WIGFRI(E)D (Vigfridus, Wicfridus, Wigfredus, Wilifidus), 959-984 Bisch. v. Verdun, * unbekannt + 31. August 984 Verdun. - Mütterlicherseits dürfte er einer sog. Verduner Grafengruppe entstammen, der auch sein mutmaßlicher Onkel, Erzbisch. Wichfried von Köln (924-953), angehörte. Seine Herkunft de Bawaviorum partibus muß nicht notwendig so interpretiert werden, sein Vater sei bayerischer Herkunft gewesen. Möglicherweise bedeutete diese Wendung nur, er sei germanophoner Herkunft gewesen. Er war Schüler Erzbisch. Bruns v. Köln (953-965), dem er wohl auch seine Ernennung verdankte, begleitete diesen auf seiner letzten Reise ins Westfrankenreich und war bei der Niederschrift von dessen Testament als Zeuge zugegen. Auf Einladung Bisch. Theoderichs I. v. Metz (965-994) war er im Jahre 972 zusammen mit Bisch. Gerhard I. v. Toul (963-994) an der Weihe v. zwei Altären in St. Vinzenz zu Metz beteiligt. Im gleichen Jahr wurde W. zu Vandresel (bei Sivry-sur-Meuse) v. Gf. Siegfried v. Luxemburg überfallen und gefangengenommen. Des Bisch. nepos (Neffe?) Richer, der ihn begleitete, fand bei dem Überfall den Tod. Auf Intervention v. - wohl benachbarten - Bischöfen kam W. frei. Eine große Geldsumme, die Gf. Siegfried ihm zur Sühne übereignen mußte, verwandte er zur Ausschmückung seiner Bischofskirche. W. nahm sicher an der Weihe des Reimser Erzbisch. Odelrich (962-969) und vielleicht auch an der Synode von Meaux (April 962) teil. Seine Verbindung zur lothringischen Kirchenreform verdeutlicht besonders die Gründung der Abtei St. Paul zu Verdun (vor dem 5. April 971), am Grab eines seiner Vorgänger. W. hielt sich während des dritten Italienzugs Ottos I. von 968-972 in Italien auf, leistete aber 981/82 Otto II. nicht persönlich Heeresfolge. Er starb am 31. August 984 und wurde in seiner Gründung St. Paul bestattet.
Quellen: (Jesta episcoporum Virdunensium auctoribus Bertario et Anonymo monachis S. Vitoni continuatio c. 3 (MG SS 4) Hannover 1841, 46; Chronicon Hugonis monachi Virdunensis, abbatis Flaviniacensis, lib. 1 (MG SS 8) Hannover 1848, 367; Actes des Princes Lorrains 2Šme série: Princes ecclésiastiques III: Les éveques de Verdun Ades origines à 1107, ed. Jean-Pol Evrard, Nancy 1977, Nr. 21-32.
Lit.: Richard de Wassebourg Antiquitez de la Gaule Belgicque, Bd. 1, Paris 1549, fol CLXXXXIII - CLXXXVIIIX - Gallia Christiana, Bd. 13, Paris 1785, Sp. 1180f.; - Nicolas Roussel, Histoire ecclésiastique et civile de Verdun avec le pouille, la carte du diocése et le plan de la ville en 1745, édition revue et annoté, Bd. 1, Bar-Le-Duc 1863, 207-211; - Nicolas - Narcisse Robinet, Pouillé du diocése de Verdun, Verdun 1888, 12; - Benno Morret, Stand und Herkunft der Bischöfe von Metz, Toul und Verdun im MA, (Phil. Diss.) Düsseldorf 1911, 180; - Karl Schmid (Hrsg.), Die Klostergemeinschaft von Fulda im früheren MA, Bd. 2, 1, München 1978, 342 (B 139); - Frank O. Hirschmann, Verdun im hohen MA. Eine lothringiscbe Kathedral-Stadt und ihr Umland im Spiegel der geistlichen Institutionen (Trierer Historische Forschungen 27) Trier 1996, vor allem 54-56, 215-218, 220-222, 226-228, 230-234.
Georg Kreuzer
Letzte Änderung: 09.04.2011