WARIN, Abt von Corvey, + 20./21.9. 856. - W., Sohn Egberts,
Grafen zwischen Rhein und Weser und der dem karolingischen Hause entstammenden
(hl.) Ida, wurde am kaiserlichen Hofe, dann von Paschasius Radbertus
im Kloster Corbie an der Somme erzogen, 822 in das neugegründete Tochterkloster
Corvey an der Weser entsandt und dort am 26.4. 826 zum Abt gewählt,
dem er 30 Jahre und 15 Tage vorstand (nach Krüger, Nachfolgeregelung
erst seit 833 Abt). Kaiser Ludwig der Fromme übertrug ihm auch die
Abtei Rebais (Bistum Meaux). Unter dem Abbatiat W.s erreichte Corvey
eine hohe Blüte. Paschasius verfaßte auf seine Bitte das Werk De corpore
et sanguine Domini und übersandte W. seine Schrift De fide, spe et
caritate. Durch Errichtung der Missionsstationen Meppen (834) und
Visbek (855) trug er wesentlich zur Christianisierung Nordwestdeutschlands
bei. Abt Hilduin von Saint-Denis schenkte W. 836 die Gebeine des hl.
Vitus, die in feierlichem Zuge nach Corvey überführt wurden.
Lit.: Die Translatio s. Viti hrsg. von Franz Stentrup
(In: Abhandlungen zur Corveyer Geschichtsschreibung hrsg. von Friedrich
Philippi I, Münster 1906, 49-100); - Friedrich Philippi, Der Liber
vitae des Klosters Corvey (ebd. 2, Münster 1916, 45-170); - Albert
K. Hömberg, Geschichte der Comitate des Werler Grafenhauses (In: Westf.
Zeitschrift 100, 1950, 1-133, hier 121-123); - Helmut Wiesemeyer,
Die Gründung der Abtei Corvey im Lichte der Translatio Sancti Viti
(ebd. 112, 1962, 245-274, hier 269-271); - Ders., Corbie und die
Entwicklung der Corveyer Klosterschule vom 9. bis 12. Jahrhundert
(ebd. 113, 1963, 271-282, bes. 274); - Josef Semmler, Corvey und
Herford in der benediktinischen Reformbewegung (In: Frühmittelalter-Studien
4, 1970, 298-309, hier 302-303); - Die alten Mönchslisten und
die Traditionen von Corvey T.1 neu hrsg. von Klemens Honselmann (Veröff.
d. Histor. Kommission f. Westfalen 10,6,1), Paderborn 1982, 23 u.
197 (Register); - Karl-Heinrich-Krüger, Zur Nachfolgeregelung
von 826 in den Klöstern Corbie und Corvey (In: Tradition als historische
Kraft hrsg. von Norbert Kamp u. Joachim Wollasch, Berlin/New York
1982, 181-196); - Joseph Prinz, Die Corveyer Annalen (Veröff.
d. Histor. Kommission f. Westfalen 10,7), Münster 1982, 150 (Register);
- Eckhard Freise, Das Frühmittelalter bis zum Vertrag von Verdun
(In: Westfälische Geschichte hrsg. von Wilhelm Kohl 1, Düsseldorf
1983, 275-335, hier 313-314, 340); - Der Liber Vitae der Abtei
Corvey. Studien zur Corveyer Gedenküberlieferung und zur Erschließung
des Liber Vitae hrsg. von Karl Schmid und Joachim Wollasch (Veröff.
d. Histor. Kommission f. Westfalen 40,2,2), Wiesbaden 1989 passim;
- Mechtild Sandmann, W. als primus abbas in Corvey (In: Der Liber
Vitae der Abtei Corvey. Studien und Forschungen, Wiesbaden 1989, 53-55);
- LThK2, 10, 1938, 754 (Hermann Joseph Wurm); - LThK2
10, 1965, 957-958 (Klemens Honselmann); - Germania Benedictina
8, 1980, 238-241 (Wilhelm Stüwer); - Westfälisches Klosterbuch
hrsg. von Karl Hengst 1 (Veröff. d. Histor. Kommission f. Westfalen
44,2,1), Münster 1992, 216-217, 221 (Martin Sagebiel); Westfälische
Geschichte hrsg. von Wilhelm Kohl, Bild- und Dokumentarband bearb.
von Peter Veddeler, Düsseldorf2 1984, 147 Abb. 194 (um 1158).