren beiden Schwestern). Der erste Teil der Reise erfolgte mit der Eisenbahn, dann mußte auf das Boot umgestiegen werden. Am 25.2. wird das Schiff frühmorgens von Flußpiraten ans Ufer gezwungen. Die Banditen wollen vor allem die Mädchen mitnehmen. Als die beiden Priester Widerstand leisten, werden sie mißhandelt, schließlich in einem Wald erschossen (die Mädchen konnten später befreit werden). Am 13.3. erfolgte die feierliche Beisetzung in der Kathedrale von Shiu Chow. Die Täter wurden, obwohl bekannt, nie bestraft. Das Grab von L.V. und C.C. wurde während der Kulturrevolution im Jahre 1966 zerstört, die sterblichen Überreste der beiden sind seitdem verschollen. Schon 1932 war Antrag auf Seligsprechung der beiden Priester gestellt worden, diese erfolgte in feierlicher Weise durch Papst Johannes Paul II. am 15.5. 1983 in Rom. L.V. und C.C. gelten als die ersten »salesianischen Märtyrer«, ihr Gedenktag ist der 13.November. - L.V. war sowohl ein ausgezeichneter Organisator als auch ein tiefreligiöser Mensch, dessen Sorge vor allem dem Aufbau der Kirche in China und der Weckung von einheimischen Priesterberufen galt. Er verstand sich in seinen Einrichtungen als »Diener aller«, der seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellte und für sich keine Titel und Ämter erstrebte. Zeitlebens wollte er »einfacher Missionar« für das »einfache Volk« sein. Wenn auch seine Ermordung streng genommen nicht aus religiösen Gründen erfolgte, so war seine Opferbereitschaft doch Folge seines gelebten christlichen Glaubens. Zudem waren ausländische Priester und Missionare bei Revolutionären und Banditen unbeliebt, ein religiöser Hintergrund des Mordes kann also nicht ausgeschlossen werden.

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Lit.: Giovanni Fergnani, La prima spedizione Salesiana in China, Mailand 1929; - Kenneth S. Latourette, A History of Christian Missions in China, New York 1929; - Bassano Lareno, Assassinio di Mons. Luigi Versiglia e di Don Callisto Caravario, Hongkong 1933; - Guido Bosio, Martiri in China. Mons. Luigi Versiglia e Don Callisto Caravario, nei loro scritti e nelle testimonianze di coetanei, Turin 1977; - Antonio J. Ortas, Protomartiri Salesiani in missione, in: Martirio e spiritualità apostolica, Rom 1983 (= collana Spirito e vita, No. 12), 17-65; - Egidio Vigano, Martiri di carità e di sacrificio per il bene altrui, in: Martirio e spiritualità apostolica, 67-79; - Josef Weber, »Ihr sollt meine Zeugen sein.« Ein Lebensbild der ersten Salesianermärtyrer Bischof Luigi Versiglia u. Don Callisto Caravario, München 1983.

Lothar Bily

Letzte Änderung: 09.04.2011