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Band XIII (1998) Spalten 693-695 Autor: Karl Mühlek

WEISSENBERG, Joseph, Gründer von »Evangelisch-Johannische Kirche nach der Offenbarung St. Johannis«, * 24.8. 1855 in Fehebeutel/Schlesien, † 6.3. 1941 in Bad Obernigk/Schlesien. Er war Kind katholischer Tagelöhner, wurde als Waise von einem heilkundigen Schäfer erzogen und ergriff den Maurerberuf. Von 1876-78 Soldat, übte er sich hernach in 36 Berufen. 1903 erschien ihm Christus. Mit den drei göttlichen Gaben des Hellsehens, Hellfühlens und Hellhörens ausgestattet wirkte er als Heilmagnetiseur. 1904 (nach anderen Angaben 1908) trat er zur evang.-lutherischen Kirche über, die er 1926 wieder verließ, um die Evangelisch-Johannische Kirche zu gründen. 1904 gründete er schon die »Vereinigung Ernster Forscher von Diesseits nach Jenseits, wahre Anhänger der christlichen Kirchen« (1907 e.V.), wurde 1908 geschieden, hatte mit seinem Medium, Gretchen Müller, der »inkarnierten Gottesmutter Maria« zwei uneheliche Kinder »ohne Erbsünde«, Frieda (7.2.1911) und Liesbeth (14.2.1912). Sie werden von seinen Anhängern als die zwei Ölbäume der Bibel verehrt (Zach 4,3 ff.; Apk 11,4). Der von ihm 1926 gegründeten Evangelisch-Johannischen Kirche strömten Tausende von Anhängern zu, weil Heilerfolge und Prophezeiungen, astrologische Gutachten über ihn und okkulte Phänomene, das Kreuzzeichen in seiner Hand und die sozialen Leistungen seiner »Friedensstadt« bei Trebbin in der Mark Brandenburg beeindruckten. 1934 umfaßte seine Kirche über 100000 Mitglieder in 400 Gemeinden mit zahlreichen Predigern, Vereinen und eben eigener Siedlung bei Trebbin. 1915 bereits einmal inhaftiert, wurde er häufig wegen Kurpfuscherei verklagt, konnte aber alle Prozesse gewinnen. Trotz Nationalismus und Wehrbegeisterung und eifriger Propaganda für Hitler wurde er wegen unzüchtiger Handlungen 1935 verurteilt und nach Bad Obernigk verbannt, wo er 1941 starb. Die Sekte wurde 1935 aufgelöst, jedoch 1946 von Frieda Müller, seiner unehelichen Tochter, wieder begründet.

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Werke: Das Fortleben nach dem Tode, Berlin 1912; Meine Verhaftung und Internierung, o.J.; Ein Lebensbild von meinem Dornenpfad, 1931.

Lit.: G. Schmidt, Die Wunder des Propheten, 5 Bde, 1913; - J. Weyer, Ein typischer Fall falschen Prophetentums, o.J.; - F. Rohr, Der Wahrheit die Ehre - Wer war Joseph Weißenberg? 1947; - Kurt Hutten, Seher, Grübler, Enthusiast. Sekten und religiöse Gemeinschaften der Gegenwart, Stuttgart 1954, 516 ff., 653-673; - Konrad Algermissen, Konfessionskunde, Celle 1957, 886 f.; G. Schermutzki, Das Dritte Testament. Die Lehre Joseph Weißenbergs über das Diesseits und Jenseits, 1957; - Konsistorium der E.-J. Kirche (Hrsg.), Joseph Weißenberg und die E.-J. Kirche, 1959; - RGG VI, 1592 f.

Karl Mühlek

Literaturergänzung:

1990

Helmut Obst, Apostel und Propheten. Gründer christlicher Religionsgemeinschaften des 19./20. Jahrhunderts, Berlin 1. Auflage der Neubearbeitung 1990, S. 348-370; -

1996

Ulrich Linse, Geisterseher und Wunderwirker. Heilssuche im Industriezeitalter. Frankfurt a.M. 1996, S. 89-211; -

2006

Andreas Schmetzstorff, J.W. (1855-1941). 3., überarb. Aufl. Baltmannsweiler 2006; -

2008

Andreas Fincke, Wiederaufbau e. Friedensstadt. Das spirituelle Zentrum d. Johannischen Kirche, in: MEZW 71.2008, S. 100-103; -

2010

Glaubensgrundlagen d. Johannischen Kirche. Red.: Ulrike Gehde ; Andreas Schmetzstorff. Berlin 2010.

Letzte Änderung: 09.04.2011